Mega-Bahnsanierung am Rhein - Eltville gewappnet für die XXL-Sperrung
Die Mega-Bahnsperrung auf der rechten Rheinseite bedeutet auch erheblichen Aufwand für die Orte entlang der Strecke, zum Beispiel für die Stadt Eltville. Warum sogar Hausbau-Vorhaben abgeblasen wurden und welche Probleme Straßenlaternen verursachen können, erzählt der Bürgermeister im Gespräch mit HIT RADIO FFH.
Seit fast einem Jahr begleitet Bürgermeister Patrick Kunkel mit seinem Rathaus-Team die Planungen rund um die geplante Sanierung an der Bahnstrecke. Seitdem etwa die Streckenführung der Ersatzbusse bekannt ist, organisiert die Stadt geplante Baustellen um. „Wir wollen, dass keine geplanten Baustellen auf der Linienführung der Busse liegen“, so Kunkel.
Appell an Geduld aller
Probleme im Verkehrsfluss des Ersatzverkehrs sollen so vermieden oder zumindest möglichst klein gehalten werden. Wasserrohrbrüche oder Unfälle lassen sich natürlich nicht planen, das sei dann “höhere Gewalt”. Man müsse sich darüber im Klaren sein, "dass wir alle Einschränkungen und gewisse Zumutungen im Verkehr spüren werden“, appelliert Kunkel schon jetzt an die Geduld aller.
Hausbau um halbes Jahr verschoben
Wegen des erhöhten Busverkehrs auf engen Straßen konnten private Bauvorhaben zum Teil nicht wie geplant umgesetzt werden - ein Beispiel: Ein Fertighausbau musste um ein halbes Jahr verschoben werden, weil kein Kran platziert werden konnte. Ein Beispiel, wie die Streckensanierung in die private Lebensplanung eingreift.
“Ernstfall” kommt nach den Sommerferien
Ein glücklicher Umstand ist der Beginn der Bauarbeiten in den hessischen Sommerferien. Erst ab dem 10. August, wenn die Schule wieder beginnt, startet laut Kunkel der "Ernstfall" mit vollem Schülerersatzverkehr. Bis dahin bleiben rund drei bis vier Wochen, um Taktung und Streckenführung zu testen.
Vergleiche zur Riedbahn-Sanierung
Kunkel verweist auf Erfahrungen aus anderen Regionen, etwa der Riedbahn, wo der Schienenersatzverkehr per Bus überraschend gut funktioniert habe - teilweise sogar besser als der vorherige Bahnbetrieb, wenn auch mit längeren Fahrzeiten. Er hofft, dass genügend Busse zur Verfügung stehen und die Strecken freigehalten werden können.
Anfangs Probleme bei Kommunikation
Gab es vor einigen Monaten Kritik am Austausch mit der Deutschen Bahn, so habe sich in den letzten Wochen und Monaten eine deutliche Verbesserung eingestellt. Ein zentraler Punkt war die frühzeitige Einbindung der Ortsebene. So habe etwa der Ortsbeirat Erbach auf ganz praktische Probleme hingewiesen.
Straßenlaternen können Probleme machen
So ging es um eine Straßenlaterne, die verhindert, dass ein Ersatzbus um die Kurve fahren kann. Solche kleinen, aber wichtigen Details würden oft erst spät bedacht. Letztlich zeige sich aber erst im "Echtbetrieb", ob wirklich an alles gedacht wurde, erklärt Kunkel. Die Bahn habe zugesichert, überall nachsteuern zu können, falls Probleme auftreten.
Um den Verkehrsfluss möglichst am Laufen zu halten, wird die Stadt einzelne Stellplätze vorübergehend sperren, um Platz für den fließenden Verkehr zu schaffen. Dazu habe die Feuerwehr Hinweise gegeben, etwa zu Stellen, an denen bereits bei gewöhnlichen Verkehrsverhältnissen die großen Feuerwehrfahrzeuge „steckenbleiben“. Die Gelenkbusse des Schienenersatzverkehrs brauchen Platz.
“Müssen mit Einschränkungen möglichst positiv umgehen”
Auch bei Festen und Aktionen, die in den Zeitraum der Sanierung bis Dezember fallen, stehen Anpassungen an. So wurde etwa der Weinleseumzug der Winzer im Rahmen der Kappeskerb bereits umgelegt. Andere Aktionen wie etwa der große Adventskalender an der Mediathek können in der traditionellen Form nicht stattfinden. Dazu soll es aber Alternativen geben. Ganz allgemein hält Bürgermeister Kunkel fest: "Wir wollen alle, dass unsere Infrastruktur in Deutschland modernisiert und verbessert wird. Dann müssen wir auch mit den Einschränkungen, die Großbaustellen mit sich bringen, möglichst positiv umgehen.“
“Leidenszeit” soll sich auszahlen
Trotz der Belastungen sieht Kunkel auch Chancen: Nach der Sanierung erwartet er ein komplett modernisiertes Bahnnetz, sodass es für Verspätungen oder Ausfälle zum Beispiel durch fehlerhafte Stellwerke keine Entschuldigung mehr geben dürfe. Die rund fünfmonatige "Leidenszeit" soll sich danach auszahlen.
Das bringt die Streckensanierung für Eltville
Eltville und andere Orte am Rheingau leben auch vom Tourismus. Eine modernisierte, zuverlässige Bahnanbindung sieht er als Vorteil für Tourismus und auch für die regionale Wirtschaft, da mehr Menschen sicher an- und abreisen könnten - gerade im Kontext von Weinfesten.
Barrierefreiheit am Bahnhof Eltville
Ein wichtiger Nebeneffekt der Sanierung ist laut Kunkel der barrierefreie Ausbau des Bahnhofs Eltville: Zwei neue Aufzüge werden gebaut - sowohl am Mittelbahnsteig als auch am Einstieg - wodurch Menschen mit Kinderwagen, Fahrrad oder Behinderung die Züge in beiden Richtungen bequem erreichen können. Dies sei ein lang gehegter Wunsch, über den man ebenfalls lange mit der Bahn verhandelt habe. Ergänzend kommen neue Bänke und ein größeres Regenschutzdach hinzu.
Umgang mit Bürgersorgen
Die Erwartungshaltung in der Bevölkerung sei gespannt, teils skeptisch. Viele Menschen sorgen sich vor allem um praktische Fragen wie den Arbeits- oder Schulweg. Kunkel sieht es als Aufgabe der Kommunen, diese Sorgen ernst zu nehmen und Antworten zu liefern - gerade weil Kommunen näher an den Bürgern sind als übergeordnete Institutionen. Er bezeichnet das Gesamtprojekt abschließend als "logistische Meisterleistung", wenn sie gelingt.