Melonen-Anbau in Geisenheim: Landwirte reagieren aufs Klima
Melonen-Anbautest in Geisenheim - Landwirte reagieren auf Klimawandel
Kichererbse statt Kartoffel, Wassermelone statt Wirsing: Der Klimawandel krempelt Hessens Äcker gehörig um.
Was vor Jahren noch exotisch klang, wächst heute ganz selbstverständlich auf heimischen Feldern.
Neue Kulturen erobern die Äcker
Mit dem Klimawandel kommen neue Kulturen auf hessischen Ackerflächen hinzu. So wachsen auf heimischen Feldern inzwischen unter anderem auch Kichererbsen, Sojabohnen, Quinoa, Süßkartoffeln und Wassermelonen, wie der hessische Bauernverband auf Anfrage mitteilt. Grund dafür sind vor allem die zunehmenden Hitzeperioden, auf die viele Landwirte reagieren müssen. "Viele Landwirte setzen auf Sorten, die besser mit Hitzeperioden zurechtkommen, da sie effizienter im Wasserverbrauch oder angepasst in der Reife sind", erläuterte eine Sprecherin des Verbands. Eine Einschränkung bleibt jedoch bestehen: "Generell gilt jedoch: Ohne Wasser ist das Wachstum bei keiner Kultur möglich."
Edel-Melone im Testanbau
In Geisenheim testen Experten des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH) in diesem Jahr, ob sich der Anbau von Charentais-Melonen für heimische Direktvermarkter künftig lohnen könnte. Mit den Versuchen soll herausgefunden werden, welche Sorten, Kulturverfahren und Anbauzeitpunkte zu einem guten Ertrag beitragen. Auf dieser Grundlage könnten Betriebe besser entscheiden, ob sie ihr Spektrum um die süßen Früchte erweitern, erklärt Versuchsleiter Michael Kloss, Gartenbauingenieur beim LLH.
Verband fordert mehr Geld für Züchtung
"Jede zusätzliche Kultur, die gewinnbringend sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch etabliert werden kann, ist willkommen", erklärte der Bauernverband. Neben dem praktischen Anbau mit stabilen Erträgen müsse jedoch auch der Absatz gesichert sein - und das sei nicht immer einfach. "Dies ist leider doch oftmals eine Hürde", ergänzte die Sprecherin. Ein wichtiger Aspekt bei der Anpassung an die neuen Klimabedingungen wird laut Verband die Sortenentwicklung und Züchtung sein: "Neue Sorten müssen besser mit Hitze, Trockenheit, aber auch Starkniederschlägen umgehen können." Der Verband fordert deshalb mehr Investitionen in Forschung, Innovation und moderne Züchtungsmethoden.
Was das für Verbraucher bedeutet
Sollten sich die Testanbauten in Geisenheim bewähren, könnten regional angebaute Charentais-Melonen künftig öfter auf hessischen Wochenmärkten und in Hofläden zu finden sein. Bis dahin liefern die laufenden LLH-Versuche wichtige Erkenntnisse für Betriebe, die über eine Erweiterung ihres Anbauspektrums nachdenken.