Ungewöhnliche Beute in Bischofsheim: 23 Brieftauben geklaut
Bei diesen Dieben piept's wohl! - 23 Brieftauben in Bischofsheim geklaut
Auf eine ungewöhnliche Beute hatten es Einbrecher in Bischofsheim in der Zuchtstätte "Im Wüsten Forst" abgesehen. Unbekannte haben dort 23 junge Brieftauben gestohlen. Die Tiere sind ein kleines Vermögen wert.
Die Täter verschafften sich laut Polizei unbemerkt Zugang auf das Gelände. Anschließend leerten sie gezielt den Stall und verschwanden mit den Vögeln.
Mehrere tausend Euro Schaden
Die gefiederten Tiere haben den Angaben zufolge einen Gesamtwert von mehreren tausend Euro. Die Ermittler in Bischofsheim hoffen nun auf Hinweise von Zeugen, die etwas Verdächtiges beobachtet haben.
Doch warum klaut man überhaupt Brieftauben?
Hans-Joachim Bonk vom Verband Deutscher Brieftaubenzüchter Hessen-Mitte hat uns das erklärt - und die Antwort ist wenig glamourös: „Die führen sie der Küche zu." Sprich: als Delikatesse. Denn als Statussymbol oder wertvolles Handelsobjekt taugen die Tiere für einen Dieb herzlich wenig.
Der Grund ist die Natur der Brieftaube selbst: Wer sie einfach freilässt, der schaut ihr hinterher - und zwar wie sie schnurstracks zurück zu ihrem Heimatschlag fliegt. Dabei hat die Brieftaube eine jahrtausendealte Geschichte: Schon im alten Ägypten wurden sie eingesetzt, um Botschaften über weite Strecken zu übermitteln - eine Art Telefonnetz der Antike. Auch in Kriegszeiten flogen sie durch feindliche Fronten. Heute ist das alles Geschichte: „Die sind rein nur noch aus sportlichen Zwecken da", sagt Bonk.
Greifvögel und Windräder als Gefahren für Tauben
Der Diebstahl trifft Züchter, die sowieso schon kämpfen. Bonk, der seit über 60 Jahren in Flörsheim (Main-Taunus-Kreis) Brieftauben züchtet, schildert zwei massive Probleme:
Problem 1: Greifvögel. Habicht, Sperber, Wanderfalke - die Bestände haben zugenommen, das Niederwild ist dagegen fast verschwunden. Rebhühner, Fasanen, Hasen - in der Gemarkung um Flörsheim heute eine Seltenheit. Und das hat Folgen: „Die haben ja keine Beute mehr - und die spezialisieren sich dann auf Tauben und Hühner, alles was in der Umgebung von Häusern gehalten wird." In Bonks Verein haben einige Mitglieder allein zwischen März und Anfang Mai 25 bis 30 Tiere durch Greifvogelangriffe verloren.
Problem 2: Windparks. Wenn Brieftauben aus Frankreich nach Hause fliegen, müssen sie teils riesige Windparkgebiete durchqueren - zum Beispiel rund um Alzey in Rheinhessen. Bonk: „Die Tiere unterschätzen die Schnelligkeit der Rotoren - da werden etliche schwer verletzt." Und das betreffe übrigens auch Greifvögel selbst.
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