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Große Drüsenameise in Gelnhausen: Wichtige Tipps für alle

Wichtige Tipps für alle - Große Drüsenameise in Gelnhausen

Olaf Brinkmann

Leiter Redaktion Osthessen
Olaf Brinkmann

Die Stadt Gelnhausen rüstet sich für einen langen Kampf: Im Stadtteil Meerholz hat sich die invasive Große Drüsenameise auf rund zwölf Hektar ausgebreitet - und Experten warnen, dass die Art irgendwann ganz Deutschland besiedeln wird. Beim Infoabend am Montagabend wurde klar: Ohne das Zusammenspiel von Stadt, Privatleuten und großer Politik wird es keine Lösung geben.

Der Befund ist erschreckend: Eine Vorkartierung des städtischen Bauamts hat ergeben, dass sich die Große Drüsenameise (Tapinoma magnum) auf einem rund zwölf Hektar großen Gebiet im Meerholzer Oberdorf ausgebreitet hat. Beim öffentlichen Informationsabend am Montagabend (14.9.) in Meerholz erläuterte Schädlingsexperte Dr. Martin Felke vom Institut für Schädlingskunde aus Reinheim die Dimension des Problems: „Der Befall ist verglichen mit anderen Befallsgebieten relativ groß", sagte er HIT RADIO FFH - und schätzt, dass die Ameise „sicherlich schon seit zehn Jahren oder länger" dort heimisch ist.

Auf dem Vormarsch

Die aus dem Mittelmeerraum stammende Große Drüsenameise breitet sich seit einigen Jahren in Deutschland aus. Sie bildet Superkolonien mit mehreren Millionen Tieren und Nestern mit jeweils mehreren Königinnen. Im Gegensatz zu einheimischen Ameisen kooperieren die verschiedenen Nester untereinander und bekämpfen sich nicht gegenseitig. Die Große Drüsenameise bildet teils mehrspurige Ameisenstraßen, sie unterhöhlt Straßen, Gehwege und gepflasterte Einfahrten, bleibt man nur kurz stehen, krabbelt sie zu Hunderten an einem hoch - und: Sie beißt. Im Garten arbeiten oder sich ausruhen: Ein Spießrutenlauf. Wer sich in die “Danger Zone” in Meerholz an einem warmen Sommertag begeben hat, der bekommt ein Gefühl dafür, wie schlimm die Situation für die betroffenen Menschen ist. Und wer denkt, bei mir ist sie ja nicht, juckt mich nicht: Felke macht deutlich, dass das nur eine Frage der Zeit ist. Und noch eine Hiobsbotschaft: Los werden wir sie nicht mehr. 

Aber jeder kann etwas tun.

Heißer Dampf statt Chemie

Da sich der betroffene Bereich in Meerholz in einem Wasserschutzgebiet befindet, setzt die Stadt auf chemiefreie Methoden. Bürgermeister Christian Litzinger erklärte beim Infoabend, die Stadt werde jetzt „die nötigen Gerätschaften anschaffen, um hier aktiv zu werden." Bereits in den Wochen vor dem Infoabend hatte Gelnhausen zwei Heißwasser-Dampfsysteme getestet - eines eines österreichischen Herstellers mit bis zu 130 Grad Celsius, eines eines deutschen Herstellers mit bis zu 135 Grad und einem 1.600-Liter-Tank. Beide Systeme können mit speziellen Bodenlanzen ausgestattet werden, die die Hitze gezielt ins Erdreich bringen. Das ist wichtig, weil die Große Drüsenameise ihre Nester in einer Tiefe von bis zu einem Meter anlegt. „Die Systeme sind durchaus vielversprechend", so Litzinger. Weitere Vorführungen anderer Geräte seien bereits terminiert.

Experte: Alle müssen ran - Stadt und Privatleute gemeinsam

Dr. Martin Felke machte beim Infoabend deutlich, dass die Stadt allein das Problem nicht lösen kann: „Es müssen sowohl die Privatleute als auch die Stadt Gelnhausen aktiv werden. Anders wird man das Problem nicht in den Griff bekommen." Als konkrete Maßnahmen für Privatgrundstücke nannte er drei Methoden: Behandlung der Nester mit kochendem Wasser, den Einsatz von Gelködern sowie Insektizidgranulate, die in die Nester hineingegossen werden. Bürgermeister Litzinger unterstützte dabei auch den Vorschlag einer Anwohnerin, einen gemeinsamen Aktionstag einzuführen - ähnlich wie in anderen betroffenen Städten: „Das ist eine gute Sache und auch für den ersten Aufschlag die richtige Heranziehungsweise."

