Jugendliche in Hessen - Jeder Zweite will Social-Media-Verbot
Scrollen, liken, posten - und dann doch genervt sein: Mehr als die Hälfte der Jugendlichen in Hessen würde Social Media am liebsten verbieten lassen, zeigt eine neue Studie der Techniker Krankenkasse.
TikTok, Instagram und YouTube gehören für Jugendliche in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland längst zum Alltag. Für den Social-Media-Report der Techniker Krankenkasse (TK) wurden Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren zu ihren Erfahrungen mit sozialen Netzwerken befragt. Die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren (52 Prozent) befürwortet ein Social-Media-Verbot.
Verbot bis 14 Jahre
Davon spricht sich der Großteil für ein Verbot bis zu einem bestimmten Alter aus, im Schnitt nennen sie 14 Jahre als sinnvolle Grenze. Sechs Prozent der Befragten würden Social Media für Minderjährige sogar grundsätzlich verbieten. 43 Prozent lehnen ein Verbot komplett ab - die meisten Jugendlichen können den Netzwerken etwas Positives abgewinnen.
Werbung, Fake News und Mobbing nerven am meisten
Ein Grund für den Wunsch nach mehr Regeln: Viele Jugendliche merken selbst, dass ihnen der Dauerkonsum nicht immer guttut. Ein Drittel der Befragten in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland nutzt soziale Medien täglich mindestens drei Stunden oder länger, fast ebenso viele empfinden genau das als störend.
Am meisten stört die Jugendlichen aber etwas anderes: die Menge an Werbung. Dazu kommen Fake News, Mobbing und Beleidigungen sowie unangemessene Bilder und Videos - all das erleben viele junge Nutzerinnen und Nutzer als belastend.
Wenn Dauer-Scrollen auf die Stimmung schlägt
Wer besonders viel Zeit auf den Plattformen verbringt, berichtet häufiger von schlechter Laune, Unsicherheit bei Entscheidungen, Unzufriedenheit mit sich selbst und Erschöpfung. Ein ursächlicher Zusammenhang lässt sich aus der Befragung zwar nicht ableiten, die Ergebnisse passen aber zu aktuellen wissenschaftlichen Untersuchungen zum Thema.
Expertinnen und Experten mahnen zu mehr Medienkompetenz
Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung Hessen, ordnet die Ergebnisse so ein: "Der Report zeigt, dass Jugendliche die Chancen und Risiken von Social Media durchaus differenziert wahrnehmen." Umso wichtiger sei es, junge Menschen frühzeitig zu einem bewussten Umgang mit sozialen Medien zu befähigen, damit ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden geschützt bleiben.
Psychische Probleme können entstehen
Auch der Psychologe und Neurowissenschaftler Christian Montag warnt vor den Risiken einer suchtähnlichen Nutzung: Diese könne "depressive Verstimmungen, Angststörungen, Schlaf- oder Essstörungen, selbstverletzendes Verhalten und Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper begünstigen". Das bedeute aber nicht, dass soziale Medien grundsätzlich krank machten - besonders gefährdet seien eher wenig organisierte oder emotional empfindliche junge Menschen. Neben Medienkompetenz brauche es deshalb auch einen verlässlichen Rahmen von Seiten der Plattformbetreiber, etwa gegen suchtfördernde Algorithmen.
Was sich Jugendliche selbst an Unterstützung wünschen
Konkrete Hilfe wünschen sich viele Jugendliche vor allem direkt auf den Plattformen oder in der Schule: Mehr als die Hälfte nennt Lernvideos zu den Risiken sozialer Medien, fast jeder und jede Zweite wünscht sich ausgebildete Ansprechpersonen an der eigenen Schule. Auch Workshops, häufigere Gespräche mit den Eltern und leicht erreichbare Hilfsangebote stehen auf der Wunschliste. Nur jeder und jede Zehnte ist der Ansicht, gar keine Unterstützung zu brauchen.