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Milliardenvergleich für Bayer in Glyphosat-Rechtsstreit

US-Rechtsstreit über Glyphosat - Bayer schließt Milliardenvergleich

Bayer-Konzern
© Thomas Banneyer/dpa

Bayer schließt Milliardenvergleich zu Glyphosat in den USA.

2018 schluckte Bayer den Wettbewerber Monsanto. Die Übernahme enthielt Glyphosat-Risiken, die den Leverkusenern jahrelang zu schaffen machten. Nun könnte ein Befreiungsschlag gelungen sein.

Der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer hat in den USA einen milliardenschweren Sammelvergleich zur Beilegung aktueller und künftiger Klagen zum glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup geschlossen. Die Zahlungen für den Sammelvergleich umfassten höchstens 7,25 Milliarden US-Dollar über bis zu 21 Jahre, wie der Dax-Konzern mitteilte. Der Sammelvergleich müsse vom Gericht in St. Louis (Bundesstaat Missouri) genehmigt werden, hieß es von den Leverkusenern

Langer Rechtsstreit

"Der heutige Tag markiert einen wichtigen Meilenstein für das Unternehmen", sagte Konzernchef Bill Anderson. Damit beschleunige man die Lösung eines langwierigen Rechtsstreits und hege ihn zugleich ein. "Rechtsunsicherheit plagt das Unternehmen seit Jahren, und diese Einigung ist für das Unternehmen ein Weg, um damit abzuschließen", sagte der Manager. "Die vorgeschlagene Einigung hat ihren Preis, aber wir haben einen Plan, sie zu finanzieren, und es wird auf viele Jahre verteilt." 

Fokus auf eigentliches Geschäft

Nach Darstellung von Anderson wird sich der milliardenschwere Vergleich auch finanziell auszahlen. Dann könne sich Bayer auf sein eigentliches Geschäft konzentrieren, etwa die Entwicklung von Medikamenten und von Saatgut, das Trockenheit besonders lange übersteht. So ein Saatgut wertet Bayer angesichts der steigenden Weltbevölkerung und des Klimawandels als besonders wichtig.

Bayer-Vorstandsvorsitzender Bill Anderson
© Henning Kaiser/dpa

Seit 2023 an der Bayer-Konzernspitze: Bill Anderson.

Aktie zieht kräftig an

Anleger reagierten positiv auf die Glyphosat-Vereinbarung. An der Frankfurter Börse legten die Papiere um etwa sieben Prozent zu. Eine Vielzahl an Klagen belastet die Bayer-Bilanz seit Jahren. Dies sind gewissermaßen Altlasten der 2018 abgeschlossenen Übernahme des US-Konkurrenten Monsanto.

Glyphosat als krebserregend 

In den US-Klagen führten Kläger Krebserkrankungen auf Glyphosat zurück. Die zur Weltgesundheitsorganisation gehörende Internationale Krebsforschungsagentur hatte den Wirkstoff, der in dem Unkrautvernichter-Produkt Roundup enthalten ist, als "wahrscheinlich krebserregend beim Menschen" eingestuft; andere Einrichtungen der WHO waren anderer Ansicht, und auch europäische Einrichtungen folgten dieser kritischen Einstufung nicht.

Bayer bestreitet Vorwürfe

Genauso weist der Glyphosat-Hersteller Bayer den Verdacht zurück, dass der Unkrautvernichter krebserregend sei. Dies betonte Bayer-Chef auch bei der Verkündung des Sammelvergleichs. "Glyphosat ist ein sicheres und wichtiges Werkzeug für Bauern in den USA und überall auf der Welt." Diese "Wahrheit" hätten Wissenschaftler und Aufsichtsbehörden auf der Welt weiter aufrechterhalten, sagte Anderson.

Milliarden für Glyphosat-Streitigkeiten

Die Rückstellungen und Verbindlichkeiten des Konzerns für Rechtsstreitigkeiten insgesamt dürften durch den Sammelvergleich von 7,8 Milliarden auf 11,8 Milliarden Euro steigen. Zudem habe die Tochterfirma Monsanto weitere vertrauliche Vergleiche vereinbart, um andere Glyphosat-Fälle beizulegen, hieß es vom Konzern. 

Weitere Vergleiche

Darüber hinaus hat sich Monsanto Anfang dieses Jahres den Angaben zufolge auch zu acht verbliebenen Urteilen im Zusammenhang mit der Umweltchemikalie PCB am Sky Valley Education Center im US-Bundesstaat Washington verglichen. Die Bedingungen hierzu seien ebenfalls vertraulich.

Supreme Court prüft Roundup-Fall

Die Vergleichsvereinbarungen zu Glyphosat folgten auf die Entscheidung des Obersten US-Gerichtshofes, den Fall des Klägers John Durnell zur Überprüfung anzunehmen. Dabei habe die Erwartung, dass das Oberste Gericht die Frage des Vorrangs von Bundesrecht bei Klagen wegen angeblich fehlender Warnhinweise überprüfen könnte, die Vergleichsverhandlungen erst möglich gemacht, teilte das Unternehmen mit.

Bayer hofft auf Rückenwind

Bayer erhofft sich Rückenwind von der Überprüfung durch den US Supreme Court. Der Fall beim Supreme Court bleibe von der Vergleichsvereinbarung unberührt und sei wichtig, um erhebliche Schadenersatzurteile aufzuheben, gegen die noch Rechtsmittel anhängig sind, und die nicht durch den Sammelvergleich abgedeckt sind, erklärte Bayer.

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