Hisbollah-Konflikt in Nahost - Trump will Verlängerung der Waffenruhe
Im Zuge des Iran-Kriegs ist der Konflikt zwischen der Hisbollah und Israel erneut eskaliert. Die brüchige Waffenruhe will Trump nun verlängern - verbunden mit einer Botschaft an Israel.
Die Waffenruhe zwischen der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon und Israel soll nach Angaben von US-Präsident Donald Trump um drei Wochen verlängert werden. Das teilte er nach einem Treffen von Vertretern der verfeindeten Nachbarländer Israel und Libanon im Weißen Haus auf seiner Plattform Truth Social mit. Die derzeit geltende, zehntägige Waffenruhe wäre ohne eine Verlängerung am späten Sonntagabend ausgelaufen. Die Hisbollah-Miliz äußerte sich zunächst nicht dazu.
Trump kündigt Treffen mit Netanjahu und Aoun an
"Die Vereinigten Staaten werden mit dem Libanon zusammenarbeiten, um ihm dabei zu helfen, sich vor der Hisbollah zu schützen", sagte Trump. Ins Auge nehme er dabei auch die Finanzierung der Miliz durch den Iran, sagte er auf eine Reporterfrage. Solange der Iran die Hisbollah finanziere, werde es keine Vereinbarung im Iran-Krieg geben. "Das ist ein Muss", sagte Trump.
Zudem werde er in naher Zukunft den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und den libanesischen Präsidenten Joseph Aoun empfangen. Er plane, das Treffen noch während der verlängerten Waffenruhe stattfinden zu lassen. Das vorangegangene Treffen im Weißen Haus nannte Trump historisch. Auf US-Seite waren ihm zufolge neben Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio auch die US-Botschafter in Israel und im Libanon dabei. Zudem waren Israels Botschafter in den USA, Jechiel Leiter, sowie die libanesische Botschafterin Nada Hamadeh Moawad anwesend.
Seltenes Treffen in Washington
Bereits vergangene Woche hatte es in Washington direkte Verhandlungen zwischen Israel und dem Libanon gegeben: Deren Botschafter in den USA kamen im US-Außenministerium zu Gesprächen zusammen - das erste Treffen dieser Art seit Jahrzehnten. Der Libanon will den Einfluss der Hisbollah im Land eindämmen und ist auch keine aktive Konfliktpartei im Krieg der Miliz mit Israel. Die libanesische Regierung hatte den Druck auf die Hisbollah zuletzt erhöht.
Im Südlibanon gibt es trotz der Waffenruhe weiter tödliche Zwischenfälle. In der aktuellen Waffenruhe-Vereinbarung heißt es, Israel solle zwar "offensive" Einsätze gegen Ziele im Libanon unterlassen. Das Land darf sich demnach aber gegen geplante, unmittelbar bevorstehende oder andauernde Angriffe verteidigen. Beide Seiten werfen sich Verstöße gegen das Abkommen vor.
Trump: Israel wird "vorsichtig" vorgehen
Trump unterstrich im Weißen Haus das Recht Israels, sich selbst zu verteidigen. "Aber sie werden dabei vorsichtig vorgehen, und sie werden dabei präzise vorgehen", sagte Trump. Kurz zuvor war Israel nach Angaben der Armee erneut unter Beschuss aus dem Libanon geraten. Die Luftabwehr habe die Geschosse abgefangen. Die Abschussrampe sei daraufhin bombardiert worden, hieß es in der Nacht. Zuvor seien drei "Hisbollah-Terroristen" ausgeschaltet worden, die erfolglos eine Rakete auf ein israelisches Militärflugzeug gefeuert hätten.
Israel strebt nach Worten Netanjahus ein dauerhaftes Friedensabkommen mit dem Libanon an sowie eine Entwaffnung der Hisbollah. Die libanesische Regierung will eine dauerhafte Waffenruhe und einen Abzug der israelischen Soldaten aus dem Süden des Landes erreichen. Die Hisbollah weigert sich bisher aber, die Waffen abzugeben, und Israels Truppen sind seit anderthalb Jahren im südlichen Libanon stationiert - bisher ohne Aussicht auf einen raschen Abzug. Ein umfassendes Friedensabkommen ist deshalb fraglich.
Kurz vor Trumps Ankündigung hatte der ranghohe Hisbollah-Funktionär Mahmud Komati gegenüber lokalen TV-Sendern Vertretern der libanesischen Regierung das Recht abgesprochen, mit Israel Verhandlungen über ein Ende der Kämpfe zu führen. Direkte Verhandlungen bedeuteten die Anerkennung eines Feindes, "der unsere Menschen tötet". Unabhängig vom Ergebnis der Verhandlungen werde man eine weitere "Besatzung" Israels im Südlibanon nicht akzeptieren", sagte Komati. "Endet die Waffenruhe, wird der Krieg ohne zeitliche Begrenzung weitergeführt", so das Mitglied des Politbüros der Miliz.
