Warnung in Fulda - Die dunkle Seite der Handys
Kinder und Jugendliche verbringen täglich Stunden am Smartphone – mit potenziell gefährlichen Folgen. Bei einer Fachtagung im Fuldaer Bonifatiushaus haben sich nun rund 120 Fachkräfte aus Schulen und Behörden ausgetauscht. Thema war die zunehmende Radikalisierung von Minderjährigen durch soziale Netzwerke.
Organisiert wurde das Treffen von den osthessischen Fachstellen für Extremismusprävention und dem Polizeipräsidium Osthessen. Ziel war es laut den Organisatoren, staatliche und nichtstaatliche Akteure besser zu vernetzen, um demokratiefeindlichen Inhalten im Netz frühzeitig zu begegnen.
Gefahr durch ständige Handynutzung
Der Erste Kreisbeigeordnete des Landkreises Fulda, Frederik Schmitt, warnte vor den weitreichenden Folgen einer ausufernden Handynutzung. Neben sprachlichen Defiziten oder psychischen Erkrankungen wirkten digitale Räume zunehmend als Beschleuniger für Extremismus. Um dieser Gefahr effektiv zu begegnen, müssten alle staatlichen Ebenen um die Gefahren wissen und vernetzt arbeiten, heißt es vonseiten des Landkreises.
Algorithmen als Brandbeschleuniger
Wie tief das Internet im Alltag der Jugendlichen verankert ist, untermauerten die Referenten mit aktuellen Zahlen. Den Angaben zufolge nutzen 12- bis 19-Jährige ihr Smartphone durchschnittlich fast vier Stunden am Tag. In einem Vortrag skizzierte eine Expertin der Universität München, wie Plattformen wie TikTok, X oder Telegram durch ihre Algorithmen dafür sorgen, dass Hassbotschaften und Verschwörungstheorien gezielt neue Zielgruppen erschließen. Die Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang bereits von einer "Tik-Tokisierung" des Extremismus.
Von der Online-Challenge zur Straftat
Die Vorträge machten auch deutlich, dass sich die Grenzen zwischen digitaler und realer Welt zunehmend auflösen. Sogenannte "Challenges" oder Online-Trends führen laut Polizei mittlerweile oft zu Propagandadelikten direkt auf dem Schulhof. Im schlimmsten Fall können Radikalisierungsverläufe im Netz sogar zu schweren Straftaten im realen Leben führen, warnen die Behörden. In verschiedenen Workshops erarbeiteten die Teilnehmer deshalb konkrete Handlungsstrategien und Präventionsansätze für den täglichen Umgang mit Jugendlichen.
Wichtig für Eltern: Warnsignale
Warnsignale für Eltern können vor allem deutliche Verhaltensänderungen sein, etwa die Übernahme extremistischer Parolen oder Symbole, der Rückzug aus dem bisherigen sozialen Umfeld, neue problematische Freundeskreise, starke Gruppendynamiken oder auffällig intensive Online-Aktivität. Auch ein zunehmendes Schwarz-Weiß-Denken sowie pauschale Abwertungen anderer Gruppen können Hinweise sein. Einzelne Veränderungen seien jedoch noch kein Beleg für Radikalisierung - entscheidend sei das Gesamtbild über einen längeren Zeitraum, heißt es auf Anfrage von HIT RADIO FFH beim Polizeipräsidium Osthessen.
Richtig reagieren
Wenn sich das Verhalten eines Kindes verändert, sollten Eltern zunächst die Ursachen einordnen, da Abgrenzung und Wandel im Jugendalter auch Teil normaler Entwicklung sein können. Wichtig sei, Interesse am Alltag und an der Mediennutzung des Kindes zu zeigen, offen nachzufragen und problematische Aussagen nicht stehen zu lassen, sondern gemeinsam zu hinterfragen. Bei Unsicherheit wird geraten, frühzeitig fachliche Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
Anlaufstellen
Anlaufstellen für Eltern sind unter anderem der Stabsbereich Prävention des Polizeipräsidiums Osthessen, das Hessische Informations- und Kompetenzzentrum gegen Extremismus (HKE), das Landesamt für Verfassungsschutz Hessen sowie das Beratungsnetzwerk Hessen.