Kloster und Mathildenhöhe - Jubiläen für hessische Welterbestätten
Zeugnisse des frühen Mittelalters und des Übergangs zur Moderne: Das jüngste und das älteste Welterbe in Hessen haben kleine Jubiläen. Die Mathildenhöhe in Darmstadt wurde vor fünf Jahren und das Kloster Lorsch vor 35 Jahren Unesco-Welterbe. Was macht die beiden Stätten so faszinierend?
Das Kloster Lorsch besuchten nach Angaben der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen im Jahr 2025 mehr als 340.000 Besucherinnen und Besucher. Das erhaltene karolingische Tor ist ein Monument einstiger Macht. Es ist auch das einzige vollständig erhaltene Gebäude der Klosteranlage. Ansonsten gibt es noch die Ruine einer Kirche und Teile der Klostermauer. Auf dem Areal sollen Könige begraben sein, ein Papst und auch Karl der Große (bis 814) waren hier.
Karl der Große und Lorsch
Unter Karl dem Großen wurde Lorsch zum Königskloster und es begann der Machtzuwachs mit mehr als 3.000 Besitzungen von der heutigen Schweiz bis nach Ostfriesland. Es wurde erst 1556 im Zuge der Reformation aufgelöst.
Das sagt die Unesco-Kommission
Die Deutsche Unesco-Kommission würdigt das Kloster und die vollständig erhaltene Torhalle auf ihrer Website: "Sie ist eines der wenigen Denkmäler aus der Zeit der Karolinger, das über die Jahrhunderte hinweg sein ursprüngliches Aussehen bewahrt hat und an die vergangene Größe eines einst mächtigen Klosters und seiner weitgreifenden Verbindungen in der Welt erinnert."
Die Mathildenhöhe
Die Anerkennung der Mathildenhöhe in Darmstadt als Welterbe dauerte Jahre. Die Macher sahen in ihrer Begründung für die Bewerbung bei der Unesco mit den 15 Gebäuden wie Hochzeitsturm, russischer Kapelle, Ausstellungshaus, Parkanlage und Skulpturen nicht einfach nur ein Jugendstil-Ensemble, sondern einen Schritt in die Moderne Richtung Bauhaus. Peter Behrens als einer der ersten Künstler war später Lehrer von Walter Gropius.
Kunst und Kultur um 1900
Für die Verantwortlichen repräsentiert die Mathildenhöhe die künstlerische und kulturelle Entwicklung um 1900. Der Bau war keineswegs nur schöngeistiger, sondern auch handfester wirtschaftlicher Natur. Der hessische Großherzog Ernst Ludwig sah mangels Bodenschätzen einen ökonomischen Aufschwung nur durch mehr Qualität der Manufakturen gewährleistet. Die Förderung der Kunst wurde zum Wirtschaftsfaktor. Es ging nicht nur um Architektur und die Anlage, sondern auch um alltägliche Gebrauchsgegenstände in den Wohnungen.
Weltausstellungen in Paris
Darmstadt war dann auch bei den Weltausstellungen in Paris 1900 und in St. Louis 1904 vertreten. Die Mathildenhöhe wurde 2021 das siebte Welterbe in Hessen. Unlängst wurde auch mit dem Bau eines Informationszentrums begonnen. Zum 125. Jahrestag der ersten Ausstellung auf der Mathildenhöhe 1901 kam in diesem Jahr auch eine Sonderbriefmarke heraus.
Viele Besucher auf der Mathildenhöhe
Die Besucherzahlen der Mathildenhöhe würden sich positiv entwickeln, heißt es bei der Stadt. "Im vergangenen Jahr besuchten rund 660.000 Personen die Welterbestätte." Grundlage dieser Zahl seien die erfassten Besucherzahlen des Museums, der Ausstellungsgebäude, des Hochzeitsturms sowie der Führungen über die Mathildenhöhe. "Ergänzend führt Darmstadt Marketing regelmäßige Zählungen auf dem Gelände durch."