Erinnerungen zum Anfassen - 102 neue Stolpersteine in Frankfurt
In Frankfurt erinnern 102 neue Stolpersteine an die Opfer der NS-Zeit. Für die Verlegungen reisen mehr als 140 Nachfahren aus aller Welt in die Mainmetropole an. Gleichzeitig wird der Erfinder des Gedenkprojekts mit einem besonderen Preis ausgezeichnet.
Die kleinen Messingplatten werden an 25 Adressen in neun verschiedenen Stadtteilen in den Boden eingelassen oder feierlich enthüllt. Sie sollen an die Menschen erinnern, die während der nationalsozialistischen Diktatur entrechtet, vertrieben oder ermordet wurden.
Angehörige reisen aus dem Ausland an
Zu den Gedenkzeremonien kommen Familienmitglieder unter anderem aus den USA, Israel und Südafrika nach Hessen. Die Initiative Stolpersteine Frankfurt bündelt diese Termine laut eigenen Angaben ganz bewusst, da viele Angehörige die Verlegung selbst angestoßen haben und extra dafür anreisen.
Beispiel einer Frankfurter Familie
Wie wichtig diese persönliche Erinnerungskultur ist, zeigt sich im Frankfurter Nordend am ehemaligen Wohnhaus der jüdischen Familie Oppenheimer. Um die Menschen hinter den Steinen sichtbar zu machen, lasen Frankfurter Schüler die Biografien der Familie auf Englisch vor. Die Familie habe sich stets als Deutsche und als Frankfurter verstanden, berichtet eine angereiste Großcousine.
Warnung für die Gegenwart
Die Stolpersteine seien nicht nur ein Zeichen der Erinnerung, sondern auch eine Verantwortung für das Hier und Jetzt, heißt es von der Frankfurter Initiative. Die Verbrechen der Nationalsozialisten hätten den Angaben zufolge nicht erst mit dem Morden, sondern mit Ausgrenzung und Angriffen auf die Demokratie begonnen.
Hessischer Verfassungspreis für den Erfinder
Während in Frankfurt neue Steine verlegt werden, erhält der Erfinder der Stolpersteine, der in Osthessen lebende Künstler Gunter Demnig, den hessischen Verfassungspreis. Laut Landtag würdigt die Auszeichnung Menschen, die sich dafür einsetzen, dass die Demokratie auch in Zukunft lebendig bleibt.
Verbeugung vor den Opfern
Demnig verlegt die Gedenksteine bereits seit über 30 Jahren. Mittlerweile gibt es nach Angaben des Künstlers rund 130.000 Stolpersteine in ganz Europa. Wer die Inschrift auf den kleinen quadratischen Steinen lesen wolle, müsse sich zwangsläufig vor dem Opfer verbeugen, erklärt Demnig.