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Typische Elternsprüche und was dahinter steckt

Der wahre Kern in Elternlügen - Sorgt ein leerer Teller für gutes Wetter?

Diese Sprüche kennen wir alle aus unserer Kindheit: "Iss den Teller leer, sonst wird das Wetter schlecht", "Fernsehen macht viereckige Augen", "Geh nicht mit nassen Haaren raus, sonst wirst du krank"... Eltern verwenden gerne solche Sprüche, doch hinter einigen verbirgt sich auch ein Fünkchen Wahrheit. Hier sind ein paar typische Elternsprüche und was dahintersteckt:

"Iss deinen Teller leer, dann gibt´s morgen gutes Wetter"

Wenn die Kinder den Teller nicht leer essen wollen, drohen Eltern gerne mal mit schlechtem Wetter.

Als Kind hat man sich schon damals immer den Kopf über diesen Spruch zerbrochen: Wieso regnet es, wenn ich nicht alles aufesse? Und was ist wenn die Nachbarn bei sich alles aufessen? Regnet es dann nur bei uns? Alles Fragen, die auf ein Missverständnis zurückzuführen sind. Denn die Redewendung wurde falsch aus dem Plattdeutschen übersetzt. Dort heißt es nämlich: „Et dien Töller leddig, dann givt dat morgen goods wedder!“. Was so viel heißt wie: „Iss deinen Teller leer, dann gibt´s morgen wieder was Gutes!“. Aus Wedder hat man dann anstatt „wieder“ einfach „Wetter“ abgeleitet, "goods" wurde "gutes" und Zack - das Sprichwort hat sich verselbstständigt. Selbst heute hört man es noch regelmäßig bei Familien am Essenstisch, wenn die quengeligen Kinder nicht weiteressen wollen.

"Wenn du mit nassen Haaren rausgehst, wirst du krank“

Gerade wenn man nach dem Training mit nassen Haaren nach Hause gekommen ist, gab es früher schon mal eine Standpauke von den Eltern: „Wieso hast du keine Mütze auf? Mit den nassen Haaren fängst du dir eine schöne Erkältung ein!“. So gefährlich ist das Ganze dann aber doch nicht, einer Erkältung hat nur sehr indirekt etwas mit nassen Haaren zu tun. 

Der eigentliche Grund für Erkältungen sind Bakterien und Viren, gegen die unser Körper dauerhaft kämpft. Das gelingt nicht mehr so gut, wenn der Körper friert - und nasse Haare in Verbindung mit Wind können dafür sorgen, dass wir frieren. Die Bakterien haben es dadurch leichter. Eine Person mit schwachem Immunsystem sollte sich also lieber gut die Haare föhnen, jemand mit einem starken Immunsystem braucht sich keine Sorgen zu machen.

"Wenn du Kaugummi runterschluckst, bleibt der im Bauch stecken!"

Bleibt Kaugummi im Magen stecken? Nicht ganz, das Runterschlucken ist eigentlich unbedenklich, übertreiben sollte man es nicht.

Kaugummi runterschlucken – gerade in der Schule hat man das öfters gemacht, wenn man vom Lehrer beim Kauen erwischt wurde. Dann blieb nur noch eines: Beweise vernichten! Zack, der Kaugummi wanderte die Speiseröhre nach unten. Gerade nochmal gerettet. Aber ist das eigentlich ungesund? Eltern beten ihren Kindern oft vor, dass das Runterschlucken von Kaugummis schädlich sei, weil der Kaugummi im Bauch kleben bleibt. Das stimmt nicht. Die Kaugummis werden im Magen von einem Feuchtigkeitsfilm umgeben, weshalb sie nirgendwo kleben bleiben könnten. Sie rutschen einfach durch die Speiseröhre in den Magen und werden ganz normal verdaut, zumindest zum Teil. Der unverdauliche Rest kommt hinten wieder raus. Eine Gefahr geht davon also nicht aus, solange man es nicht übertreibt.

Bei großen Mengen Kaugummis kann es zu Verdauungs- und Schluckstörungen kommen. Zuckerfreie Kaugummis wirken durch die Süßstoffe Xylit oder Sorbit abführend. Beim Sport sollte man auch keinen Kaugummi kauen, durch Stöße oder Unachtsamkeit kann der Kaugummi auch in die Luftröhre gelangen und dort stecken bleiben, so wie alle anderen festen Lebensmittel auch.

"Wenn du zu lange fernsiehst, bekommst du viereckige Augen"

Was gibt es schöneres, als als Kind schön lange abends wach zu bleiben und fern zu sehen? Wären da nicht ständig die Eltern, die einem wegen viereckigen Augen in den Ohren liegen.

Jedes Mal, wenn man als Kind länger als eine halbe Stunde vor dem Fernseher saß, konnte man mit diesem Spruch rechnen. Doch ist da überhaupt was dran? Nicht wirklich, die Augen werden durch Fernsehen natürlich nicht viereckig. Der Spruch dient wahrscheinlich eher der Abschreckung, damit die Kinder nicht so lange vor der Glotze hängen. Einen negativen Effekt auf die Augen kann Fernsehen aber dennoch haben. Wer zu lange und vor allem zu nah am und vor dem Bildschirm sitzt überanstrengt seine Augen und riskiert Kurzsichtigkeit

"Wenn du Apfelkerne isst, wächst ein Baum in dir"

Kann aus so einem kleinen Apfelkern tatsächlich ein Baum im Magen wachsen? Natürlich nicht, die Redewendung dient eher der Abschreckung.

Es können alle beruhigt sein, die schon mal einen Apfelkern gegessen haben: In euch wächst bestimmt kein Baum heran. Trotzdem benutzten viele Eltern diesen Spruch, um ihre Kinder vom Essen von Apfelkernen abzuhalten. Denn diese sind giftig, zumindest ein kleines bisschen. Sie enthalten Amygdalin, das im Körper zur hochgiftigen Blausäure umgewandelt wird. Jedoch ist die Menge verschwindend gering und der Körper kann das Gift auch selbst bekämpfen. Außerdem ist das Gift im Inneren des Kerns, wenn dieser nicht zerkaut wird, kann das Gift nicht in den Körper gelangen. Solange man sie also nur runterschluckt, passiert nichts. Apfelkerne können dem Menschen also relativ wenig anhaben. Damit das Gift tödlich wirkt, müsste man eine enorm große Menge gemahlener Apfelkerne essen.

"Setz dich nicht auf den kalten Boden, da holst du dir eine Blasenentzündung!"

Das Prinzip ist hier ähnlich wie bei den nassen Haaren. Die Kälte ist zwar nicht die Ursache für die Erkrankung, sie begünstigt sie aber. Bei kalten Temperaturen können Bakterien nicht mehr ganz so gut vom Immunsystem bekämpft werden. So haben die Bakterien es einfacher sich in der Harnröhre zu verbreiten. Wenn sie sich dort einmal eingenistet haben, entsteht eine Entzündung. Und diese kann für den Betroffenen ganz schön schmerzhaft werden. Mädchen und Frauen sind besonders anfällig für Blasenentzündungen. Die Bakterien müssen bei ihnen nur etwa vier Zentimeter in der Harnröhre zurücklegen, bis sie ihr Ziel erreichen. Beim Mann sind das im Vergleich 20-25 Zentimeter.

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