Neuer Interessent gesucht - Windpark Großenlüder nicht vom Tisch
Kurz haben sie aufgeatmet - jetzt ist klar: Der Windpark im Gieseler Forst bei Großenlüder ist nicht vom Tisch. Er ist nur aufgeschoben. Projektentwickler Juwi ist nicht mehr an Bord, aber HessenForst will das Gebiet neu ausschreiben. Eine Projektgruppe aus der Region kämpft weiter.
Im Gieseler Forst zwischen Großenlüder-Kleinlüder und Fulda-Oberrode sollten 15 Windkraftanlagen entstehen. Doch der Projektentwickler Juwi hat seine Pläne gestoppt und den Pachtvertrag mit HessenForst gekündigt. Als Grund nennt das Unternehmen ein Überangebot an Vorrangflächen und sinkende Strompreise - das Projekt sei wirtschaftlich nicht mehr tragfähig.
Kurze Freude, schnelle Ernüchterung
„Wir haben uns natürlich erstmal gefreut", sagt Ralf Bischof von der Projektgruppe am FFH-Mikro. Doch die Erleichterung hielt nicht lange: HessenForst teilt auf FFH-Nachfrage mit, dass das Vorranggebiet neu ausgeschrieben wird. “Der Landesbetrieb HessenForst unterstützt die Ziele der Landesregierung auch im Bereich der Energie- und Klimaschutzpolitik und der rechtskräftige TRPEE ist für den Landesbetrieb HessenForst eine bindende Vorgabe. Zu gegebener Zeit werden daher sämtliche Vorranggebiete für Windenergie interessierten Planern und Betreibern zur Entwicklung und zum Betrieb angeboten. Dies gilt auch für die hier betroffenen Flächen”, heißt es in einem Schreiben an HIT RADIO FFH.
Projektgruppe kartiert 20 Weiher und 40 Quellen
Die Projektgruppe um den ehemaligen Revierförster Manfred Kellerhof und Ralf Bischof hat das Areal monatelang zu Fuß durchkämmt. Ihr Befund: 20 Weiher und rund 40 Quellen - viele davon nach Bundesnaturschutzgesetz streng geschützte Biotope. Der Wald ruht auf einer Tonschicht in etwa einem Meter Tiefe, die wie eine natürliche Wanne das oberflächennahe Grundwasser hält und Dutzende Quellen speist. Kellerhof beschreibt die Gefahr bildlich: Würden Fundamente, Kabelkanäle und Wege gebaut, sei das so, „als wenn ein Stöpsel aus der Badewanne gezogen wird."
Kammmolch, Mopsfledermaus, Schwarzstorch
Die ökologischen Folgen wären nach Einschätzung der Gruppe dauerhaft. Viele der Weiher dienen als Laichgewässer - etwa für den Kammmolch. Die seltene Mopsfledermaus wurde im Gebiet nachgewiesen, auch der Schwarzstorch wurde dort schon gesichtet. Sinke der Wasserspiegel, könnten diese Lebensräume unwiederbringlich verloren gehen. “Wenn die Tonschicht einmal durchbrochen ist, lässt sie sich nicht wiederherstellen - egal, ob ein Windrad nach 30 Jahren wieder abgebaut wird oder nicht”, so Manfred Kellerhof im FFH-Interview.
War niemand vor Ort?
Besonders bitter für die Gruppe: Bei einer Informationsveranstaltung von Juwi im September 2025 in Kleinlüder zeigte die vorgelegte Biotopkartierung nur einen einzigen Weiher - und keine einzige Quelle. Bischof ist überzeugt: „Offensichtlich war keiner im Gebiet, um das zu prüfen, weil die Weiher sind groß genug, die hätte man sehen können." Das Regierungspräsidium Kassel hatte der Gruppe gegenüber versichert, das Gebiet sei eingehend geprüft worden. Die Projektgruppe sieht das als systemischen Fehler: Statt vor Ort zu schauen, seien Daten einfach vom Schreibtisch aus gezogen worden.
„Wir sind für Windkraft - aber auf geeigneten Standorten"
Eines betonen Kellerhof und Bischof ausdrücklich: Sie sind nicht grundsätzlich gegen Windkraft. Bischof lehnte es sogar ab, einer Bürgerinitiative gegen einen geplanten Windpark in der Gemarkung Herbstein beizutreten - obwohl er die Anlagen von seinem Wohnzimmer in Kleinlüder aus sehen würde. Der Grund: „Da oben ist tatsächlich ein beschädigter Wald" - und dort sei Windkraft vertretbar. „Wir sind für Windkraft, da gibt es überhaupt keinen Zweifel dran, aber auf geeigneten Standorten."
Kampf geht weiter - Umweltverband soll helfen
Die Feldaufnahmen im Gieseler Forst laufen weiter. Nach eigenen Angaben steht die Gruppe bereits im Kontakt mit einem Umweltverband, der sie künftig rechtlich und finanziell unterstützen soll. Das Ziel bleibt klar: dem Gieseler Forst den Status als Windkraft-Vorranggebiet dauerhaft aberkennen zu lassen - damit aus dem „Aufgeschoben" irgendwann ein echtes Aufgehoben wird.