Hitze, Party und etwas Wehmut - Toten Hosen rocken den Deutsche Bank Park
Nach 44 Jahren im Musik-Business läuten die Toten Hosen langsam aber sicher ihren Abschied ein - lassen es vorher aber nochmal richtig krachen! Am Samstagabend haben die Punk-Rocker aus Düsseldorf den ausverkauften Deutsche Bank Park ordentlich zum Schwitzen gebracht. Mit einer energiegeladenen Show trotz brütender Hitze begeistern sie ihre Fans beim wahrscheinlich letzten Gastspiel in Frankfurt.
“Die Luft hier erinnert mich sehr an unseren Probenraum. Das sind wir gewohnt”, grinst Frontmann Campino gleich zu Beginn in den Glutofen der Frankfurter Arena. Auch 40 Grad Außentempertur, geschätzte 50 Grad auf der überdimensionalen Bühne, halten die Rock-Legenden nicht davon ab, von Minute eins an Vollgas zu geben.
Das Beste aus vier Jahrzehnten
Immerhin sind und waren Live-Shows immer das Spezialgebiet der Toten Hosen - und das bekommt am Samstagabend jeder der 44.000 Zuschauer im Frankfurter Stadtwald zu spüren. Mit der “Opel-Gang”, “Auswärtsspiel oder ”Laune der Natur" starten die fünf Musiker die Zeitreise durch über vier Jahrzehnte Band-Geschichte. Dazu kommen immer wieder Songs vom aktuellen und - so heißt es - letzten Studioalbum “Trink aus, wir müssen gehen!”. Auch wenn Titel wie “Die Show muss weitergehen” noch nicht nach Abschied klingen.
Kostenloses Trinkwasser gegen die Hitze
Das Publikum ist da längst auf Betriebstemperatur - von Hitze-Trägheit keine Spur. Mit der Verteilung von kostenlosem Trinkwasser und gelockerten Einlassregeln sorgen die Veranstalter auch bei “Es gibt wenige Städte, wo ich das Vertrauen hätte, dass das trotz der Hitze ein geiler Abend wird”, ruft Campino in die Menge - und soll recht behalten.
Erst mitreißend, dann gefühlvoll
Nach fast vier Jahren ohne große Deutschland-Tournee merkt man der Band den Hunger auf die Stadion-Show in jedem Takt und jedem Akkord an. Sänger Campino bewegt sich auf der Bühne, als wäre er noch immer in seinen Zwanzigern - und sucht immer wieder den Kontakt mit den Fans. Nach dem gefühlvollen Song “Nur zu Besuch”, der die Gedanken nach einem Todesfall verarbeitet, wird es sogleich wieder rockiger.
Hausverbot in der Batschkapp ist vergessen
Bei “Alles aus Liebe” sowie dem sozialkritischen Hit “Hier kommt Alex”, mit dem den Hosen 1988 der endgültige Durchbruch gelang, gibt es im Deutsche Bank Park kein Halten mehr. Zwischendurch blickt Campino in seinen kurzen Überleitungen fast wehmütig auf die Anfänge der Düsseldorfer Band zurück - und berichtet, wie die Punk-Rocker 1982 wegen einer nicht gezahlten Zeche Hausverbot in der Frankfurter Batschkapp bekommen haben.
Marteria als Überraschungsgast
Doch das ist Schnee von gestern: Mittlerweile sei die Mainmetropole einer der Lieblings-Tourstops der Band, so der Frontmann. “Wir haben ganz viele tolle Erinnerugen an Frankfurt - und heute kommt noch eine besondere dazu. Diese Stimmung bei der Hitze werden wir ganz sicher nicht vergessen.” Und heiß geht es auch weiter: Mit Rapper Marteria als Überraschungsgast biegt die Band auf die Zielgerade ein, ehe Drunmer Vom Ritchie beim Gassenhauer “Eisgekühlter Bommerlunder” zu Höchstform aufläuft.
So haben die Toten Hosen auf der Bühne performt
“An Tagen wie diesen, wünscht man sich Unendlichkeit”
Es folgt die Stadion-Hymne “Tage wie diese”: Gesungen von zehntausenden Kehlen ein weiterer Gänsehaut-Moment. Doch natürlich dürfen dürfen bei einem Toten-Hosen-Konzert auch politische Statements nicht fehlen: Mit seinem Aufruf gegen Rechtsextremismus erntet Campino großen Applaus aus dem weiten Rund. Da passt es, dass die Rocker wenig später den Ärzte-Klassiker “Schrei nach Liebe” als Cover anstimmen.
Emotionaler Abschied aus Frankfurt
Der Abend im Deutsche Bank Park ist fast vorbei, aber: “Ich hab eigentlich noch gar keinen Bock, jetzt aufzuhören!”, brüllt Campino in die jubelnde Menge. Im Trikot von Fortuna Düsseldorf stürmt er noch einmal die Bühne und packt in die Zugaben seine volle Energie.
Beim Song “Trink aus” vom gleichnamigen Studioalbum ist dann tatsächlich der Moment des Abschieds gekommen. Es folgt ein letztes “You'll never walk alone”, dann verlassen die Toten Hosen sichtlich gerührt die Frankfurter Bühne - vielleicht für immer. Auch wenn sich das viele Fans nach diesem Abend noch nicht vorstellen können.