Gedächtnisweltmeister Boris Nikolai Konrad im FFH-Talk
"Mein Gehirn ist ganz normal" - Gedächtnisweltmeister bei Silvia im Talk
Der mehrfache Gedächtnisweltrekordhalter, Neurowissenschaftler und Bestsellerautor Boris Nikolai Konrad, der bei einem Wetten, dass..?-Auftritt Zauberwürfel mit verbundenen Augen lösen konnte, sagt: „Mein Gehirn ist ganz normal, ich habe es nur trainiert.“
Boris Nikolai Konrad im Talk bei Silvia, Sonntag ab 10 Uhr.
Insgesamt hatte er drei Auftritte bei Wetten, dass..?: „Die Auftritte haben mir viel Selbstvertrauen gegeben. Ich war während der Schulzeit nicht der selbstbewussteste Mensch, das hat mir in meiner Entwicklung sicher geholfen.“ Bei seinem ersten Auftritt sahen ihm 16 Millionen Menschen zu: „Ich bin mit voller Wucht eingestiegen. In der Lokalzeitung im Ruhrgebiet war ich vier Tage hintereinander auf der Titelseite.“
Wie die Begeisterung für Gedächtnistraining begann
Seine Begeisterung für Gedächtnistraining begann vor dem Abitur. „Da lief eine Fernsehsendung mit jemandem, der das perfekt beherrschte. Dann habe ich mir ein Buch bestellt, habe angefangen, das zu üben, und war verblüfft: Es funktioniert und macht auch noch Spaß.“
Aus einem normalen Schüler in der zehnten Klasse mit einem Notendurchschnitt von 2,8 machte er ein Abitur mit einem Schnitt von 1,7. Die Techniken halfen ihm dann auch bei seinem Physik- und Informatikstudium, wobei er zwei Studiengänge in der Zeit von einem abschloss.
"Unser Gehirn sollte herausgefordert werden"
„Alle, die Gedächtnistechniken einsetzen, können unglaubliche Erfolge damit erzielen. In Studien zu Gedächtnistraining konnten wir eine Verdreifachung der Leistung in sechs Wochen feststellen.“ Gerade jetzt, wo viele Prüfungen anstehen, wie das Abitur, rät er allen, diese Techniken zu nutzen, sagt aber auch: „Ein bisschen Übung braucht es schon. Man muss schon ein bisschen früher anfangen - je früher, desto besser.“
Für ihn ist eine der besten Techniken der „Gedächtnispalast“. Man ordnet den Dingen, die man lernen muss, Orte zu, zum Beispiel in der Küche zu Hause. Wie viele Gedächtnispaläste hat er? „Ich habe sehr, sehr viele, 80 bis 100, die jeweils 50 Punkte haben. Aber das haben wir alle im Kopf.“
Künstliche Intelligenz als Unterstützung
Der Neurowissenschaftler steht KI positiv gegenüber, solange man sie als Unterstützung nutzt. „KI bietet die Versuchung, das Denken auszulagern, in der Prüfungsvorbereitung und im Berufsleben, aber sie darf das eigene Denken nicht ersetzen. Die Illusion ist schnell da: Ich hab’s verstanden, aber eigentlich hat es die KI geliefert. Nur weil der Nachhilfelehrer es verstanden hat, heißt es nicht, dass ich es draufhabe. Ich muss schon noch selber nachdenken.“
Warum unser Gehirn Veränderungen nicht mag
Der große Vorteil sei aber, dass die KI einem helfe, etwas zu verstehen. „Ich kann der KI sagen: Erklär mir das, sei mein Nachhilfelehrer. Das hätte früher viel Geld gekostet.“ Der Neurowissenschaftler und Bestsellerautor ist auch ein viel gebuchter Redner in Unternehmen, wenn zum Beispiel Veränderungen anstehen. Warum mag unser Gehirn eigentlich keine Veränderungen? „Weil es Energie kostet. Unser Gehirn braucht unglaublich viel Energie, Gewohntes braucht weniger. Das ist es kurz zusammengefasst.“
Und wie ist es, wenn der Vater von vier Kindern Memory spielt? „Wenn ich will, gewinne ich. Ich kann aber auch Memory spielen, ohne meine Technik einzusetzen, dann sieht das wieder ganz anders aus. Umgekehrt kann ich dann aber auch meinen Kindern ein paar Tricks zeigen, und dann haben wir alle Spaß.“