Wirtschaftsfaktor Sport - Hat Nordhessen dort Nachholbedarf?
Sport ist mehr als nur ein gesellschaftlicher Faktor. Er bietet der Region auch viele wirtschaftliche Potenziale, die es allerdings strategisch besser zu nutzen gilt. Das zeigt die am Mittwoch in Kassel vorgestellte Studie „Wirtschaftsfaktor Sport in Nordhessen“, die systematisch die wirtschaftliche Bedeutung des Sports für die Region untersucht.
Auftraggeber der Studie ist die Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg, umgesetzt hat sie die Regionalmanagement Nordhessen GmbH. Die wissenschaftliche Leitung lag bei Univ.-Prof. Dr. Kuno Hottenrott von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. „Die Region muss die sportliche Herausforderung im doppelten Sinne des Wortes annehmen, den Wirtschaftsfaktor Sport systematischer zu nutzen und auszubauen, um für die hiesige Wirtschaft neue Potenziale zu heben“, sagt Dr. Hans-Friedrich Breithaupt, Vizepräsident der IHK Kassel-Marburg.
Entwicklungsbedarf in Nordhessen
Dabei bestehe Entwicklungsbedarf: „Gemessen an der Größe und Bedeutung Nordhessens schöpfen wir die Chancen des Wirtschaftsfaktors Sport im hessischen Vergleich bislang unzureichend aus.“ Die Studie zeigt deutliche regionale Unterschiede bei den Umsätzen: Hessenweit liegt der steuerbare Umsatz durch Sport bei rund 3,0 Milliarden Euro, auf Nordhessen entfallen lediglich 87 Millionen Euro. Das entspricht lediglich 2,7 Prozent des Gesamtumsatzes, obwohl die Region knapp 17 Prozent der Bevölkerung stellt.
Willingen als Vorreiter
Auch im Vergleich innerhalb Hessens zeigt sich die Diskrepanz: Für den Regierungsbezirk Kassel beträgt der steuerbare Sportumsatz rund 110 Millionen Euro, für Darmstadt dagegen rund 2,8 Milliarden Euro. Am Beispiel des Weltcup-Skispringens in Willingen zeigt die Studie die Wirkung: In den vergangenen drei Jahren kamen jeweils 43.100 bis 46.400 Zuschauer. Der Ticketumsatz lag 2024 und 2025 bei rund 1,13 Millionen Euro. Am Weltcup-Wochenende wurden 27.998 Übernachtungen registriert, davon rund 90 Prozent dem Skispringen zuzuordnen.
Nachholbedarf bei Spitzensport und Infrastruktur
Die Studie benennt zudem Defizite im organisierten Spitzensport: Nordhessen sei so gut wie gar nicht vertreten – unter anderem wegen fehlender Stützpunkte und unzureichender Infrastruktur. So fehlen etwa Olympia- und Bundesstützpunkte; eine Ausnahme bildet der Ski-Bundesstützpunkt in Willingen. Im Schwimmsport fehlt seit zwei Jahren ein wettkampftaugliches Becken beim KSV Baunatal, sodass ein Landesleistungszentrum nicht mehr möglich ist. Als Handlungsempfehlungen werden der Aufbau einer Eliteschule des Sports, die Einrichtung von Nachwuchsleistungszentren sowie die Entwicklung des „Sportcampus Auepark“ in Kassel als Trainings- und Ausbildungsschwerpunkt genannt.