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Rheinmetall erschließt Weltall als neues Geschäftsfeld

Rheinmetall baut Satelliten - Ein Panzerbauer im Weltall

Weltraumsatellit von Rheinmetall
© Wolf von Dewitz/dpa

Ein Satelliten-Modell bei der Pariser Waffenmesse Eurosatory im Sommer im Maßstab eins zu vier. In kompletter Größe sind die Satelliten 3,3 Meter lang und 0,8 Meter breit.

Panzer, Artillerie und Munition, mit solchen Rüstungsgütern macht Rheinmetall Milliardengeschäfte. Inzwischen richtet die Firma ihren Blick auch gen Weltraum, um ihr Produktportfolio zu erweitern.

Der Panzerbauer Rheinmetall hat mit der Serienproduktion von Satelliten begonnen, um sein Produktportfolio zu erweitern und alle Ebenen des modernen Gefechtsfeldes abzudecken. Die Fertigung in Neuss sei erfolgreich angelaufen, teilte das Unternehmen mit. Nach Vorarbeiten samt Planung und Aufbau sei man in die industrielle Umsetzung übergegangen. 

Radaraufnahmen vom Feind

Es geht um SAR-Satelliten, die zusammen mit dem finnischen Unternehmen Iceye gebaut werden. Die "Synthetic Aperture Radar"-Technologie liefert auch bei Nacht und schlechtem Wetter präzise Aufnahmen von Truppenbewegungen und Stellungen des Feindes. Dabei wird Künstliche Intelligenz (KI) eingesetzt, um relevante Informationen herauszufiltern und aufzubereiten. Hersteller ist die Rheinmetall Iceye Space Solutions GmbH, an der Rheinmetall 60 Prozent hält. 

Ab 2027 im Weltall

Pro Jahr sollen etwa 50 Satelliten hergestellt werden; Anfang 2027 soll der erste Neusser Satellit mit einer Trägerrakete von SpaceX in den Orbit gebracht werden und dort seine Bahnen ziehen. Die SAR-Satelliten sind 3,3 Meter Lang und 0,8 Meter breit, sie wiegen rund 220 Kilogramm. Die Fläche der Antenne umfasst circa 2,6 Quadratmeter. "Der erfolgreiche Produktionsanlauf in Neuss zeigt, dass wir nicht nur innovative Weltraumtechnologie bereitstellen, sondern diese auch industriell in Deutschland skalieren können", sagt Rheinmetall-Chef Armin Papperger. 

Bedarf von Nato-Armeen

Mit den Satelliten stößt Rheinmetall in einen neuen Geschäftsbereich vor. Der Rüstungskonzern stellt seine Produktpalette möglichst breit auf, um den Bedarf von Nato-Armeen weitgehend zu decken und Konkurrenten nicht zum Zug kommen zu lassen. So hat Rheinmetall einen Schiffsbauer gekauft und ein Werk für Flugzeug-Bauteile in Weeze am Niederrhein eröffnet. Außerdem hat die Rüstungsfirma ihre Drohnenproduktion ausgeweitet. 

Rheinmetall-Werk in Neuss
© Federico Gambarini/dpa

Blick auf das Neusser Rheinmetall-Werk.

Satelliten werden für die Bundeswehr reserviert 

Beim Satelliten-Geschäft werden Radaraufnahmen verkauft, die Nato-Armeen bei der Lageeinschätzung helfen sollen. Es geht besonders um die Nato-Ostflanke und damit auch um Unterstützung der Bundeswehr-Brigade in Litauen. Mit der Bundeswehr hat die Rheinmetall-Tochter einen mehrjährigen Vertrag mit einem Wert von circa 1,7 Milliarden Euro plus Erweiterungsoption. Schon jetzt bekommt die deutsche Armee Aufnahmen von Satelliten, die Iceye noch ohne Zutun von Rheinmetall gebaut und in das Orbit hat bringen lassen. 

Bundeswehr bekommt exklusiven Zugriff

Bald verbessern sich die Möglichkeiten für die Bundeswehr. Denn gleichzeitig zum Start der Serienproduktion gab Rheinmetall bekannt, dass die deutsche Armee exklusiven Zugriff auf eine nicht genannte Zahl von Satelliten gebucht habe - die Radarsysteme dieser Flugkörper werden künftig ausschließlich von der Bundeswehr genutzt. Dadurch muss die deutsche Armee nicht mehr warten, bis einer der Satelliten frei ist für die gewünschte Aufnahme. 

