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Bäckereien in der Energiekrise: Ist bei vielen bald der Ofen aus?

Bäckereien in der Energiekrise - Ist bei vielen Bäckern bald der Ofen aus?

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Große Sorgen in vielen Bäckereien wegen der hohen Energiekosten - so auch in der Bäckerei Liebig in Pfungstadt. FFH-Reporter Marc Wilhelm berichtet, wie viel Strom der Bäcker verbraucht und wo jetzt gespart wird.

Alarmstimmung bei unseren Bäckern in Hessen: Weil die Energiekosten und die Preise für Zutaten explodieren, steht vielen schon das Wasser bis zum Hals. Im Bäckerhandwerk geht die Angst um. 

Die Sorge der Innung: Wegen der sich weiter drehenden Kostenspirale könnte schon im Winter für viele Betriebe das Aus drohen.

Ständig neue schlechte Nachrichten

Auch die Besitzer der Bäckerei Liebig aus Pfungstadt machen sich so ihre Gedanken. Eine echte Traditionsbäckerei: Sie besteht seit 1905. Gegründet vom Ur-Ur-Opa von Christopher Liebig. Er backt Brötchen und Schoko-Rollen in der mittlerweile fünften Generation. Doch die momentane Lage treibt ihm immer mehr Sorgenfalten auf die Stirn. Er sagt: "Jede Woche bekommen wir sechs bis acht Mails mit neuen Mitteilungen, was wieder teurer werden wird."

Ofen und Kühlung sind Energiefresser 

Allen voran sind das Strom und Gas. Der Stromverbrauch ist im Betrieb von Bäcker Liebig pro Jahr so hoch wie bei etwa hundert Zwei-Personen-Haushalten zusammen. Der große Backofen und die Kühlanlage sind dabei die größten Energiefresser.

 

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Bald 1 Euro pro Brötchen

Also bleibt Christopher Liebig nichts anderes übrig, als an der Preisschraube zu drehen - und die Kosten, zumindest zum Teil, an seine Kunden weiterzugeben. So sei etwa ein einfaches Wasserbrötchen seit 2020 um 30 Prozent teurer geworden. Und zum 15. Oktober steht die nächste Preiserhöhung bei den Bäckerei-Produkten der Liebigs an. Bei den aufwändigeren Kürbiskernbrötchen etwa dauere es nicht mehr lange, und die 1-Euro-Marke pro Brötchen werde erreicht.  

Leitgedanke: keine Energie verschwenden

56 Angestellte hat der Pfungstädter Betrieb aktuell. "Das letzte, was wir wollen, ist, keine Löhne mehr bezahlen zu können", sagt Christopher Liebig nachdenklich. Dabei ist die Devise von Bäcker Liebig schon: nichts verschwenden, wiederverwenden.

Abwärme und Sonnen-Strom werden genutzt

So werden die Räume am Stammsitz in Pfungstadt mit der Abwärme der Öfen und Kühlanlagen beheizt, eine Photovoltaik-Anlage liefert Sonnen-Strom für den Elektromotor der Bäckerei-Transporter. Dieses Einspar-Potenzial reiche aber auf lange Sicht hinten und vorne nicht.

"Alarmstufe Brot" ausgerufen

Nicht nur in der Region, auch bundesweit gibt es immer weniger Bäckerei-Betriebe: ungefähr 20 Prozent weniger innerhalb von nur sieben Jahren. Das Bäckerhandwerk hat die "Alarmstufe Brot" ausgerufen. Die Bäcker fordern von der Bundesregierung eine Art „Rettungsschirm“ für die Branche. Und auf Hilfe von der Politik hofft auch der Pfungstädter Bäcker Liebig. Ansonsten gebe es schon im anstehenden Winter ein regelrechtes Bäckerei-Sterben, fürchtet die Innung.

Marc Wilhelm

Reporter
Marc Wilhelm

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