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Große Lücken im Finanzwissen: Crashkurs für Azubis

Große Lücken im Finanzwissen - Crashkurs für Azubis in Wiesbaden

Zukunftstag rückt Finanzbildung junger Menschen in den Fokus
© Helmut Fricke/dpa

Auch das Thema Krankenkasse kommt auf viele junge Menschen beim Berufsstart zu. Die Zukunftstage für Auszubildende rücken es neben anderen Finanzthemen in den Fokus.

Warm- oder Kaltmiete? Brutto oder netto? Diese oder jene Steuerklasse? Viele junge Leute kennen laut Studien die Unterschiede nicht so genau. Das kann teure Folgen haben. Wie gegensteuern?

Umgerechnet nur etwa 15 Cent hat 1980 eine Kugel Eis durchschnittlich gekostet. Heute ist sie oft zehnmal teurer. "Ein beeindruckendes Phänomen" nennt das Hessens Finanzminister Alexander Lorz (CDU). Er erklärt in einem Workshop in Wiesbaden mehreren Dutzend Auszubildenden, welch große Rolle die Inflation in ihrem Leben spielen kann.

Hessen will das laut Studien oft lückenhafte praktische Finanzwissen seiner jungen Bürgerinnen und Bürger verbessern. Die Zahl sogenannter Zukunftstage mit der Vermittlung von lebensnahem Finanzwissen für Azubis soll nach einer Pilotphase 2025 mit landesweit vier Veranstaltungen deutlich auf 20 in diesem Jahr steigen, wie das Finanzministerium in Wiesbaden mitteilt. 

Auch Versicherungs- und Immobilienexperten wirken mit

Es organisiert diese außerschulischen Workshops an verschiedenen Orten mit eigenen Mitarbeitern sowie mit Partnern der Praxis wie etwa Versicherungs- und Immobilienexperten. Auch die Initiative für wirtschaftliche Jugendbildung und die Kammern der Wirtschaft unterstützen diese besondere Fortbildung.

Eis
© Michael Brandt/dpa

Die Preissteigerung bei Speiseeis im Laufe der Jahrzehnte illustriert besonders deutlich die Inflation. (Symbolbild)

Beim ersten diesjährigen Zukunftstag in der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Wiesbaden mit dem Untertitel "Dein Crashkurs fürs Leben" rotieren Azubis jeweils durch vier Workshops zu Finanzen, Steuern, Wohnen und Krankenversicherung.

"In der Schule haben wir nur einen Tag darüber geredet" 

Die angehende Industriekauffrau Madeleine Zweininger etwa gibt zu, noch wenig Ahnung von praktischen Finanzthemen zu haben: "In der Schule haben wir nur einen Tag darüber geredet." Der Wiesbadener Zukunftstag sei daher "voll cool". Seine Themen würden wohl "wichtig fürs Leben". 

Salsabil Haddouch, Kauffrau für Büromanagement im dritten Ausbildungsjahr, kennt nach eigenen Worten viele, die sich in ihrer Berufsausbildung zu sehr verschulden, "weil sie zu wenig wissen". Zum Beispiel würden sie vom Unterschied zwischen Kalt- und Warmmiete bei ihrer ersten Wohnung überrascht: "Die Nebenkosten sind kleiner gedruckt."

Lorenzo Wienecke, Geschäftsführer der Initiative für wirtschaftliche Jugendbildung, zitiert einen bundesweit bekanntgewordenen Tweet einer einstigen Kölner Schülerin, die bereits 2015 formuliert hat: "Ich bin fast 18 und hab' keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann 'ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen." Wienecke fährt fort, das sei für ihn einst der Auslöser gewesen, schließlich die Zukunftstage mitzugründen. Er komme aus einer Arbeiterfamilie und habe als Schüler ebenfalls wenig Ahnung von Finanzen gehabt. 

Warnung vor "passivem Einkommen"

Der Wiesbadener IHK-Präsident Jörg Brömer warnt auch vor falschen digitalen Versprechungen. Etwa wenn sogenannte Finfluencer auf Instagram oder Tiktok ein "passives Einkommen" vermitteln - und vor allem selbst davon profitieren. Für solche Risiken müssten junge Leute sensibilisiert werden. 

Laut dem hessischen Kultusministerium ist die ökonomische Bildung in den Schulen im Land inzwischen ausgeweitet worden. Kultusminister Armin Schwarz (CDU) zufolge sind Finanzbildung und Verbraucherschutz "keine Einzelaufgabe, sondern durchziehen viele Fächer – von Politik und Wirtschaft über Arbeitslehre bis hin zu Deutsch, Mathematik, Geschichte und Geografie". 

Finanzminister Alexander Lorz und Kultusminister Armin Schwarz
© Arne Dedert/dpa

Hessens Finanzminister Alexander Lorz (l) und Kultusminister Armin Schwarz (beide CDU) betonen die Bedeutung der Finanzbildung für junge Leute. (Archivbild)

Nach Angaben des Kultusministeriums sind diese Themen auch als besondere Bildungs- und Erziehungsaufgaben im hessischen Schulgesetz verankert. Zahlreiche werbefreie und didaktisch hochwertige Angebote würden gemeinsam mit dem Finanzministerium auf den Weg gebracht. Beispiele seien:

  • Schulische Workshops der Initiative für wirtschaftliche Jugendbildung.
  • Online-Handreichung für Lehrkräfte zur Finanz- und Verbraucherbildung für die Sekundarstufe I, also für die mittleren Jahrgangsstufen.
  • Informationen zu Finanzen in der Berufswahl-App in Hessen.
  • Nach einer Pilotphase soll das Finanzbildungs-App "Seasn-App" der Goethe-Universität Frankfurt landesweit für Schulen bereitgestellt werden.
  • Beim jährlichen Tag der Finanz- und Verbraucherbildung bieten etwa Bundesbank und Verbraucherzentrale Workshops für Schüler und Fortbildungen für Lehrer an.
  • 2026 sieht das Kultusministerium zudem die verstärkte Einbindung der Eltern bei Fragen der schulischen Finanz- und Verbraucherbildung vor.

Armin Schwarz' Vorgänger als Kultusminister, der heutige Finanzminister Alexander Lorz, richtet derweil in seinem Wiesbadener Workshop mit Azubis den Blick in die ferne Zukunft: "Wie funktioniert die Rente?" Mehrere junge Leute erklären das Umlageverfahren mit Erwerbstätigen, die Rentner finanzieren.

Schriftzug Deutsche Rentenversicherung an einem Gebäude
© Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

Noch ist die Rente weit weg für Auszubildende - doch Experten legen ihnen ans Herz, möglichst früh auch eine betriebliche und private Altersvorsorge in den Blick zu nehmen. (Symbolbild)

Dann fragt Lorz nach der Haltelinie im Rentensystem. Keinem einzigen anwesenden Azubi sagt sie etwas. Also erläutert der Finanzminister diese Garantie, die das Rentenniveau bis 2031 bei 48 Prozent des durchschnittlichen Netto-Arbeitseinkommens stabilisieren soll. 

Dann mahnt Lorz, dass alleine damit "das Leben nicht so schön im Alter" sei - schon junge Leute sollten daher zusätzlich die betriebliche und private Altersvorsorge in den Blick nehmen. Diese könnten "zu einem ordentlichen Kapitalstock anwachsen".

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