Pilotprojekt in Gießen - Hier gibt's den neuen Biosprit E20 schon
Er ist günstiger und zugleich umweltfreundlicher: Der neue Biosprit Super E20. Eine Tankstelle im Gießener Gewerbegebiet “Am Alten Flughafen” ist seit kurzem eine von nur zwei Verkaufsstellen in Deutschland, wo es den potenziellen “Kraftstoff der Zukunft” bereits gibt - als Pilotprojekt.
“Im Vergleich zum herkömmlichen E10 wird E20 noch einmal 10 Prozent mehr Bioethanol beigemischt”, erklärt Kim Backhaus vom Tankstellen-Betreiber Roth-Energie am FFH-Mikro. “Dadurch wird der CO2-Ausstoß bei deisem Kraftstoff deutlich verringert”. Und das merken die Kunden, die E20 bereits tanken, auch im Geldbeutel.
Aktuell vier Cent günstiger
Denn durch die niedrigere CO2-Abgabe ist der neue Kraftstoff günstiger als das herkömmliche Benzin - aktuell vier Cent im Vergleich zum E10. Backhaus rechnet aber damit, dass der Preis in Zukunft noch weiter sinkt, wenn E20 in größeren Mengen produziert wird. In Zeiten stetig steigender Spritpreise ein kleiner Hoffnungsschimmer für Autofahrer, die auf fossilen Kraftstoff angewiesen sind.
“Rechtliche Grauzone”
Doch noch gibt es eine Einschränkung: Die Gesetzeslage erlaubt noch keinen flächendeckenden Verkauf von E20 in Deutschland. “Das ist rechtlich eine Grauzone”, beklagt Backhaus und fordert Nachbesserungen bei der Qualitätsnorm, die aktuell maximal 10 Prozent Bioethanol im Kraftstoff erlaubt. Bei Roth-Energie gibt es E20 im Rahmen des Pilotprojekts erstmal nur für registrierte Kunden wie beispielsweise Firmen, die eine Tankkarte von Roth bessitzen.
Autohaus zieht positives Zwischenfazit
Dabei hat der Betreiber bereits einen großen Partner an Bord: Das Gießener Autohaus Michel testet den Kraftstoff seit Ende Januar für die rund 50 Fahrzeuge seiner Firmenflotte. Das erste Fazit sei durchweg positiv, berichtet Geschäftsleiter Stefan Wesolowsky: “Wir haben keinerlei Leistungseinbußen gegenüber dem herkömmlichen Super-Benzin festgestellt. Von daher sind wir sehr zufrieden mit der Wahl”, so der Autohändler. Durch die Kombination von niedrigem Preis und mehr Nachhaltigkeit sei der Kraftstoff für ihn ein klarer Weg in die Zukunft.
Schon heute für viele Autos geeignet
Was Wesolowsky berichtet deckt sich auch mit den Einschätzungen der Autobauer. So hat der VW-Konzern mittlerweile die Fahrzeuge seiner Marken wie Audi, Volkswagen oder Seat ab Baujahr 2015 für Super E20 freigegeben. Auch eine Sprecherin des ADAC sieht bei neueren Autos keine Probleme bei der Kompatibiliät mit dem neuen Kraftstoff, verweist jedoch auch auf die Gesetzeslage, die nach umfangreichen Tests vorrausichtlich erst in den kommenden ein bis zwei Jahren geändert wird. Erst dann können alle Tankstellen im Land E20 abgeben.
Keine Konkurrenz zu Lebensmittelproduktion befürchtet
Kritische Stimmen zum Super E20, die die Herstellung von Bioethanol als Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion sehen, weisen die Verantwortlichen in Gießen als unbegründet zurück. Es gebe schon heute genügend Getreide, dass nicht als Nahrungsmittel angebaut wird, meint Backhaus. Auch die verwendung von Getreide-Abfällen bei der Herstellung sei denkbar. Eine Konkurrenz-Situation befürchetet er deshalb nicht.