Spiele ab 2036 in Deutschland? - 66 Prozent für Olympia-Bewerbung in NRW
Bei den Bürgerentscheiden in Nordrhein-Westfalen haben sich laut vorläufigem Endergebnis 66,0 Prozent für eine Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele der Region "KölnRheinRuhr" für die Jahre 2036, 2040 oder 2044 ausgesprochen.
Diese Zahl teilte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) einen Tag nach dem Abschluss der Abstimmungen mit.
Stadt Herten fällt aus Bewerbung raus
In der sogenannten "Leading City" Köln hatte sich die Auszählung der Stimmen noch bis in den frühen Morgen gezogen. In 16 von 17 Kommunen wurde die erforderliche Zustimmung erreicht. Nur in Herten, wo zusammen mit Recklinghausen Mountainbike-Wettbewerbe geplant waren, stimmten nicht genügend Menschen ab. Damit fällt die Stadt aus der NRW-Bewerbung heraus.
Staatsministerin Schenderlein: “Starkes Signal”
NRW hat damit als zweiter nationaler Bewerber nach München die Rückendeckung der Bürgerinnen und Bürger erhalten. In der bayerischen Landeshauptstadt hatten sich im vergangenen Herbst 66,4 Prozent für eine Bewerbung ausgesprochen. "Das ist ein weiteres starkes Signal an das IOC: Menschen in Deutschland wollen die Spiele! Jetzt drücken wir die Daumen, dass wir auch das nächste Referendum in Hamburg gewinnen", sagte Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein (CDU). Hamburg stimmt Ende Mai ab, Berlin verzichtet auf einen solchen Entscheid.
Entscheidung über deutschen Bewerber im Herbst
Die Zustimmung zur Bewerbung ist noch keine Entscheidung für Sommerspiele in NRW. Der DOSB bewertet alle Kandidaten mit Hilfe einer Matrix, in die auch die Ergebnisse der Bürgerentscheide einfließen, und entscheidet am 26. September über den deutschen Bewerber. Bis Anfang Juni können alle Bewerberstädte ihre Konzepte noch nachbessern.
Welche Chancen hat eine deutsche Bewerbung überhaupt?
Bei der Vergabe-Entscheidung im IOC muss Deutschland mit viel Konkurrenz rechnen. Indien und Katar haben sich für 2036 in Position gebracht, auch Saudi-Arabien dürfte nach der Fußball-WM 2034 Interesse an Olympia haben. In Europa könnten Madrid, Istanbul und Budapest Rivalen einer deutschen Bewerbung sein. Südafrika dürfte spätestens 2040 oder 2044 ein Anwärter sein.
Noch aber ist offen, wann und nach welchem Modus künftige Spiele vergeben werden. Die neue IOC-Präsidentin Kirsty Coventry hat eine Kommission einberufen, die den aktuellen Auswahlprozess überprüfen soll. Ende Juni werden Ergebnisse erwartet, dann werden auch die Olympia-Planer in Deutschland ihr weiteres Vorgehen anpassen.
Warum überhaupt Olympische Spiele in Deutschland?
Der deutsche Sport hat es aus Sicht von Fachverbänden, Athletenvertretern und Bundesregierung dringend nötig, ein Fernziel mit großer Strahlkraft zu bekommen, um sich finanziell und strukturell besser aufzustellen. "Unser Land will und braucht diese Spiele", sagte Sport-Staatsministerin Schenderlein nach den jüngsten Winterspielen in Italien, bei denen das deutsche Team erneut sein Medaillenziel verfehlte.
Was spricht gegen Olympische Spiele in Deutschland?
Die Kritiker argumentierten, so ein Großevent koste viel zu viel. In die aktuellen Ausgabenrechnungen seien viele Kosten wie zum Beispiel für die Sicherheit noch gar nicht eingerechnet. Zudem sei das Geld etwa für die Stadtentwicklung oder Wohnungsbau besser eingesetzt. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) äußerte zudem Sorgen über mögliche negative Umweltauswirkungen.