Lilien-Legende im FFH-Podcast - Schimmel, Aufstiege, Tränen: Fabi Holland
Zwölf Jahre, zwei Aufstiege, unzählige Gänsehaut-Momente: Lilien-Legende Fabian Holland spricht in der neusten Podcast-Folge “FFH-Sporttalk” mit Sonja Pahl offen über Tränen, wilde Kabinenzeiten, Schimmel im alten „Bunker“ und warum Darmstadt immer einen Platz in seinem Herzen haben wird.
Beim Blick aufs Böllenfalltor merkt man Fabian Holland schnell an: Dieser Abschied geht ihm nahe. Nach zwölf Jahren bei den Lilien nähert sich das Kapitel Darmstadt seinem Ende - und der Routinier spricht im FFH-Sporttalk mit FFH-Sportchefin Sonja Pahl so offen und emotional wie selten. „In letzter Zeit … wird es schon alles ein bisschen emotionaler“, sagt Holland. Und weiter: „Ich glaube, da kommt auch noch ein bisschen was auf mich zu.“ Am kommenden Sonntag (17.5. um 13.30 Uhr) steht sein letztes Spiel für die Lilien an - im Stadion am Böllenfalltor gegen Paderborn.
„Ich genieße einfach alles“
Trotz aller Wehmut will Holland die letzten Tage nicht nur traurig erleben. Statt sich in Abschiedsschmerz zu verlieren, versucht er bewusst, jeden Moment mitzunehmen. Sein Ziel sei, das Ende „nicht so krass mit weinendem Auge“ zu betrachten. Vielmehr wolle er „alles nochmal ein bisschen mitnehmen“. Sein Fazit: „Deswegen genieße ich einfach alles.“ Dass beim endgültigen Abschied trotzdem Tränen fließen könnten, steht für ihn außer Frage. „Wird auf jeden Fall noch kommen, mit Sicherheit“, sagt Holland.
Vom Kulturschock zur Lilien-Liebe
Als der Berliner 2014 nach Darmstadt wechselte, war die neue Umgebung für ihn zunächst Neuland. „Darmstadt war schon ein bisschen unbeschriebenes Blatt für mich“, erzählt Holland. Der Unterschied zu seinem früheren Klub Hertha BSC sei spürbar gewesen: „Es war schon ein kleiner Kulturschock.“
Trotzdem habe er schnell gemerkt, dass er bei den Lilien richtig ist. „Ich habe mich da ziemlich schnell sehr wohl gefühlt“, sagt er. Vor allem „die Stadt, die Fans, die Mannschaft“ hätten es ihm leicht gemacht.
Schimmel, kalte Duschen und eine „Kreisliga-Kabine“
Besonders unterhaltsam wird der Podcast, wenn Holland auf die Anfangsjahre am Böllenfalltor zurückblickt. Denn die Bedingungen hatten damals wenig mit modernem Profifußball zu tun.
„Jeden Tag warm zu duschen, konnte man jetzt nicht unbedingt sagen“, erzählt er. Auch an einen kleinen Whirlpool erinnert er sich noch - „wenn man den mal so nennen konnte“ -, in dem „auch überall schon Schimmel war“.
Sein trockenes Fazit über die alten Kabinenräume: „Die Jahre da unten in diesem Bunker könnten mich ein paar Jahre meines Lebens gekostet haben.“
Dass selbst große Teams in Darmstadt staunten, blieb ihm ebenfalls in Erinnerung. Bayern-Spieler hätten sich gefragt, „wo sie sind und was das hier eigentlich für eine Kreisliga-Kabine ist“.
Die Aufstiege bleiben für immer
Sportlich denkt Holland natürlich sofort an die größten Lilien-Momente zurück. Der erste Bundesliga-Aufstieg 2015 ist tief eingebrannt.
