Ex-Wilke-Mitarbeiter packt aus: So ekelhaft war es wirklich
Ex-Wilke-Mitarbeiter packt aus - Wie ekelhaft war das Fleisch wirklich?
Ein ehemaliger Mitarbeiter der insolventen Wurstfabrik Wilke hat vor Gericht schwere Vorwürfe gegen die frühere Führungsebene erhoben. Demnach soll in dem Betrieb systematisch schimmeliges und abgelaufenes Fleisch verarbeitet worden sein. Die Zustände sollen so gravierend gewesen sein, dass der Abteilungsleiter am Ende selbst kündigte.
Der Mann war viele Jahre als Abteilungsleiter für Rauch- und Kochprozesse sowie im Betriebsrat der Firma tätig. Wie der Zeuge berichtet, habe er intern mehrfach auf Missstände hingewiesen. Geändert worden sei daran jedoch nichts.
Schimmel-Fleisch zerkleinert und gewürzt
Laut dem ehemaligen Mitarbeiter soll stattdessen grünes und schimmeliges Fleisch verarbeitet worden sein. Es sei im Betrieb klein geschnitten und gewürzt worden, berichtet er. Danach habe man von dem Schimmel schlicht nichts mehr gesehen oder geschmeckt.
Auch bei schimmeligem Leberkäse sei der Belag einfach abgespritzt worden. Eine Mitangeklagte habe zwar angewiesen, die betroffene Ware im sogenannten Konfiskatraum zu entsorgen. Laut dem Zeugen kam der Leberkäse dort aber nie an, sondern landete wieder in der Produktion. Wer diese Anweisung gab, ist unklar.
Mitarbeiter handeln aus Angst
Weiter berichtet der Zeuge von abgelaufenen Mett-Enden, die neu verpackt werden sollten. Zur Rechtfertigung soll ein Verantwortlicher gesagt haben, dass die Firma das Mindesthaltbarkeitsdatum selbst festlege. Für den Zeugen ein klarer Verstoß, denn abgelaufen sei abgelaufen.
Er selbst habe sich geweigert, andere Mitarbeiter hätten die Anweisungen aber aus Angst um ihren Job ausgeführt. Wer Missstände ansprach, musste den Angaben zufolge mit dem Versuch einer Kündigung rechnen. Die Geschäftsführung soll sogar gezielt Stellvertreter eingesetzt haben, um Fehler des Zeugen zu finden und ihn loszuwerden.
Kein Vertrauen in eigene Produkte
Seit der Übernahme durch den damaligen Geschäftsführer sei es mit dem Betrieb stetig bergab gegangen. Der Raum für verdorbene Ware sei laut dem Zeugen immer "brechend voll" gewesen. Gesperrte Produkte seien dort oft gar nicht erst angekommen.
Der Zeuge selbst zog aus den Zuständen offenbar schon früh Konsequenzen und kaufte keine Wilke-Produkte mehr. Er kündigte schließlich selbst, weil seine Nerven blank gelegen haben sollen.
Angeklagte zeigen wenig Regung
Im Gerichtssaal folgten die Angeklagten den Aussagen weitgehend regungslos. Während sich zwei der ehemaligen Führungskräfte offenbar vertraut gaben und sich kurz austauschten, gab es zum ehemaligen Geschäftsführer keine Interaktion.