Aufruf von Forstamt im Taunus - Kleinen Katzen im Wald bitte nicht helfen
Im Taunus leben so viele Wildkatzen wie fast nirgendwo sonst in Deutschland - und gerade haben viele Nachwuchs. Das Problem: Gut gemeinte „Rettungsaktionen" können die Tiere das Leben kosten.
Es kommt tatsächlich immer wieder vor: Menschen sind im Wald unterwegs, sehen ein kleines, niedliches Kätzchen - ganz allein, offenbar verloren. Der erste Impuls: Retten, mitnehmen und ins Tierheim bringen. Försterin Bhavana Kaiser vom Forstamt Weilrod hat eine klare Bitte: Bitte nicht.
Jungtiere erkunden die Welt
Denn dabei handelt es sich höchstwahrscheinlich nicht um eine ausgesetzte Hauskatze, sondern um eine Wildkatze. Der Taunus ist - neben dem Pfälzer Wald - ein absoluter Hotspot: „Die höchste Wildkatzendichte in Deutschland", sagt Kaiser.
Gerade jetzt, im Sommer, sind besonders viele Jungtiere unterwegs. Die Kätzchen sind genau in dem Alter, wo sie anfangen, die Welt zu erkunden - noch ein bisschen unbeholfen, noch nicht besonders vorsichtig gegenüber Menschen. Die Mutter ist dabei nicht immer direkt daneben. Sie ist auf Futtersuche. Aber sie ist in der Nähe. Und sie kümmert sich.
Aktueller Fall in Oberursel
Dieses Jahr hat es schon einmal jemand gut gemeint - und doch falsch gehandelt. Am Parkplatz Hohemark hat jemand eine kleine Katze mitgenommen, weil er dachte, sie sei ausgesetzt. Das Tier landete im Tierheim Oberursel.
Dort hatten die Mitarbeiter zum Glück den richtigen Instinkt und machten erst einen Test: Ist das überhaupt eine Wildkatze? Denn wenn ein Wildkätzchen versehentlich kastriert wird, „dann war es das mit dem fruchtbar sein und sich mehren", sagt Kaiser nüchtern. Ein Fehler mit dauerhaften Folgen - für das Tier und für die Population.
Wildkatzen können in Tierheimen sterben
Im Tierheim kämpfen die kleinen Wildkatzen ums Überleben - im wahrsten Sinne. „So eine kleine Katze, die ist richtig wütend, die kämpft um ihr Leben", schildert Kaiser. Die Tiere können nur mit dicken Lederhandschuhen angefasst werden. Manche verweigern das Futter. Manche regen sich so auf, dass sie daran sterben. „Das sind keine schönen Bilder, die man dann da sieht."
Also: Einfach gehen lassen. Kaisers Faustregel ist denkbar simpel: Wenn die Katze nicht schwarz-weiß gefleckt oder leuchtend rot gestreift ist - Finger weg und im Wald lassen. Aber woran erkennt man eine Wildkatze genauer?
So sieht eine Wildkatze aus:
- Verwaschene, unregelmäßige Streifen an den Seiten
- Vier Streifen, die über die Stirn zwischen den Ohren verlaufen
- Ein durchgehender schwarzer Streifen bis zum Schwanz
- Am Schwanz: vier Ringe - und immer eine schwarze Schwanzspitze
- Am hinteren Teil der Hinterpfoten: ein winzig kleiner schwarzer Fersenfleck (bei Hauskatzen reicht der oft weit hoch)
Aber das Allerwichtigste: „Alles, was nicht schwarz-weiß gefleckt ist oder rot - einfach im Wald lassen", sagt Kaiser. Kurz, knapp, eindeutig.