Drei Angeklagte in Kassel - Streit um Chihuahua eskaliert
Ein Chihuahua wird für 800 Euro verkauft und kurz darauf für 2.000 angeboten: Der Fall landet vor Gericht. Die Anklage spricht von Gewalt, eine Beschuldigte schildert den Ablauf völlig anders.
Zwei 30- und 31-jährigen Frauen aus Oldenburg und Edewecht (Landkreis Ammerland) wird schwerer Raub und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen, einem 66-Jährigen aus Bremen Beihilfe zum gemeinschaftlichen Raub und Körperverletzung.
Die Vorgeschichte laut Staatsanwaltschaft
Die 31-Jährige verkauft im September 2020 für 800 Euro ihren Chihuahua im Internet an einen Mann aus Kassel. Nur einen Tag später soll der er den Hund ebenfalls im Internet zum Verkauf angeboten haben - für 2.000 Euro. Darauf sei der 66-jährige Angeklagte aufmerksam geworden. Er selbst hatte Interesse am Kauf des Hundes. Er soll die 31-Jährige über das Inserat informiert haben. Die wiederum soll ihre 30 Jahre alte Bekannte ins Bild gesetzt haben.
Rückholaktion
Laut Anklage wollte die 31-Jährige den Chihuahua “notfalls mit Gewalt" zurückholen, sagte die Staatsanwältin. Nach Meinung der Angeklagten habe der neue Besitzer den Hund nur gekauft, um ihn teurer weiterzuverkaufen - ohne Rücksicht auf das Tierwohl. Die 31-Jährige habe den Mitangeklagten aufgefordert, Kontakt zu dem neuen Besitzer aufzunehmen und vorzugeben, den Hund kaufen zu wollen.
Neuer Besitzer will den Hund nicht zurückgeben
Die drei Angeklagten sollen dann zusammen zur Wohnung des neuen Chihuahua-Besitzers in Kassel gefahren sein. Dort habe sich die 30 Jahre alte Bekannte der Frau zunächst als interessierte Käuferin ausgegeben und den Mann anschließend damit konfrontiert, dass er den Hund erst einen Tag zuvor gekauft habe. Nach Angaben der Staatsanwältin sagte sie ihm, sie werde den Hund wieder mitnehmen und ihm 200 Euro für das Tier geben. Das habe der neue Besitzer abgelehnt und die vollen 800 Euro gefordert.
Situation eskaliert
Daraufhin soll es laut Anklage zunächst zu einem verbalen Streit gekommen sein, der in eine körperliche Auseinandersetzung mündete. Der 66-Jährige habe dem Mann gegen die Brust geschlagen und gegen das Schienbein getreten. Die 30-Jährige habe ihn mit der Faust auf die Brust und ins Gesicht geschlagen und mit Pfefferspray besprüht, bevor sie ihm den Hund entrissen habe.
Angeklagte schildert Ablauf anders
Die Frau sei mitgefahren, weil ihre Freundin außer sich gewesen sei vor Sorge. Sie hätte befürchtet, der Käufer habe falsche Angaben gemacht und der Hund sei in falsche Hände geraten. In Kassel habe sie dem neuen Besitzer einen Umschlag mit 700 Euro gegeben. Der sei zunächst mit dem Rückkauf einverstanden gewesen. Dann aber sei er aggressiv geworden, habe ihr plötzlich den Chihuahua entrissen und ihn grob und heftig geschüttelt. Er soll gesagt haben: "Wenn ich den Hund nicht haben kann, kann ihn niemand haben".
Angeklagte: “Ich dachte, der Hund stirbt.”
Sie habe den Mann gebeten aufzuhören. Als er das nicht getan habe, habe sie in Panik einmal kurz das Pfefferspray eingesetzt. Der mitangeklagte 66-Jährige soll nach ihrer Schilderung nichts getan und ruhig neben ihr gestanden haben. Die 31-jährige Angeklagte habe im Auto gesessen. “Ich schwöre Ihnen, wir wollten keinen Ärger”, sagte sie. Sie habe in Ruhe mit dem neuen Besitzer reden wollen. In der Rückschau tue ihr das Ganze furchtbar leid. Das Landgericht hat in dem Verfahren vier weitere Termine bis Ende August angesetzt.