Libanon: "Können nicht mit Pufferzone leben"
Libanons Ministerpräsident Nawaf Salam drängte die US-Regierung, den Druck auf Israel mit Blick auf dessen Bodentruppen im Südlibanon zu erhöhen. Der Libanon könne keinerlei Abkommen unterzeichnen, das keinen "vollständigen Abzug" der israelischen Truppen beinhalte, sagte Salam der "Washington Post". Man könne "nicht mit einer sogenannten Pufferzone leben", bei der Anwohner nicht in ihre Häuser im Süden zurückkehren könnten.
Israel spricht von einer "Sicherheitszone", die Nordisrael vor Hisbollah-Angriffen schützen soll. Dieses etwa zehn Kilometer breite Gebiet soll nach Worten Netanjahus vom Mittelmeer bis zur syrischen Grenze reichen. Kritiker sprechen von einer illegalen Besatzung und möglichen Kriegsverbrechen. So hat Israels Armee im Süden Brücken und Straßen, nach israelischen Berichten aber auch Häuser systematisch mit Bulldozern zerstört.
Kämpfe hängen eng mit Iran-Krieg zusammen
Der Krieg im Libanon hängt eng mit dem Iran-Krieg zusammen, weil der Iran der wichtigste Unterstützer der Hisbollah ist und die Miliz auch im Interesse von oder auf Weisung aus Teheran handelt. Als Reaktion auf die Tötung des obersten Führers des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, bei einem Luftangriff nahm auch die Hisbollah Anfang März den Beschuss Israels wieder auf. Dabei gab es Tote. Die israelische Luftwaffe reagierte mit massiven Luftangriffen, bei denen mehr als 2.000 Menschen getötet und etwa 1,2 Millionen vertrieben wurden.
Auch im Iran-Krieg hat Trump kürzlich eine geltende Waffenruhe kurz vor deren Ablauf einseitig verlängert. Die Waffen sollen demnach schweigen, bis Teheran mit einem geeinten Vorschlag an den Verhandlungstisch kommt. Ob dies passiert, bleibt abzuwarten. Beide Seiten drohten, sie seien bereit, die Kämpfe wieder aufzunehmen. Die USA stocken vor diesem Hintergrund ihre Militärpräsenz in der Region mit einem dritten Flugzeugträger weiter auf.
USA ziehen dritten Flugzeugträger in Nahost zusammen
Die "USS George H.W. Bush" befinde sich jetzt im Indischen Ozean, teilte das US-Regionalkommando Centcom auf X mit. Das letzte Mal, dass die USA drei Flugzeugträger im Zuständigkeitsbereich von Centcom hatten, sei 2003 gewesen, als die USA sich auf die Invasion im Irak vorbereiteten, zitierte das "Wall Street Journal" einen US-Beamten.
Trump hatte eine Öffnung der von Teheran weitgehend blockierten Straße von Hormus zur Bedingung für die Waffenruhe gemacht, während er zugleich an der eigenen Blockade iranischer Häfen festhält. Trump wies die Marine seines Landes nun an, alle Schiffe zu beschießen und zu versenken, die Minen in der für den globalen Ölhandel wichtigen Meerenge ausbringen würden.
Minensuchboote würden die Straße von Hormus zugleich noch intensiver von Sprengkörpern säubern, schrieb Trump auf Truth Social. Das US-Nachrichtenportal "Axios" zitierte einen US-Beamten und eine weitere Quelle, wonach die Marine der iranischen Revolutionsgarden diese Woche dort weitere Minen verlegt habe.
Israel zur Wiederaufnahme des Iran-Krieges bereit
Israel ist laut Verteidigungsminister Israel Katz "bereit, den Krieg gegen den Iran wieder aufzunehmen". Sein Land warte auf grünes Licht aus den USA, sagte er nach Angaben seines Büros vom Donnerstagabend bei einer Lagebeurteilung. Die Ziele seien bereits festgelegt. Es gehe unter anderem darum, die Familien-"Dynastie" des neuen obersten Führers Modschtaba Chamenei, Sohn des getöteten Ajatollahs Ali Chamenei, endgültig zu zerschlagen.
Weiteres Ziel sei die Zerstörung der wirtschaftlichen Infrastruktur, einschließlich Energie- und Stromanlagen. Katz sprach davon, den Iran "in die Steinzeit" zurückzuversetzen. Trump hatte sich vor Wochen ähnlich ausgedrückt.