„Wahnsinnsmoment auf jeden Fall“, sagt er. Vor allem eine Szene sehe er noch glasklar vor sich: „So habe ich immer noch vor mir diesen Moment, gerade das Freistoßtor von Tobi.“
Überraschend verrät Holland aber auch, dass der zweite Aufstieg für ihn persönlich womöglich sogar noch schöner war: „Für mich persönlich würde ich fast sagen, war der zweite Aufstieg noch geiler, weil ich den mehr genießen konnte.“
„Dieses Familiäre war hier immer extrem“
Neben den sportlichen Erfolgen betont Holland immer wieder, was den Verein aus seiner Sicht besonders macht: die Werte. „Dieses Familiäre war hier natürlich immer extrem über die Jahre“, sagt er. Dazu komme „dieses Bodenständige auch, nichts zu vergessen, wo man herkommt“.
Auch die Geschichte von Jonathan Heimes und das Motto „Du musst kämpfen“ gehören für Holland fest zur Lilien-Identität. „Wir probieren es natürlich auch den Spielern immer wieder beizubringen, dass Johnny hier einen riesen Teil dazu beigetragen hat, wo wir jetzt stehen.“
Wilde Typen, Bus-Party und ein besonderes Ritual
Neben aller Emotionalität gibt es im Podcast auch viele unterhaltsame Momente. Besonders das zweite Aufstiegsjahr sei geprägt gewesen von einer ziemlich verrückten Mannschaft.
„Von den Spielertypen hatten wir sehr viele Verrückte in der Mannschaft“, erzählt Holland. Vieles könne er zwar nicht öffentlich ausplaudern - „die meisten Geschichten kann ich halt hier nicht nennen“ -, aber an Busfahrten und Kabinenfeiern erinnert er sich bestens: „Ich kann mich an viele Auswärtspartien erinnern, wo wir durch den Bus getanzt sind.“
Für Lacher sorgt auch sein ganz persönliches Spieltagsritual. Statt großer Aberglauben gibt es bei Holland eher Kosmetik. „Dann habe ich gesagt, okay, dann ist jetzt ein bisschen Kosmetik angesagt“, sagt er. Seitdem gilt: Fingernägel schneiden vor dem Spiel - und zwar konsequent. „Ich mache das wirklich jede Woche und bei jedem Spiel.“
Familie als Rückhalt
Auch privat wird Holland deutlich. Seine Familie sei über all die Jahre enorm wichtig gewesen. „Natürlich extrem wichtig“, sagt er. Gerade im Profifußball brauche man zu Hause Stabilität: „Wenn du da nach Hause kommst und das nicht läuft … und da keine Frau hinter dir hast, die da nicht komplett hinter dir steht.“
Seiner Frau schickt er deshalb im Podcast auch direkt einen Dank: „Riesen Dank auf jeden Fall an der Stelle.“
Besonders berührend spricht er über seinen Sohn. Nach Niederlagen helfe es enorm, wenn „so ein kleiner Junge auf dich wartet, dem es eigentlich egal ist, wie du jetzt gespielt hast“.
Die Fans bleiben einer der größten Gründe
Zum Ende des Gesprächs erklärt Holland, warum Darmstadt und die Lilien für ihn immer besonders bleiben werden. Einer der wichtigsten Gründe: die Fans.
„Die uns immer auch in schwierigen Zeiten unterstützt haben“, sagt er. Gerade in Phasen, in denen es sportlich nicht lief, habe er den Rückhalt gespürt. „Das war wirklich über die Jahre immer so, dass sie ein sehr gutes Gespür hatten.“
Deshalb richtet er nochmal klare Worte an die Anhänger: „Deswegen auch da an die Fans nochmal einen Riesendank.“
Karriereende? Noch nicht!
Und dann gibt es noch eine Nachricht, die viele Lilien-Fans aufhorchen lassen dürfte: Fabian Holland hört noch nicht auf. Im Nachgang zum Podcast macht er klar: „Ich werde auf jeden Fall noch weiterspielen.“
Er fühle sich „noch zu gut, noch zu fit“ und sei „noch zu ehrgeizig“. Wo es hingeht, ist noch offen. Sicher ist nur: Ganz weg ist Fabian Holland in Darmstadt nicht.
Denn eines verspricht er schon jetzt: „Deswegen werde ich auch mit Sicherheit wieder sehr gerne wieder herkommen.“