Sanierungen bei Bahn - Rechnungshof sieht Fehlentwicklungen
Mit "Korridorsanierungen" soll das teils marode Schienennetz auf Vordermann gebracht werden. Der Rechnungshof aber fordert Nachsteuerungen.
Der Bundesrechnungshof wirft der Bahn erhebliche Mängel bei der Sanierung hoch belasteter Bahnstrecken vor. "Die ersten Korridorsanierungen zeigen gravierende Fehlentwicklungen", heißt es in einem Bericht des Rechnungshofs an den Haushaltsausschuss des Bundestags. Bisherige Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen seien "fehlerhaft und nicht belastbar". Der Bericht lag der Deutschen Presse-Agentur vor.
“Versprechen gebrochen”
Die Bahn-Sparte DB InfraGO halte Versprechen weitgehend nicht ein, heißt es darin. Der Bundesrechnungshof halte ein "konsequentes Nachsteuern" für unerlässlich. Das Bundesverkehrsministerium habe in einer Stellungnahme die Feststellungen des Rechnungshofs nicht entkräftet, sondern bestätige vielmehr bestehende Defizite bei den Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen und der Erfolgskontrolle.
Konzept der Korridorsanierungen
Mit den Korridorsanierungen sollen in den kommenden Jahren hoch belastete Strecken wieder auf Vordermann gebracht werden. Nach Problemen bei den ersten Maßnahmen hatten Bahn und Bund vor zwei Wochen bekanntgegeben, dass in den kommenden fünf Jahren deutlich weniger Strecken saniert werden als bisher geplant. Zudem soll nach Abschluss der Bauarbeiten der Zugverkehr künftig nur schrittweise wieder hochgefahren werden - statt, dass wie bisher an einem bestimmten Datum alle Verkehrsträger wieder fahren sollten. Bei den bislang abgeschlossenen Generalsanierungen hatte es nach Abschluss der Arbeiten immer wieder Probleme etwa mit verspäteten Zügen gegeben.
Ziel: Pünktlichkeit
Das Konzept der Korridorsanierung sieht vor, dass vielbefahrene Bahnstrecken über Monate gesperrt und grundlegend saniert werden. Dafür sollten sie im Anschluss deutlich weniger störanfällig sein. Damit soll sich die Pünktlichkeit im gesamten Netz verbessern.
Rechnungshof: Wirtschaftlichkeit nachweisen
Der Bundesrechnungshof fordert in dem Bericht das Verkehrsministerium auf, die Wirtschaftlichkeit und den Erfolg der Korridorsanierungen "haushaltsrechtskonform" nachzuweisen und die festgestellten Defizite zu beheben. Die Wirtschaftlichkeit jeder Korridorsanierung müsse gesondert nachgewiesen werden. "Für die Milliardeninvestitionen in Korridorsanierungen fehlt eine tragfähige Entscheidungsgrundlage." Dem Haushaltsausschuss fehlten wesentliche Informationen, um seine parlamentarische Budget- und Kontrollverantwortung wahrnehmen zu können. Bei den ersten abgeschlossenen Korridorsanierungen seien die Kosten zum Teil erheblich gestiegen.
Die Bahn habe die in Aussicht gestellte "Baufreiheit" bei den Korridorsanierungen von zunächst zehn auf fünf Jahre verringert. Auch die fünfjährige Baufreiheit aber halte sie bereits jetzt wegen nachgelagerter Arbeiten und der Beseitigung von Mängeln nicht ein.