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Funklochfrust in Hessen soll bis 2030 enden

Hessen stellt "Masterplan" vor - Funklochfrust soll bis 2030 enden

Handymast im Wald
© Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Hessens Handytelefonie soll bis 2030 möglichst überall im Land möglich sein. (Archivbild)

Hessen hat einen neuen Masterplan für Mobilfunk. In wenigen Jahren sollen auch fast alle abgelegenen Naturregionen erreichbar sein – notfalls per Satellit. Was sieht der Plan im Detail vor?

Funkloch etwa im Nationalpark? Wo es beispielsweise in bergigen und geschützten Wäldern Probleme mit Handyempfang gibt, sollen langfristig teils statt Funkmasten auch Satelliten weiterhelfen, die sich mit Mobiltelefonen verbinden. Dieses Vorhaben ist Bestandteil des neuen Masterplans Mobilfunk für Hessen, den Digitalministerin Kristina Sinemus (CDU) in Wiesbaden vorgestellt hat.

Flächendeckend 4G oder 5G

Bis 2030 soll der Frust wegen Funklöchern im Bundesland enden. Bis dahin will Hessen laut Sinemus bei allen 4G- und 5G-Handynetzen, den vierten und fünften Generationen des Mobilfunks, eine nahezu flächendeckende Abdeckung schaffen.

Tausende Mobilfunkmasten in Hessen

Gemäß einer neuen dritten Mobilfunkvereinbarung zwischen der schwarz-roten Landesregierung und den Netzbetreibern Vodafone, Deutsche Telekom, Telefónica und 1&1 sollen bis Ende 2029 rund 4.000 zusätzliche Standorte, also Masten oder Mobilfunkanlagen auf und an Gebäuden, neu entstehen oder modernisiert werden. Im Zuge der beiden vorherigen entsprechenden Vereinbarungen sind laut dem hessischen Digitalministerium bereits fast 11.000 Mobilfunkstandorte installiert oder erneuert worden.

"Ein erstmals abgestimmtes Vorgehen von Mobilfunk- und Stromnetzbetreibern sorgt zudem für eine schnellere Stromanbindung neuer Masten", hieß es weiter. Hinzukommen sollen rechtliche Erleichterungen - beispielsweise können künftig beantragte neue Mobilfunkmasten automatisch als genehmigt gelten, wenn die zuständigen Behörden dem nicht binnen drei Monaten widersprechen.

Nationalpark Kellerwald-Edersee
© Uwe Zucchi/dpa

Mobilfunkmasten etwa im geschützten Nationalpark Kellerwald-Edersee errichten? Keine optische Bereicherung - in solchen Fällen soll für Handyempfang künftig auch Satellitentechnik weiterhelfen. (Archivbild)

Michael Jungwirth von Vodafone erklärte: "Die letzten Funklöcher sind oft die, die am schwierigsten zu schließen sind – denn sie liegen oft dort, wo Berge, Wälder oder Naturschutzgebiete den Ausbau erschweren." Gerade hier sei eine enge und verlässliche Zusammenarbeit mit der Landespolitik entscheidend.

Weiße Flecken auf fast drei Prozent der Landesfläche

Die Bundesnetzagentur in Bonn teilte der Deutschen Presse-Agentur mit, die sogenannten grauen Flecken machten (Stand Oktober 2025) fast ein Fünftel der hessischen Landesfläche aus: "Diese Bereiche werden von mindestens einem, aber nicht von allen Netzbetreibern mit mobilem Breitband versorgt." Weiße Flecken ohne jegliche 4G- oder 5G-Versorgung gibt es laut Bundesnetzagentur auf fast drei Prozent der Landesfläche.

Die FDP-Opposition im Landtag hielt Schwarz-Rot zu wenig Ehrgeiz beim Zeitplan der nahezu flächendeckenden Mobilfunkversorgung über alle Netze vor. Im internationalen Vergleich sei hier der Stand in Hessen "geradezu peinlich. Die Digitalministerin muss beim Ausbau daher viel mehr Tempo machen, 2030 ist zu spät", kritisierte die FDP-Fraktion.

Sechste Generation des Mobilfunks rückt in den Fokus

Am "Zukunftscampus Bertramshof" in Frankfurt geht es ferner um die geplante sechste Generation des Mobilfunks (6G) als Nachfolgerin von 5G. Diese künftige Technik, die Experten hier auf Basis von offener Software bei einem privaten 5G-Netz in den Blick nehmen, soll laut dem Digitalministerium Europas Widerstandsfähigkeit (Resilienz) stärken.

Mit Beginn der 2030-er Jahre ist die Markteinführung von 6G mit erheblichen Leistungssteigerungen geplant. Der Frankfurter "Zukunftscampus Bertramshof" ist ein Zentrum für digitale Innovationen, der die hessische IT-Branche beflügeln soll.

Hessens Wirtschaft sieht weiterhin Netzlücken

Der Hessische Industrie- und Handelskammertag (HIHK) teilte zur aktuellen Situation mit, gerade an Gewerbestandorten, entlang wichtiger Verkehrsachsen und in ländlichen Regionen gebe es weiterhin Lücken in der Flächenabdeckung. Diese "erschweren mobiles Arbeiten, verzögern digitale Geschäftsprozesse und bremsen Zukunftstechnologien wie vernetzte Produktion, autonome Systeme oder KI-basierte Anwendungen aus."

Mobilfunk-Mast auf Wohnhaus
© Wolf von Dewitz/dpa

Mobilfunkmasten stehen nicht nur auf dem Boden, sondern sind beispielsweise auch auf Hausdächern angebracht. (Archivbild)

Für die hessische Wirtschaft ist laut dem HIHK eine stabile Mobilfunkversorgung längst elementare Infrastruktur – vergleichbar mit Straßen oder Energie. "Unternehmen brauchen verlässliche Bandbreiten und geringe Latenzen (Verzögerungen), um cloudbasierte Prozesse, Echtzeitdaten oder moderne Logistiksysteme sicher betreiben zu können." Wo dies fehle, "leidet die Wettbewerbsfähigkeit, und Investitionsentscheidungen fallen schwerer".

Der HIHK begrüße, dass das Land mit dem Masterplan Mobilfunk einen klaren strategischen Rahmen setze, um die Versorgung weiter zu verbessern. Entscheidend sei beim Mobilfunkausbau nicht nur die theoretische Versorgung entlang von Einwohnerzahlen, sondern eine echte Abdeckung dort, wo Betriebe angesiedelt seien und Wertschöpfung stattfinde. Zudem müssten Planungs- und Genehmigungsprozesse beschleunigt sowie Verfahren digitalisiert und vereinheitlicht werden. 

Hessens Städte möchten bei Planungen mitreden 

Für Hessens Städte sind die Pläne des Landes, bis 2030 eine nahezu flächendeckende Mobilfunkversorgung bei allen Handynetzen erreichen zu wollen, ebenfalls ein wichtiger Schritt. Man begrüße die Vorhaben, erklärte der Hessische Städtetag. "Auch in den Ballungsräumen gibt es da noch Nachholbedarf, um Lebensprozesse und Arbeitsprozesse, die immer mehr digitalisiert werden, zu stärken und fortzuentwickeln", erläuterte der Kommunalverband.

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