Drei Jahre Detektivarbeit - Naziraubkunst im Schloss Fasanerie
Das Museum Schloss Fasanerie gibt 24 Kunstwerke zurück, die jüdischen Besitzern während der NS-Zeit unrechtmäßig entzogen wurden. Drei Jahre Detektivarbeit in Archiven und Auktionskatalogen haben die belastete Geschichte der Sammlung ans Licht gebracht.
Seit Oktober 2022 hat Kunsthistoriker und Provenienzforscher Sven Pabstmann die Sammlung der Kulturstiftung des Hauses Hessen systematisch durchleuchtet. Im Fokus standen Kunstwerke, die Philipp Prinz von Hessen und sein Zwillingsbruder Wolfgang in den 1930er und 40er Jahren erworben hatten. Ursprünglich sollten 160 Objekte untersucht werden - am Ende waren es 200: Gemälde, historische Möbel, Skulpturen und chinesisches Porzellan.
30 Objekte belastet - aus dem Besitz von sechs Verfolgten
Das Ergebnis ist eindeutig. „Von diesen 200 Objekten sind 30 Objekte als belastet, also restitutionsrelevant, wie wir sagen, eingestuft worden", erklärt Pabstmann im FFH-Interview. Sie stammen aus dem Besitz von sechs jüdischen bzw. als jüdisch verfolgten Vorbesitzern - darunter der Kölner Sammler Ottmar Strauss und die Familie Goldschmidt-Rothschild.
Detektivarbeit: Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen
Provenienzforschung ist mühsam: Pabstmann durchforstete Archive, wälzte Auktionskataloge und begutachtete beispielsweise Gemälderückseiten nach Stempeln und Etiketten. „Es ist die Suche nach der Nadel im Heuhaufen", sagt er im FFH-Interview. „Man stöbert in der Geschichte, man deckt völlig unbekannte Informationen oder Geschichten auf." Das Ergebnis: Ein knapp 600 Seiten starker Abschlussbericht.
24 Werke gehen zurück - sechs in die Datenbank
Mit den Nachfahren von Ottmar Strauss und der Familie Goldschmidt-Rothschild wurden drei Restitutionsvereinbarungen geschlossen. 24 Objekte werden oder wurden bereits an die Berechtigten übergeben. Sechs weitere chinesische Porzellane werden in einer sogenannten Lost Art-Datenbank veröffentlicht - wer Ansprüche hat, kann sich dort melden.
Deportiert, geflohen, vergessen - Schicksale hinter den Kunstwerken
Hinter jedem Objekt steckt eine Menschengeschichte. „Es gibt sehr tragische Fälle, die auch dazu geführt haben, dass Menschen deportiert worden sind und ums Leben gekommen sind in der Zeit des Nationalsozialismus", berichtet Pabstmann im FFH-Interview. Andere Vorbesitzer konnten fliehen und begannen ein neues Leben - zum Beispiel in den USA. Das Projekt gilt als eines der seltenen Beispiele, in denen eine große Privatsammlung freiwillig auf NS-Raubkunst überprüft wurde.