Es wird emotional am Bölle - Darmstadt verabschiedet Holland
Der SV Darmstadt 98 bestreitet am kommenden Sonntag (15.30 Uhr) gegen den SC Paderborn sein letztes Spiel dieser Saison. Im ausverkauften Merck-Stadion am Böllenfalltor geht es für die Lilien zwar tabellarisch um nichts mehr Entscheidendes, emotional aber umso mehr: Vor dem Anpfiff werden insgesamt sechs Spieler verabschiedet - allen voran Vereinsikone Fabian Holland.
Trainer Florian Kohfeldt erwartet deshalb einen besonderen Nachmittag. „Das Spiel ist schon lange ausverkauft und wir freuen uns auf eine tolle Kulisse zum Saisonabschluss“, sagte der Darmstädter Coach auf der Pressekonferenz vor der Partie.
Fokus auf Fabian Holland
Im Mittelpunkt steht dabei vor allem Fabian Holland, der nach mehr als 300 Pflichtspielen für die Lilien verabschiedet wird. Noch ist laut Kohfeldt offen, wie lange der zuletzt angeschlagene Routinier tatsächlich spielen kann. Klar ist aber: Einen Einsatz soll der langjährige Führungsspieler auf jeden Fall bekommen.
„Einen Einsatz wird er sehr sicher bekommen. Die Frage ist am Ende, wie lange wird er sein? Das kann ich jetzt ehrlicherweise noch nicht zu 100 Prozent sagen“, erklärte Kohfeldt.
Dabei machte der Trainer deutlich, welche Bedeutung Holland für Mannschaft und Verein besitzt. „Wir werden alles dafür tun, gemeinsam mit der Mannschaft, Fabi den richtigen Abschied zu geben am Sonntag“, sagte Kohfeldt. Und weiter: „Wenn du dann diese nackte Zahl siehst, dass jemand über 300 Pflichtspiele im Profibereich für einen Verein gemacht hat, das macht was. Das ist wirklich außergewöhnlich.“
Sollte Holland in der Startelf stehen, wird er zudem die Kapitänsbinde tragen. Auch das sei intern sofort klar gewesen. „Wenn Fabi beginnt, dann wird er ganz sicher auch als Kapitän auflaufen“, so Kohfeldt. „Das stand völlig außerhalb jeglicher Diskussion.“
Die Vereinsikone selbst hat in unserem Podcast “FFH-Sporttalk” die schönsten Episoden aus seiner Zeit bei den Lilien Revue passieren lassen.
Kohfeldt spricht emotional über Holland
Besonders persönlich wurde Kohfeldt, als er über seine Beziehung zu Holland sprach. Der Darmstädter Trainer schilderte, wie eng und vertrauensvoll die Zusammenarbeit gerade während Hollands Reha nach dessen Verletzung gewesen sei.
„Für mich persönlich ist es auch ein schwieriger Abschied“, sagte Kohfeldt. „Ich durfte Fabi in allen Facetten eines Profifußballers kennenlernen.“
Vor allem Hollands Haltung habe ihn beeindruckt. „Fabi hat diese Werte auch dann gelebt, wenn es nicht zu seinem Vorteil war“, betonte der Trainer. „Er hat weder einen Moment weniger Einsatz gezeigt, wenn er nicht gespielt hat oder wenn er positionsfremd gespielt hat.“
Kohfeldt hob dabei insbesondere den Charakter des Routiniers hervor: „Eine herausragende Eigenschaft eines Spielers und eines Menschen ist, Charakterzüge und Werte nicht nur dann zu zeigen, wenn es einem gut geht, sondern auch, wenn es vielleicht mal nicht alles in seine Richtung läuft. Und auch dafür steht Fabi Holland.“
Lilien wollen Paderborn nichts schenken
Sportlich bekommt Darmstadt es mit einem Gegner zu tun, für den noch enorm viel auf dem Spiel steht. Paderborn darf weiterhin auf den Aufstieg hoffen und reist entsprechend mit maximaler Motivation ans Böllenfalltor. Doch auch bei den Lilien erwartet Kohfeldt keinen lockeren Sommerkick.
„Luft raus sehe ich nicht“, stellte der 43-Jährige klar. „Wir wollen dieses Spiel unbedingt gewinnen. Und dafür werden wir alles tun.“
Zwar räumte Kohfeldt ein, dass die personelle Lage in den vergangenen Wochen schwierig gewesen sei, zugleich widersprach er aber dem Eindruck, seine Mannschaft habe die Saison bereits austrudeln lassen. „Wille und Leidenschaft kann ich dieser Mannschaft in keinem Spiel absprechen“, sagte er.
Auch mit Blick auf die sportliche Fairness fand der Trainer klare Worte: „Wir werden dieses Spiel so angehen wie jedes der anderen 34 Spiele auch.“ Das betont auch Holland im Gespräch mit FFH.
Personalsituation vor dem Finale
Nicht zur Verfügung stehen werden am Sonntag Patrick Pfeiffer, Luca Marseiler, Fabian Nürnberger, Fraser Hornby, Merveille Papela und Matthias Bader. Alle anderen Spieler sind nach Vereinsangaben einsatzfähig.
Eine Saison mit „2 plus“
Unabhängig vom Ausgang des letzten Spiels zog Kohfeldt bereits ein erstes Fazit der Spielzeit - und fiel dabei insgesamt positiv aus. „Ich würde uns eine 2 plus geben“, sagte der Lilien-Coach mit einem Schmunzeln.
Zur Begründung verwies er auf Spielstil, Teamgeist und viele starke Erlebnisse in dieser Saison: „Diese Mannschaft steht für etwas, wie sie spielt.“ Gleichzeitig machte er aber auch klar, dass die Ergebnisse in den vergangenen Wochen nicht mehr auf dem Niveau der starken ersten Monate gewesen seien.