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«Bitterer als jeder Hopfen» - Bierabsatz auf Rekordtief

Statistisches Bundesamt - «Bitterer als jeder Hopfen» - Bierabsatz auf Rekordtief

Bier
© Roland Weihrauch/dpa

Bier läuft nicht mehr so gut.

Deutschlands Biermarkt ist im vergangenen Jahr so stark geschrumpft wie nie. Bei einem Absatz unter Corona-Niveau scheinen Brauerei-Pleiten unabwendbar.

Der deutsche Biermarkt ist im vergangenen Jahr so stark geschrumpft wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Mit 7,8 Milliarden Litern lag der Absatz sechs Prozent unter dem Vorjahr und hat auch die Werte aus den Corona-Jahren 2020 (8,7 Mrd Liter) und 2021 (8,5 Mrd) deutlich unterschritten, wie das Statistische Bundesamt berichtet. Veltins-Chef Volker Kuhl sieht die Braubranche vor einer "Zäsur, in deren Folge immer öfter Brauereien aufgeben müssen".

Schon 2025 legte das Tempo der Betriebsschließungen und Übernahmen zu. Kleine und mittlere Brauereien insbesondere in Süddeutschland schlossen für immer, während Branchenriese Oettinger seine Großbrauerei in Braunschweig aufgab und mit Eichbaum in Mannheim ein weiteres Dickschiff in Eigenverwaltung ums Überleben kämpft. Das berühmte Klosterbier aus Weltenburg am Donaubruch kommt vom kommenden Jahr an aus der benachbarten Privatbrauerei Schneider. 

Mengenverluste zehren an Liquidität

Vielen Unternehmen fehle schlicht das Geld für Investitionen, sagt Veltins-Manager Kuhl. "Der Nachhall der Mengenverluste ist für Deutschlands Brauer bitterer als jeder Hopfen, weil er vielerorts dringend benötigte Liquidität kostete." Viele Brauereien sind nicht mehr flüssig, um etwa neue Abfüllanlagen oder effizientere Energieanlagen zu bezahlen.

Start des 190. Münchner Oktoberfest
© Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Bierfeste wie die Münchner Wiesn reißen den Umsatz nicht raus.

Der Bierabsatz geht schon seit 1994 - damals lag der Absatz bei 11,5 Milliarden Litern - mit leichten Schwankungen zurück, die strukturellen Gründe bleiben die gleichen: Deutschlands Gesellschaft wird im Durchschnitt immer älter, und Trends zum gesünderen Lebensstil sind ungebrochen. "Gerade bei vielen jüngeren Menschen sehen wir einen bewussteren Umgang mit Gesundheit. Alkohol spielt für einen wachsenden Teil keine oder nur noch eine untergeordnete Rolle", hat der Sucht- und Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Hendrik Streeck, gerade festgestellt. 

Sorgen um Abnehmer in der Gastronomie

Nach Einschätzung des Deutschen Brauerbunds (DBB) bekommen die Brauereien ähnlich wie Handel und Gaststätten nun zusätzlich die massive Konsumzurückhaltung der Verbraucher zu spüren. Die Situation der Gastronomie sei weiterhin besorgniserregend, viele Betriebe hätten sich seit der Corona-Pandemie nicht erholt. Auch die große Marktmacht des Handels bleibe für die Braubranche ein Problem, sagt DBB-Hauptgeschäftsführer Holger Eichele. 

Mittelstand setzt auf Vielfalt und Regionalität

Mittelständler wie die Darmstädter Privatbrauerei setzen darauf, dass die Verbraucher für regionale Produkte vielleicht doch einen Euro mehr zu zahlen bereit sind. "Leider gibt es aus den Großbrauereien immer noch Angebote für unter 10 Euro den Kasten. Das ist einfach nicht nachhaltig", sagt Brauereichef Wolfgang Koehler. Er hat wie viele andere auch das Sortiment ausgeweitet: Unter der Marke "Bräustüb'l" werden mittlerweile auch vier alkoholfreie Biere und demnächst Cola-Mixgetränke angeboten. 

Marktanteil für Alkoholfreies wächst

Weil keine Biersteuer anfällt, sind alkoholfreie Biere wie auch Malzgetränke nicht in der Statistik enthalten. Für die Branche sind die alkoholfreien Sorten der Hoffnungsschimmer. Im vergangenen Jahr hingen im Handel bereits mehr als 10 Prozent des Umsatzes daran, im laufenden Jahr soll diese Schwelle auch beim Marktanteil erreicht werden, wie der Brauerbund berichtet. Deutschland sei mittlerweile zum größten europäischen Markt für Alkoholfreies geworden. 

Alkoholfreies Bier
© Christophe Gateau/dpa

Alkoholfreie Sorten sind Hoffnungsträger der Brauereien.

Der Löwenanteil von 82,5 Prozent des abgesetzten Bieres wurde im Inland verkauft. Hier betrug der mengenmäßige Rückgang 5,8 Prozent. Die restlichen 17,5 Prozent wurden zwar erfasst, aber nicht versteuert, weil sie in den Export oder als sogenannter Haustrunk an die Beschäftigten der Brauereien gegangen sind. In diesem Bereich ging die Menge im Vergleich zum Vorjahr um rund 7,0 Prozent zurück. 

Wege aus der Krise?

Der Brauerbund erwartet, dass auch 2026 ein sehr forderndes Jahr für die gesamte Getränke- und Lebensmittelwirtschaft wird. Hauptgeschäftsführer Eichele verlangt eine verlässlichere und wettbewerbsfähige Energiepolitik, um die Betriebe zu unterstützen. Der Branchenexperte Niklas Other vom Fachdienst "Inside Getränke" empfiehlt den Unternehmen, enger zusammenzuarbeiten. Gemeinsame Produktion und Logistik könnten angesichts der hohen Kapitalbindung durch die teuren Anlagen helfen.

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