Werk-Aus in Gründau - Autozulieferer Lear streicht 180 Jobs
Jahrzehntelang haben sie hier gearbeitet - jetzt sollen sie gehen: Beim Autozulieferer Lear in Gründau fallen knapp 180 Stellen weg. Das Unternehmen will die Produktion komplett schließen und ins Ausland verlagern.
Arbeit und Maschinen sollen laut IG Metall in die Slowakei, nach Serbien und Tunesien verlagert werden. Der Beschäftigungsabbau soll schnellstmöglich beginnen und bis Mitte 2027 abgeschlossen sein. Am Standort im Main-Kinzig-Kreis würden dann nur noch rund 120 Engineering-Stellen verbleiben.
„Ein Schlag ins Gesicht"
Betriebsratsvorsitzender Markus Rotter nennt die Ankündigung deutlich: „Die Nachricht ist ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten." Bei der Übernahme durch Lear vor rund zwei Jahren sei versprochen worden, alles bleibe beim Alten. Viele der betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten seit Jahrzehnten am Standort - und stehen jetzt mit 50 oder 60 Jahren vor dem beruflichen Aus.
Tarifvertrag erst letztes Jahr geschlossen
Erst vor rund einem Jahr hatte die IG Metall einen Tarifvertrag mit dem US-Unternehmen geschlossen, der betriebsbedingte Kündigungen bis Ende dieses Jahres ausschließt. Matthias Ebenau, Geschäftsführer der IG Metall Hanau-Fulda, kritisiert: „Unternehmerische Verantwortung ist hier offenbar ein Fremdwort." Das Lear-Management drücke sich seit Monaten um die vertragliche Verhandlungsverpflichtung.
Vom Familienbetrieb zum US-Konzern
In Gründau werden Sitz-, Lenkrad- und Flächenheizungen sowie Sensoren und Elektroniken für die Automobilindustrie produziert. Der Standort war lange Zeit der Stammsitz des Familienunternehmens I.G. Bauerhin, das vor knapp drei Jahren von der Lear Corporation aus den USA übernommen wurde. In Spitzenzeiten arbeiteten hier über 700 Menschen - heute sind es noch rund 300.
Kahlschlag in der Region
Die drohende Schließung reiht sich in eine Serie von Hiobsbotschaften für die Region ein, heißt es von der IG Metall. Erst im vergangenen Jahr wurde das Werk des Baumaschinenherstellers Putzmeister in unmittelbarer Nachbarschaft in Gründau geschlossen. Auch im benachbarten Langenselbold laufen derzeit Verhandlungen über einen massiven Stellenabbau beim US-Medizintechnikhersteller Thermo Fisher.
Gewerkschaft kündigt Widerstand an
IG Metall und Betriebsrat wollen die Schließung nicht kampflos hinnehmen. Ebenau kündigt an, gemeinsam mit den Mitgliedern und dem Betriebsrat alles daran zu setzen, Lear von dieser Entscheidung abzubringen. Auch die Reaktionen auf der Mitarbeiterversammlung hätten gezeigt: Die Belegschaft ist nicht bereit, die Abwicklung widerstandslos hinzunehmen.