Bangen um 145 Jobs - Gersfelder Metallwaren GmbH ist insolvent
Ein Traditionsunternehmen aus der Rhön steckt in der Krise: Die Gersfelder Metallwaren GmbH (GMW) hat Insolvenz angemeldet. Das haben die Anwälte des Unternehmens mitgeteilt.
Für die 145 Beschäftigten und vier Auszubildenden geht es aber vorerst weiter.
Betrieb wird fortgesetzt
Wie die Kanzlei Anchor Rechtsanwälte mitteilt, hat die Gersfelder Metallwaren GmbH mit Sitz im hessischen Gersfeld (Rhön) bei Fulda am 26. Oktober 2026 beim Amtsgericht Fulda einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Silvio Höfer von der Kanzlei Anchor aus Hannover bestellt. Der Geschäftsbetrieb des traditionsreichen Unternehmens aus der präzisionskritischen Metallverarbeitung wird nach Angaben der Kanzlei fortgesetzt.
Belegschaft auf Mitarbeiterversammlung informiert
Auf einer Mitarbeiterversammlung wurden die Beschäftigten über die aktuelle Situation und die weiteren Schritte im vorläufigen Insolvenzverfahren informiert, teilt Anchor Rechtsanwälte mit. Zum Stand September 2026 beschäftigt die Gersfelder Metallwaren GmbH 145 Arbeitnehmer sowie vier Auszubildende. Laut dem vorläufigen Insolvenzverwalter Silvio Höfer haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter signalisiert, den eingeschlagenen Weg mitzutragen: „Unser oberstes Ziel ist es, den laufenden Geschäftsbetrieb nahtlos zu stabilisieren und gemeinsam mit den Kunden und Lieferanten stabil fortzuführen."
Über 50 Jahre Erfahrung in der Metallverarbeitung
Die Gersfelder Metallwaren GmbH wurde laut Anchor Rechtsanwälte 1970 gegründet und besteht damit seit über 50 Jahren. Am Standort in Gersfeld fertigt GMW nach Kundenzeichnung sowohl Serienteile als auch Kleinserien - darunter Drehteile, Rohr- und Drahtbiegeteile sowie Schweiß- und Montagebaugruppen. Zum Produktspektrum gehören demnach Schalthebel für Pkw und Nutzfahrzeuge, Abgashalterungen und Abgasklappen zur Akustikoptimierung, Gasgestänge für Landmaschinen sowie Zahnräder und Antriebselemente für Robotik und Maschinenbau.
Kunden aus Automobil- und Landmaschinenbau
Hauptabnehmer sind laut der Kanzlei Automobilhersteller und deren Systemlieferanten sowie Unternehmen aus dem Landmaschinen- und Maschinenbau, darunter Boysen, Faurecia beziehungsweise Purem, John Deere, KUKA und Willi Elbe. Teile gehen zudem in den Export nach China. Nach Angaben von Anchor Rechtsanwälte sank der Umsatz von über 42 Millionen Euro im Jahr 2017 auf 32,2 Millionen Euro (2024) und 2025 vorläufig auf 26,73 Millionen Euro. Die rumänische Tochtergesellschaft GMW Romania S.R.L. im rumänischen Arad hat ihre Produktion eingestellt, sie wird bis Ende 2026 nach Gersfeld zurückverlagert.
Rückläufige Nachfrage im Automotive-Sektor als Krisenursache
Die wirtschaftliche Lage des Unternehmens hat sich laut Anchor Rechtsanwälte in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert. Hauptursachen seien eine rückläufige Nachfrage im Automotive-Sektor, geopolitische Unsicherheiten sowie eine insgesamt sinkende Investitionsbereitschaft - besonders der rückläufige Markt für das Hauptprodukt Abgasklappen habe das Unternehmen empfindlich getroffen, so die Anwälte.
Insolvenzverwalter sieht gute Chancen
Trotz der angespannten Lage im klassischen Automobilzulieferbereich sieht der vorläufige Insolvenzverwalter gute Perspektiven für den Erhalt des Unternehmens. „Ich bin optimistisch, dass wir für die Gersfelder Metallwaren GmbH eine tragfähige Sanierungslösung erreichen können. Das Unternehmen verfügt über eine hohe Fertigungskompetenz und über hervorragende Produkte im Bereich der Robotik und bei Automotive, die großes Potenzial für eine zukunftsfähige Ausrichtung bieten“, betont Insolvenzverwalter Simon Höfer laut Mitteilung von Anchor Rechtsanwälte.