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Paketboom bei Post: Briefe verlieren an Bedeutung

Immer weniger Briefe - Post macht mit Paketen mehr Umsatz

Pakete boomen, Briefe schwächeln - so läuft das Geschäft seit Jahren für den Post-Konzern DHL. Trotzdem waren die Briefmengen finanziell wichtiger als Pakete. Das aber hat sich geändert.

Die Deutsche Post hat mit der Paketzustellung erstmals mehr Geld in die Kassen bekommen als mit dem Austragen von Briefen. Wie das Unternehmen in Bonn mitteilte, machte es mit Briefen im vergangenen Jahr in Deutschland einen Umsatz von rund 7,1 Milliarden Euro und damit 3,8 Prozent weniger als 2024. Im Paketgeschäft waren es 8,2 Milliarden Euro, ein Plus von 11,2 Prozent. 

So viel Post wurde geliefert

Die Briefträger und Paketboten des Unternehmens trugen in Deutschland 10,6 Milliarden Briefe und 2 Milliarden Pakete aus, bei der Menge war die Entwicklung wie beim Umsatz: Bei Briefen ging es nach unten und bei Paketen nach oben. 

Folgen der Digitalisierung

Grund für die Entwicklung ist das veränderte Verhalten der Verbraucher und Firmen im Digitalzeitalter: Immer weniger Menschen schicken Briefe, stattdessen setzen sie auf E-Mails und Chatnachrichten zur Kommunikation. Auch Werbetreibende haben das Internet im Fokus, daher finden die Menschen weniger Werbeprospekte oder Werbebriefe in ihren Briefkästen als früher. 

Finanzvorständin Melanie Kreis neben dem Vorstandsvorsitzenden Tobias Meyer.
© Oliver Berg/dpa

Finanzvorständin Melanie Kreis neben dem Vorstandsvorsitzenden Tobias Meyer.

Briefmenge sinkt und sinkt

2024 hatte der gelbe Riese, der sich inzwischen in DHL umbenannt hat und im nationalen Briefgeschäft Deutsche Post heißt, mit seinem Briefgeschäft noch minimal mehr Geld bekommen als mit Paketen. "Wir sind jetzt an diesem Punkt, wo sich die Umsatzlinien gekreuzt haben", sagt Finanzvorständin Melanie Kreis. DHL geht davon aus, dass sich diese Entwicklung fortsetzt und womöglich sogar beschleunigt. 2010 seien 30 Briefe auf ein Paket gekommen, inzwischen kämen fünf Briefe auf ein Paket, sagt Kreis. "Wir rechnen damit, dass wir am Ende dieser Dekade bei eins zu eins oder zwei zu eins sind."

Briefe trotzdem nicht vor dem Aus

Bis der letzte Brief in Deutschland zugestellt wird, wird es nach Einschätzung des Post-Managements aber noch sehr lange dauern. Deutschland sei im Vergleich zu anderen EU-Staaten weniger digitalisiert, sagt der Vorstandsvorsitzende Meyer. So brauche das Gerichtswesen hierzulande eine flächendeckende Briefzustellung, außerdem gebe es Briefwahl-Unterlagen und gedruckte Zeitungen, die vom Briefträger gebracht werden. 

DHL-Chef Tobias Meyer sieht sein Unternehmen gut aufgestellt.
© Oliver Berg/dpa

DHL-Chef Tobias Meyer sieht sein Unternehmen gut aufgestellt.

Dänemark hat den Stecker schon gezogen

Dänemark ist schon weiter als Deutschland, dort stellte der frühere Monopolist die staatlich garantierte Briefzustellung Ende 2025 ein. Ein anderer Anbieter setzt dieses Geschäft im kleinen Stil fort. Aus Sicht des Post-Chefs Tobias Meyer ist Dänemark kein gutes Beispiel. Dort gebe es mehr Beschwerden und bei der Zustellung internationaler Briefe nach Dänemark komme es zu massiven Verzögerungen. "Ich glaube, dass der Staat in Deutschland noch sehr lange auf die physikalische Zustellung angewiesen sein wird."

Weiterhin Briefe bei der Deutschen Post

Dazu stehe der Bonner Konzern weiter zur Verfügung, "auch wenn wir natürlich sehen, dass der wirtschaftliche Erfolg im Paketgeschäft deutlich größer ist", sagt der Manager, der seit 2023 Post-Chef ist und dessen Vertrag gerade um vier Jahre bis 2031 verlängert worden war.

DHL-Paketzentrum in Düsseldorf
© Wolf von Dewitz/dpa

Ein DHL-Paketbote ist in einer Zustellbasis mit einer Vielzahl an Paketen beschäftigt. Der Logistikkonzern hat Jahreszahlen für 2025 vorgelegt, er hat profitablere Geschäfte gemacht als zuvor.

Steigende Gewinne

Meyer und Finanzvorständin Kreis stellten die Jahreszahlen für 2025 vor, die alles in allem positiv ausfielen. Wegen der konjunkturellen Flaute und wegen Währungseffekten fiel der Umsatz zwar um 1,6 Prozent auf 82,9 Milliarden Euro. Zugleich legte das operative Ergebnis (Ebit) von DHL aber um 3,7 Prozent auf 6,1 Milliarden Euro zu - das Geschäft wurde also profitabler. Der Gewinn stieg um 3,8 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro. Kosten wurden gesenkt und Arbeitsabläufe effizienter gemacht, etwa durch den Einsatz von Robotern und künstlicher Intelligenz. Routen wurden optimiert und Preise angehoben.

Umsatz durch Briefe und Pakete wächst

Erstaunlich gut schnitt das Stammgeschäft ab, also die Beförderung von Briefen und Paketen in Deutschland. Dem Bereich wird in dem global aufgestellten Konzern eigentlich kein großes Wachstumspotenzial beigemessen - bisweilen wirkt er eher wie ein Sorgenkind. Doch nun legte der Umsatz um drei Prozent auf 17,9 Milliarden Euro zu und das Betriebsergebnis schnellte um gut ein Viertel auf eine Milliarde Euro nach oben. Einer der Gründe hierfür war eine Portoerhöhung. Seit Anfang 2025 kostet ein Standardbrief in Deutschland 95 Cent und damit 10 Cent mehr als zuvor. 

DHL-Lagerhaus in Dubai.
© Wolf von Dewitz/dpa

DHL-Lagerhaus in Dubai.

Frachtgeschäft bricht ein

Im Frachtbereich waren die Bremsspuren der globalen Verwerfungen inklusive Handelskonflikten und konjunktureller Abkühlung deutlich zu erkennen, es sackte ab. Beim Blick auf das laufende Jahr äußert sich der Konzernchef Meyer vorsichtig. "Es gibt vor allem in der Geopolitik sehr viele Variablen und Unsicherheiten – das haben wir in den ersten zwei Monaten des Jahres schon deutlich gesehen." Für 2026 peilt DHL nur eine geringfügige Verbesserung des operativen Ergebnisses an. 

Anpassungen wegen Iran-Krieg

Die Folgen des Iran-Kriegs treffen auch das Bonner Unternehmen: In Dubai betreibt es ein Logistik-Drehkreuz, ein Innovationszentrum und ein großes Lagerhaus. Der Flugverkehr ist dort eingeschränkt. Einen Teil der Waren habe man über den Boden woanders hingebracht, etwa nach Riad in Saudi-Arabien, um sie dort in Flugzeuge zu verladen. Finanzvorständin Kreis betont, dass man im Umgang mit Krisen Erfahrung habe. "Wir sind als DHL daran gewöhnt, unsere Lieferketten ständig anzupassen."

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