Stadt Frankfurt zahlt viel Geld - Warum Wachleute eine Schultreppe schützen
Klingt nach Satire, ist aber real: An der Frauenhofschule in Frankfurt bewacht Sicherheitspersonal gerade die Treppen, weil das Geländer offiziell sieben Zentimeter zu niedrig ist. Das kostet die Stadt knapp 14.000 Euro pro Woche.
Auf den ersten Blick wirkt vor Ort alles recht normal: Grundschülerinnen und Grundschüler gehen die Treppen auf und ab. Doch wer genauer hinschaut, sieht: In regelmäßigen Abständen sitzen auf kleinen Kinderstühlen Wachleute. Mehr tun sie eigentlich auch nicht. “Die sitzen, von morgens um halb acht bis 17 Uhr. Und beobachten das Geländer”, sagt Solmaz Heidlindemann.
Überraschender Anruf
Die Schulleiterin in Abordnung klingt dabei immer noch einigermaßen fassungslos. Erst vor wenigen Tagen wurde sie von einem Anruf der Stadt überrascht. Die Mitteilung lautete sinngemäß: Man habe das Treppengeländer gemessen und bemerkt, dass es nicht hoch genug ist. Es gilt die Vorschrift: Mindesthöhe 1,10 Meter - in Niederrad sind es stellenweise aber nur 1,03 Meter.
Stadt verweist auf geltende Vorschrift
“Das wurde jetzt festgestellt, nach 100 Jahren”, stellt Heidlindemann süffisant fest. Eine Sprecherin der Stadt erklärt auf unsere Nachfrage: Es gebe nun mal diese Norm, und an die müsse man sich halten - dabei spiele auch keine Rolle, dass bisher noch nie etwas Schlimmeres passiert ist.
Denn klar ist: Gott bewahre, aber sollte ein Kind jetzt über das Geländer stürzen, wäre der Aufschrei groß.
Zwölf Sicherheitskräfte im Einsatz
Weil die Schule selbst eine entsprechende Aufsicht nicht gewährleisten kann, ist jetzt Sicherheitspersonal vor Ort. Es seien “zwölf Personen zu unterschiedlichen Zeiten” im Einsatz, teilt die Stadt mit. Die Kosten dafür könnten leicht schwanken, liegen “aktuell bei rund 13.700 Euro pro Woche”.
Schulleiterin und Eltern sind fassungslos
Die vorübergehende Schulleiterin kann da nur mit dem Kopf schütteln: “Wahnsinn, wie das Geld verpulvert wird. Ich bin ehrlicherweise sprachlos, die Eltern auch”, sagt Heidlindemann. Normalerweise müsse sie für jede kleine Investition wie neue Wandfarbe kämpfen - und nun “werden für solche Dinge solche Gelder rausgehauen”.
Stadt prüft auch andere Schulen
Die Stadt hat nun ein besonderes Augenmerk auf die Treppengeländer-Thematik gerichtet. In der Mitteilung heißt es, auch andere Schulen seien betroffen. “Eine konkrete Übersicht kann kurzfristig nicht zur Verfügung gestellt werden.” Es gebe aber keine weiteren Schulen, in der Wachpersonal im Einsatz sei.
Fachleute schauen sich die Treppe an
An der Theobald-Ziegler-Schule in Eckenheim gab es früher ebenfalls das Problem, dass die Geländer zu niedrig waren. Hier hat die Stadt provisorisch Pressspanplatten angebracht - das könnte auch ein Vorbild für die Frauenhofschule sein. Am Montag (30. März) soll es einen Termin vor Ort geben, bei dem sich Fachleute die Treppe anschauen.
Situation bleibt erst mal so
Voraussichtlich “zwei bis vier Wochen” wird allerdings noch Wachpersonal in den Treppenaufgängen sitzen, so die Stadt. Das gilt auch für die Osterferien, weil die Schule in dieser Zeit eine Betreuung anbietet.
Schule macht das Beste daraus
Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler haben sich fast schon dran gewöhnt. “Wir nehmen das alles schon sehr ernst, aber es ist natürlich schon auch mit Humor und Schmunzeln verbunden”, sagt Heidlindemann.