Auch zwei Hessen dürfen jubeln - Deutschland holt Team-Gold bei Reit-WM
Die deutschen Springreiter sicherten sich bei den Weltmeisterschaften in Aachen souverän und vorzeitig den Titel. Das Team von Bundestrainer Otto Becker durfte Platz eins schon eine knappe Stunde vor dem Ende der letzten Teilprüfung feiern. Auch zwei hessiche Springreiter sind Teil des Weltmeister-Teams.
Als Daniel Deußer im Sattel von Otello seine dritte Runde bei dieser WM beendet hatte, gab es kein Halten. Die meisten der 40.000 Zuschauer im größten Reitstadion der Welt waren bis zum letzten Sprung mucksmäuschenstill und feierten dann enthusiastisch den Heimsieg unter Flutlicht. "Abnormal", rief Marcus Ehning seinem Teamkollegen zu. "Das ist unglaublich", kommentierte der strahlende Deußer. Silber ging an Belgien, Bronze an Großbritannien.
Hessischer Erfolg in Aachen
Neben Deußer und Ehning legten zwei hessische Springreiter den Grundstein für das WM-Gold: Die beiden Pfungstädter Sophie Hinners und Richard Vogel, der vergangenes Jahr in der Frankfurter Feshalle triumphiert hatte, überzeugten bereits am Mittwoch und Donnerstag als Teil des deutschen Teams. Auch am Freitag blieb WM-Debütantin Hinners auf ihrem Pferd Sinclair ohne Abwurf.
Erstes Team-Gold bei der WM seit 2010
Der Ritt von Schlussreiter Richard Vogel und United Touch war für die Mannschaftswertung dann ohne Belang, denn es zählten auch in der letzten von drei Teilprüfungen über drei Tage die drei besten Ergebnisse jeder Mannschaft - und so war nach Deußers Ritt schon alles klar. Das deutsche Team war am Freitagabend als führende Mannschaft in den Parcours geritten. Am Mittwoch und Donnerstag gelangen bei insgesamt acht Ritten sieben fehlerfreie Runden. Mit minimalem Vorsprung vor der US-Mannschaft startete der Abend.
Ehning reitet erneut ohne Fehler
Als erster Reiter des Gastgeber-Teams blieb Marcus Ehning auch in seiner dritten WM-Prüfung ohne Fehler. Der 52-Jährige ritt mit seinem Coolio eine souveräne Runde und ließ den sehr schweren Parcours leicht aussehen. Elegant überwand das Paar die 14 Hindernisse. "Also ich bin fasziniert von meinem Pferd, wie es diese drei Tage hier abgeliefert hat", schwärmte der dreimalige Sieger des Großen Preises von Aachen im WDR-Interview: "Das ist wirklich unglaublich."
WM-Debütantin Hinners kassiert einen Strafpunkt
Ohne Abwurf ritt auch Sophie Hinners mit Singclair. Aber die WM-Debütantin war einen Tick zu langsam, überschritt die erlaubte Zeit für den 580 Meter langen Parcours von 87 Sekunden und kassierte dafür einen Strafpunkt. "Singclair sprang wieder fantastisch, das ist ein ganz gigantisches Gefühl", kommentierte die 28-Jährige und lobte den Wallach, der erneut mühelos über die Hindernisse flog. "Das ist eine abnormale Stimmung da draußen."
Deußer macht frühzeitig alles klar
Nach der Vorlage von Ehning und Hinners mit ihren starken Runden für Deutschland blieb Deußer mit Otello ebenfalls fehlerfrei. Der 45 Jahre alte Profi zeigte erneut eine souveräne Vorstellung. Nach seiner Runde entlud sich die Freude bei Publikum und Mannschaft. Auch Vogel blieb ohne Abwurf. Der Einzel-Europameister ritt als Mannschafts-Weltmeister ein und kassierte mit United Touch nur zwei Strafpunkte wegen Überschreitung der erlaubten Zeit. Glücklich winkte Vogel ins feiernde Publikum.
Nächste Medaillenchance im Einzel
In der Einzelwertung sind Deußer und Otello das beste deutsche Paar und liegen - gleichauf mit dem Schweizer Steve Guerdat und Dynamix - auf Platz eins. Auf Platz vier fünf folgt Ehning mit Coolio. Das Einzel wird in zwei weiteren Runden am Sonntag entschieden. Hier winkt Deutschland dann die nächste Goldmedaille.