Kippenreste in Griesheimer Düne - Hier gibt es gratis Taschenaschenbecher
Rauchen ist in Naturschutzgebieten generell untersagt. Doch in der Schutzzone “Griesheimer Düne” südlich von Darmstadt zählte Kirstin Nieswandt bis zu 18 Kippenstummel auf einem 300 Meter langen Weg. Ihre Recherche brachte sie auf sogenannte “Taschenaschenbecher”, erzählt sie am FFH-Mikro.
Doch von vorn: Beim Gassigehen mit ihrem Hund ist sie über die vielen Kippen gestolpert, erzählt sie. Ihren Versuch, die Menschen auf die Zigarettenstummel anzusprechen, musste sie abbrechen: “Ich habe gemerkt, die Menschen reagieren ganz garstig und sind sofort auf Verteidigung.” Und obwohl es teils empfindliche Geldstrafen für das Rauchen in Naturschutzgebieten gibt, paffen die Menschen dort, berichtet Nieswandt. “Dann muss man ihnen ein Alternativverhalten anbieten.”
Taschenaschenbecher für Raucher
Ihr Sohn machte sie auf die Idee der Taschenaschenbecher aufmerksam, die er auf dem Golden Leaves Festival in Darmstadt gesehen hatte. Die kleinen Behälter bieten Rauchern eine umweltfreundliche Möglichkeit, ihre Zigarettenstummel zu entsorgen. Nieswandt setzte sich mit verschiedenen Firmen in Verbindung, um solche Aschenbecher für das Naturschutzgebiet zu erhalten. Eine Berliner Firma spendete die benötigten Behälter. Die etwa handgroßen Plastikröhrchen sind geformt wie Reagenzgläser. Es gibt sie in transparent und in einem knalligen Pink.
Vier Stationen in Natuschutzgebieten bei Darmstadt
Nieswandt stellte an vier Orten im Gebiet "Griesheimer Düne" und am "Weißen Berg" südlich von Darmstadt kleine blaue, Vogelhaus-ähnliche Stationen auf, in denen die Taschenaschenbecher für die Spaziergänger bereitstehen. Eine von ihnen steht bei der Gartenzentrale Appell, unweit der Eschollbrücker Straße. Von Beginn an seien die Behälter gut angenommen worden, berichtet sie am FFH-Mikrofon. Regelmäßig würden die Aschenbecher entnommen, einige würden sie sogar mit ihren Kippenstummeln zurücklegen. Nieswandt leert sie dann aus und legt sie zurück in die Taschenaschenbecher-Stationen.
Deutlich weniger Kippenstummel dank Taschenaschenbechern
Die Stationen zeigen Wirkung. FFH-Reporter Ben Schöffel zählt bei einem Treffen mit Nieswandt nur noch fünf Kippenstummel auf demselben Weg, auf dem sie zuvor 18 Kippen fand. Die Naturschützerin sieht darin einen großen Erfolg und will langfristig noch mehr Stationen aufstellen. Doch auch andere Menschen will sie motivieren, in Garten- und Parkanlagen Taschenaschenbecher zu verteilen. “Vielleicht muss ich die Stationen, wenn die Leute die Taschenaschenbecher mitnehmen und alle genügend haben, auch umstellen", hofft Nieswandt.
Warum Taschenaschenbecher wichtig sind
Bis zu 4.000 Giftstoffe könnten in einem Zigarettenstummel stecken, sagt Nieswand. Die Naturschützerin warnt: Wird die Kippe nass, lösten sich Arsen, Blei, Cadmium und co. binnen 30 Minuten heraus und gelangten dann ins Grundwasser. Die Filter bestehen zudem aus Plastik, welches bei Zersetzen in Mikroplastik langfristige Schäden an der Umwelt verursachen kann.