Der Winter als Chance

Ein wichtiger Tipp von Dr. Felke: Gerade jetzt, wenn die Ameisen weniger sichtbar sind, lohnt sich die Bekämpfung besonders. „Im Winter können sich die Kolonien nicht regenerieren, die sind dann weitgehend inaktiv, es gibt auch nichts zu fressen", erklärte der Biologe. Wer im Winter konsequent weiter bekämpfe, könne die Kolonie „so stark schwächen, dass dann auch wirklich Erfolge erzielt werden können." Auch für Ameisen, die bereits ins Haus eingedrungen sind, hat Felke einen Rat: Gelköder - also Insektizide mit gelartiger Konsistenz - seien in diesem Fall die wirksamste Methode.

Nachbarschaftsfrieden in Gefahr? 

Im Interview von HIT RADIO FFH mit Bürgermeister Litzinger kam auch ein heikles Thema zur Sprache: Was, wenn das Nachbargrundstück von Ameisen überschwemmt ist, das eigene aber (noch) nicht? Die Sorge vor Nachbarschaftsstreit, gegenseitigen Schuldzuweisungen und letztlich auch Vorwürfen des Denunziantentums liegt nahe. Bürgermeister Litzinger versicherte, die Stadt gehe „entsprechend behutsam vor" - und betonte, dass in der aktuellen Situation „erst mal alle froh sind, wenn mit der Bekämpfung gestartet wird." Die Stadt prüfe zudem rechtliche Möglichkeiten, um auch Privatbesitzern mit Equipment zu helfen.

Geld, Personal, Politik: Litzinger fordert mehr Unterstützung

„Wir müssen das stemmen", sagte Litzinger klar - und machte gleichzeitig deutlich, dass eine Stadt wie Gelnhausen das nicht alleine schultern kann. Er forderte Gelder für die Anschaffung von Geräten, für die Wiederherstellung betroffener Straßen und Bürgersteige sowie Personal für langfristige Maßnahmen. Besonders brisant: Die Große Drüsenameise steht in Deutschland bislang nur auf einer Beobachtungsliste - eine Verpflichtung zur Bekämpfung besteht nicht. Litzinger appellierte dafür, als Gruppe mit anderen betroffenen Kommunen aufzutreten: „Uns alle vereint das Problem", sagte er. Dr. Felke sieht das Problem noch größer: „Aufgrund der Klimaerwärmung wird diese Ameise irgendwann ganz Deutschland besiedeln." Er kenne bereits Vorkommen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern - die Art breite sich weiter Richtung Norden aus.

Vorbild Schweiz: Kontrollen in Gärtnereien als Schlüssel

Der primäre Einschleppungsweg ist der Pflanzenhandel - durch den Verkauf südländischer Topfpflanzen ist die Große Drüsenameise nach Deutschland gekommen. Dr. Felke forderte deshalb beim Infoabend: „Ganz wichtig wäre die systematische Kontrolle von Gärtnereien und Pflanzenmärkten, weil das sind die Verteilzentren. Über diese Schiene werden diese Ameisen in eingetopften Pflanzen überall angesiedelt." Ein Blick in die Schweiz zeigt, wie das gehen könnte: Die Große Drüsenameise wurde mit dem Pflanzenhandel in die Schweiz eingeschleppt. Kantone wie Basel-Stadt und Thurgau haben das Problem früh erkannt und setzen auf systematisches Monitoring - die Art wird meist durch Topf- und Gartenpflanzen sowie Bau- oder Gartenabfälle eingeschleppt, weshalb die Schweizer Behörden gezielte Kontrollen in Gärtnereien und beim Pflanzenhandel als zentrale Präventionsmaßnahme etabliert haben. Deutschland fehlt bislang ein vergleichbares, verbindliches System.

So schützen Sie sich: Augen auf beim Pflanzenkauf!

Wer sich die Ameise nicht selbst nach Hause holen will, sollte ab sofort bei jedem Besuch im Garten- oder Baumarkt - egal wo - genau hinschauen. Eingeschleppt wird die Art fast ausschließlich über Pflanzen und Erde - diese gelangen zunächst in Gärtnereien, Baumärkte und Gartencenter, von dort in Privatgärten und angrenzende Flächen. Dr. Felke rät: In den Märkten genau darauf achten, ob extrem viele Ameisen herumlaufen. Und ganz wichtig: „Die eingetopften Pflanzen kontrollieren, am besten den Wurzelballen einmal aus dem Topf rausholen. Wenn dann ein Befall mit Ameisen da ist, dann wird man das sofort sehen." Dann heiße es: Finger weg, keine Pflanzen kaufen und am besten die Marktleitung informieren. 

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