Früher Autoteile, jetzt Satelliten

Das Neusser Werk baut Rheinmetall derzeit um. Früher wurde der Standort für die Produktion von Autoteilen genutzt. Diesen schwächelnden Konzernbereich hat Rheinmetall inzwischen verkauft. Das Neusser Werk wurde aber im Konzern gehalten, um dort Drohnen, Gefechtstürme und Satelliten zu fertigen. 

Übung der Panzerbrigade 45 Litauen
© Kay Nietfeld/dpa

Bundeswehr-Panzer bei einer Übung in Litauen. Die Satellitenaufnahmen sollen auch der deutschen Brigade in dem baltischen Land helfen.

Expertin sieht Fortschritt für Verteidigungsfähigkeit 

Aus Expertensicht ist die SAR-Technologie heutzutage unverzichtbar für eine schlagkräftige moderne Armee. "In einem gläsernen Gefechtsfeld muss man den Gegner möglichst konstant und genau im Blick haben, auch um so Bewegungen an Truppen und schwerem Gerät möglichst schnell zu erfahren", sagt Juliana Süß von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Sie weist darauf hin, dass die ukrainische Armee auch Aufnahmen von Iceye-Satelliten nutze, von denen sich derzeit 35 im Weltall befinden. 

"Je nach Auflösungsgrad lassen sich viele Details erkennen", sagt Süß. So gingen die Radarsignale durch Tarnnetze oder Blätter von Bäumen und Sträuchern und ermöglichten dann einen Einblick, ob dort Panzer oder Artilleriegeschütze verborgen sind. 

Bundeswehr braucht den Überblick

Die Bundeswehr habe bislang nur auf wenige SAR-Satelliten Zugriff, der Vertrag mit Rheinmetall-Iceye sei daher ein Fortschritt für die Verteidigungsfähigkeit, sagt die Expertin. "Uns fehlt bislang die notwendige Masse an Aufnahmen, um einen konstanten und somit taktisch relevanten Überblick zu haben." Dann erhöhe sich die "Revisit-Rate" - also die Häufigkeit von Überflügen von Satelliten -, wodurch die Situation am Boden und somit potenzielle Veränderungen der Lage zu beobachten seien. 

Personalfrage

Allerdings brauche es speziell geschultes Personal, um die SAR-Aufnahmen verstehen zu können. Das sei gegenüber anderen Satellitenaufnahmen, also elektrooptischen Bildern, ein wichtiger Faktor. Laut Expertin Süß seien die Systeme nicht direkt vergleichbar, sondern ergänzen einander und können somit ein umfassendes Lagebild schaffen. "SAR-Satelliten sind militärisch extrem wichtig, aber es sind keine Wundersatelliten", sagt Süß. "Auch SAR-Satelliten sind angreifbar, etwa mit Signalstörungen oder Cyberangriffen." 

Raumfahrt- und Technologiekonzern OHB SE
© Sina Schuldt/dpa

Die Bremer Raumfahrt-Firma OHB baut Weltraum-Satelliten und ist damit einer der Konkurrenten von Rheinmetall.

Wer die Wettbewerber sind 

Zu Rheinmetalls Konkurrenten im Satelliten-Geschäft gehören Airbus Defence and Space sowie die Bremer Firma OHB. Das Raumfahrtunternehmen OHB hat insgesamt acht Satelliten in den Programmen SAR-Lupe und SARah an die Bundeswehr verkauft, von denen heute noch sieben im Weltall sind und SAR-Aufnahmen machen. Start der ersten OHB-Satelliten war im Jahr 2007. 

SAR-Aufnahmen brächten einer Armee einen erheblichen Mehrwert, sagt eine OHB-Sprecherin. "Die Radartechnologie ist Tag-Nacht-fähig und damit weitgehend unabhängig von äußeren Einflüssen." Eine Ergänzung von herkömmlichen Aufklärungsfotos komplettiere das Lagebild. Allerdings brauche es für SAR ein geschultes Auge. Aus elektrooptischen Aufnahmen könne hingegen auch ungeschultes Personal schnell Schlüsse ziehen, die in der Kriegsführung wichtig seien. 

Nachdem sich Rheinmetall den Bundeswehr-Auftrag zum direkten Zugriff auf Satelliten per Direktvergabe gesichert hat, ist nun eine größere SAR-Ausschreibung in der Mache - bei dieser Ausschreibung möchten auch OHB und Airbus mitmachen. "Airbus verfügt sowohl über hochauflösende, komplexe Satelliten zur strategischen Aufklärung als auch über kleinere Satellitensysteme für hohe Wiederholraten und taktische Aufklärung", sagt ein Airbus-Sprecher.

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