Statt 6 jetzt 21 Millionen Euro - Darmstadt stoppt Mathildenhöhe-Pläne
Die Stadt Darmstadt zieht bei den Planungen für das neue Besucherzentrum auf der Welterbestätte Mathildenhöhe die Reißleine: Wegen einer massiven Kostenexplosion und fehlender Konzepte stoppt der Magistrat das Bauprojekt vorerst.
Ursprünglich sollte das geplante Informationszentrum rund 6,2 Millionen Euro kosten. Inzwischen geht die Stadtverwaltung laut Oberbürgermeister Hanno Benz von mehr als 21 Millionen Euro aus.
In Mainz und Bamberg günstigere Lösungen
Bei der Überprüfung des Projekts fiel zudem auf, dass es bislang gar kein inhaltliches Konzept gibt, was den Besuchern vor Ort eigentlich vermittelt werden soll und dazu erst im Haushalt 2027 Mittel eingestellt werden müssen - sowohl für Konzeption als auch Realisierung. Daher habe sich die Stadt nun entschlossen, das Projekt aufgrund der schwierigen Haushaltslage in dieser Form der Planung zu beenden – auch vor dem Hintergrund, dass vergleichbare Besucher- und Informationszentren in Mainz (fünf Millionen Euro) und Bamberg (neun Millionen Euro) wesentlich kostengünstiger realisiert worden seien.
Architektur vor Konzept
Laut Stadt wurde in der Vergangenheit die Architektur vorangetrieben, bevor überhaupt klar war, was das Zentrum leisten müsse. Diesen Fehler wolle man nun korrigieren und die Planung vom Inhalt her neu denken.
Zuständigkeits-Wirrwarr
Hinzu kommt auf der Mathildenhöhe offenbar ein völlig unübersichtliches Management. Für die Pflege und den Betrieb eines einzigen Brunnens seien teils verschiedene städtische Ämter zuständig, heißt es in einem vom Oberbürgermeister in einer Pressekonferenz am Montag (17.8.) vorgetragenen Beispiel. Dieses Kompetenz- und Organisations-Wirrwarr solle nun beendet werden. Ein Gesamtmanagement fehle bislang und müsse erst noch erstellt werden.
Millionen für Sanierung fällig
Statt eines teuren Neubaus rückt nun offenbar der Erhalt der Anlage in den Fokus: Allein für die Sanierung von Hochzeitsturm, Ernst-Ludwig-Haus und weiteren Bauwerken werden laut Verwaltung aktuell rund 15,6 Millionen Euro benötigt. Angesichts der schwierigen Haushaltslage habe das nun oberste Priorität.
Schluss mit "Wünsch-Dir-Was"
Wie ein Informationsangebot für Touristen künftig aussehen könnte, werde nun ergebnisoffen geprüft. Auch eine digitale Lösung oder eine Vernetzung mit der Grube Messel und dem Kloster Lorsch, beides weitere Welterbestätten in Südhessen, sei denkbar. „Die künftige Projektplanung der Stadt darf nicht mehr auf Maximalforderungen und den höchsten Standards basieren – das Prinzip ‚Wünsch-Dir-Was‘ ist endgültig vorbei. Ein seriöses Baumanagement beginnt nicht mit der Architektur, sondern beim Geld", so der Wortlaut in einer Mitteilung der Stadt.