Statistisches Bundesamt - Zahl der Geburten auf niedrigstem Stand der Nachkriegszeit
So wenige Babys wie seit 1946 nicht mehr: Die Geburtenzahl in Deutschland sinkt weiter. Was das mit den weltweiten Krisen zu tun hat und was Experten fordern.
Im vergangenen Jahr sind in Deutschland so wenige Babys geboren worden wie noch nie seit 1946. Vorläufigen Ergebnissen zufolge wurden 2025 rund 654.300 Kinder geboren, das waren 3,4 Prozent weniger als im Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Die Zahl der Geburten sank damit zum vierten Mal in Folge.
Die Zahl der Sterbefälle überstieg 2025 mit rund 1,01 Millionen die Zahl der Geburten um 352.000 - dies sei das größte Geburtendefizit der Nachkriegszeit, teilt das Bundesamt mit.
Dass Deutschland schrumpft, hatte die Behörde in einer ersten Schätzung im Januar bekanntgegeben: Zum Jahresende 2025 lebten demnach rund 83,5 Millionen Menschen in Deutschland. Die Bevölkerung war damit um etwa 100.000 Personen kleiner als am Jahresende 2024.
Zuwanderung gleicht Defizit nicht mehr aus
Dies lag nicht nur daran, dass die Zahl der Gestorbenen die Zahl der Neugeborenen überstieg, sondern auch daran, dass unter dem Strich weniger Menschen nach Deutschland einwanderten: Die Zuwanderung kann den Geburtenrückgang so nicht mehr ausgleichen.
Dass weniger Kinder geboren werden, ist keine neue Entwicklung. Nach einem vorübergehenden Hoch im Jahr 2021 mit rund 795.000 Neugeborenen sanken die Zahlen zuletzt erneut kontinuierlich.
Geburtenrate bleibt voraussichtlich niedrig
Zum Hintergrund verwies das Statistische Bundesamt auf die niedrige Geburtenrate. Diese gibt an, wie viele Babys eine Frau im Laufe ihres Lebens im Durchschnitt bekommen würde, wenn die Verhältnisse dieses Jahres unverändert blieben. Die aktuellste Zahl dazu stammt aus dem Jahr 2024 und betrug 1,35 Kinder je Frau.
"Alles deutet darauf hin, dass diese Zahl auf einem niedrigen Niveau bleibt", sagt eine Sprecherin des Bundesamts.
Ausführlichere Zahlen für 2025 lägen im Juli vor. Ausschlaggebend sei zudem, dass die zahlenmäßig kleinen 1990er-Geburtsjahrgänge nun in das Alter von Anfang 30 kämen, in dem häufig die Entscheidung für Kinder falle.
Mecklenburg-Vorpommern mit größtem Rückgang
Der Rückgang bei den Geburten war 2025 in den östlichen Bundesländern mit minus 4,5 Prozent stärker als in den westlichen mit minus 3,2 Prozent. Ausschließlich Hamburg meldete laut Bundesamt mit plus 0,5 Prozent einen leichten Anstieg. Den stärksten Rückgang gab es in Mecklenburg-Vorpommern mit minus 8,4 Prozent.
Auch in anderen europäischen Ländern gab es 2025 weniger Neugeborene, darunter nach vorläufigen Ergebnissen Frankreich, Österreich, Italien und Schweden. In Spanien, den Niederlanden und Finnland zeichne sich dagegen eine Stabilisierung ab, wie das Bundesamt mitteilt.
Stabil blieb den Angaben zufolge in Deutschland 2025 die Struktur der Geburten: Von allen geborenen Babys waren 46,6 Prozent die ersten Kinder, 34,8 Prozent die zweiten Kinder und 18,6 Prozent die dritten oder weiteren Kinder im Leben der Mutter.
Vorausberechnung zeigt keine Trendwende
In Deutschland werde die Zahl der Geburten künftig selbst unter günstigen Annahmen voraussichtlich unter dem vergleichsweise hohen Niveau des Jahres 2021 bleiben. Dies zeigten Ergebnisse der Bevölkerungsvorausberechnung.
Die Gründe der rückläufigen Geburtenzahl seien vielfältig, sagt Katharina Spieß, Direktorin am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung. "Da kommt gerade sehr viel zusammen." Die Professorin nennt neben den demografischen Faktoren wirtschaftliche Unsicherheit, hohe Wohnkosten und die zahlreichen Krisen auf der Welt.
Kinderwunsch ist da, wird aber oft nicht umgesetzt
Aus der Entwicklung müssten Konsequenzen folgen, sagt die Professorin. Paare wünschten sich mehr Kinder, als sie tatsächlich bekämen: Der Kinderwunsch liege Befragungen zufolge bei 1,74 (Männer) und 1,76 (Frauen) - und damit über der Geburtenrate.
Mit Blick auf die Zukunft der sozialen Sicherungssysteme und der Fachkräftesituation müssten unter anderem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und der Ausbau verlässlicher Kindertagesbetreuung weiter vorangetrieben werden - für Kita-Kinder und Kinder im Grundschulalter. Denn die fehlenden Kinder von heute fehlten auch in 20 bis 30 Jahren als Erwachsene - was dann auch erneut weniger Kinder bedeute.
Etwas weniger Schwangerschaftsabbrüche
Das Bundesamt veröffentlichte auch neue Zahlen zu Schwangerschaftsabbrüchen. Diese blieben im Vorjahresvergleich in etwa stabil: Im Jahr 2025 wurden insgesamt 106.000 Eingriffe gemeldet, 0,7 Prozent weniger als im Vorjahr.
Sie erfolgten überwiegend ambulant. Rund 86 Prozent fanden in Arztpraxen beziehungsweise OP-Zentren statt und 12 Prozent ambulant im Krankenhaus. Erstmals wurden mehr Abtreibungen medikamentös als mit einer OP durchgeführt.
44 Prozent der Frauen hatten zuvor noch kein Kind zur Welt gebracht. Rund 7 von 10 Frauen waren beim Schwangerschaftsabbruch zwischen 18 und 34 Jahre alt, 20 Prozent waren im Alter zwischen 35 und 39 Jahren, 9 Prozent waren 40 Jahre und älter.