Große Drüsenameise: Gelnhausen zieht mit Lanze in den Kampf
Große Drüsenameise - Gelnhausen zieht mit Lanze in den Kampf
Die Stadt Gelnhausen hat den Kampf gegen die Große Drüsenameise aufgenommen: Mit einem Heißwasser-Spezialgerät geht ein städtisches Team täglich gegen die invasive Art vor, die sich im Stadtteil Meerholz bereits auf rund zwölf Hektar ausgebreitet hat.
Das Gerät, das ursprünglich aus der Unkrautbekämpfung stammt, erhitzt Wasser auf bis zu 96 Grad Celsius. Das kochend heiße Wasser wird direkt in die Nester geleitet - und wirkt auf zweierlei Weise: Es tötet Ameisen direkt und lässt die Eier gerinnen, sodass kein Nachwuchs mehr schlüpfen kann. „Wie das mit den Hühnereiern in der Küche morgens zum Frühstück auch passiert", erklärt Jürgen Koch, Umweltbeauftragter der Stadt Gelnhausen.
Die Lanze: Werkzeug für die Tiefe
Zum Einsatz kommt dabei auch eine spezielle Lanze - ein perforiertes Rohr, das in den Boden gestochen wird, um tiefer gelegene Nester zu erreichen. Auf versiegelten Flächen wie Pflaster kann außerdem flächenhaft mit Heißschaum gearbeitet werden. Das Gerät befindet sich auf einem Transporter mit Anhänger und einem 800-Liter-Wassertank.
Strategie: Von außen nach innen
Die Bekämpfung folgt einem klaren Plan, der auf einem Gutachten eines Ameisenspezialisten basiert. Zunächst werden die äußeren Straßenzüge des Befallsgebiets behandelt, um eine weitere Ausbreitung zu stoppen. Erst danach rückt das Team schrittweise ins Zentrum des befallenen Gebiets vor. Die bereits behandelten Gebiete müssen allerdings regelmäßig erneut kontrolliert und behandelt werden.
Tückisches Risiko
Die Methode birgt einen Haken: Die Große Drüsenameise bevorzuge lückige, wenig bewachsene Böden, erklärt Koch. Durch die Heißwasserbehandlung kann genau dort Bewuchs aber zerstört werden - was die Bedingungen für eine Neubesiedlung im nächsten oder übernächsten Jahr sogar verbessern könnte. „Das wollen wir natürlich verhindern", sagt Koch. Deshalb werde in und an Grünflächen besonders sensibel und punktuell vorgegangen.
Bürger können selbst aktiv werden
Die Stadt ist bislang nur auf öffentlichem Gelände im Einsatz. Für Privatgrundstücke hat die Stadt eine Handreichung mit umweltfreundlichen Hausmitteln herausgegeben. Empfohlen wird unter anderem:
- Kieselgur (ein Kalksubstrat) entlang von Hauseingängen und Kellerfenstern streuen - die Ameise meidet es.
- Heißwasser aus dem Wasserkocher direkt auf Nester gießen.
- Nematoden als biologische Bekämpfung - diese wirken jedoch nur bei ausreichender Bodenfeuchtigkeit und sind im Sommer wenig effektiv.
- Lochsteine (eingepackt in Folie) als Ersatzquartier aufstellen: Zieht die Ameise um, kann das Quartier samt Bewohnern mit heißem Wasser oder Spülmittelwasser unschädlich gemacht werden.
Derzeit prüft die Stadt rechtlich, ob das Spezialgerät bei freien Kapazitäten auch für private Haushalte eingesetzt werden kann.
Vertreiben oder nur eindämmen?
Eine vollständige Verdrängung der Großen Drüsenameise aus Meerholz hält Koch für unrealistisch. „Die Ameise ist im Grunde genommen in erster Linie Lastling", sagt er - das Ziel sei es, diese Last so klein wie möglich zu halten. Ob das gelingt, werde sich in den kommenden Jahren zeigen.
Appell an die Bevölkerung: Gemeinsam handeln
Koch appelliert an die Bewohner des betroffenen Gebiets, aktiv zu bleiben und die städtischen Maßnahmen durch eigenes Handeln zu ergänzen. Nur wenn viele gleichzeitig gegen die Ameise vorgehen, könne die Ausbreitung wirksam gebremst werden.