Hessen im Ländervergleich vorn - Wie Zuwanderung den Arbeitsmarkt stützt
Ohne sie geht es nicht: Fast jeder zweite Betrieb in Hessen setzt auf ausländische Arbeitskräfte. Damit steht Hessen im Bundesvergleich auf Platz zwei, wie HIT RADIO FFH exklusiv von der Bundesagentur für Arbeit erfahren hat. Warum internationale Arbeitskräfte bei uns in den kommenden Jahren besonders wichtig werden.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In rund 80.500 hessischen Betrieben arbeiten mittlerweile mehr als 567.400 Menschen mit ausländischem Pass. Das entspricht einem Anteil von 49 Prozent aller Betriebe.
Hessen teilt sich Platz zwei
Bundesweit teilt sich Hessen damit den zweiten Platz mit Baden-Württemberg. Nur in Berlin ist der Anteil der Betriebe mit mindestens einem ausländischen Beschäftigten noch höher.
Renteneintritt reißt Lücken
Der Trend kommt nicht von ungefähr. In den kommenden sieben Jahren werden laut Arbeitsagentur rund 295.000 Menschen in Hessen die Altersgrenze erreichen und in den Ruhestand gehen. Dabei handle es sich in 90 Prozent der Fälle um deutsche Beschäftigte. Zuwanderung verdränge dabei keine Arbeitsplätze von einheimischen Beschäftigten, sondern sorge dafür, dass leere Stellen überhaupt besetzt werden können.
"Der hessische Arbeitsmarkt ist voll abhängig von der Zuwanderung. Ohne Zuwanderung wird weiteres Wachstum in der hessischen Wirtschaft nicht möglich sein", sagt Frank Martin im FFH-Interview. Er leitet die Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit. Wenn es keine ausländischen Arbeitskräfte und damit auch zusätzliche Beitragszahler gäbe, wären laut Martin auch die Renten- und Krankenversicherungsbeiträge noch weiter gestiegen.
Mehrheit in Beschäftigung
Zu den Debatten rund um Sozialversicherungsmissbrauch durch Zugewanderte sagte Martin: "Das sind Diskussionen, die müssen geführt werden und die werden ja auch zu Recht geführt, weil das natürlich Sorgen sind, die die Menschen haben." Zugleich rückte Martin die Größenordnung zu Recht: Demnach kämen mindestens fünf von sechs zugewanderten Menschen am Ende in Beschäftigung. "Natürlich ist es wichtig, über das Sechstel zu sprechen, das in Sozialversicherungssystemen sich befindet. Aber: Fünf Sechstel haben die deutschen Sozialversicherungssysteme gefüttert, fünf Sechstel haben zum Wachstum beigetragen".
Vom Helfer zum Akademiker
Oft wird Migration auf dem Arbeitsmarkt mit einfachen Tätigkeiten in Verbindung gebracht, doch die Statistik zeichnet ein anderes Bild. Gut 43 Prozent der internationalen Beschäftigten arbeiten den Angaben zufolge in qualifizierten Jobs.
Sie sind als Fachkräfte, Meister oder auf Akademikerniveau im Einsatz. Der Beschäftigungsaufbau der vergangenen zehn Jahre in Hessen geht laut Arbeitsagentur zu 72 Prozent auf das Konto ausländischer Arbeitskräfte.
Stadt-Land-Gefälle deutlich
Wer internationale Mitarbeiter einstellt, hängt stark von der Betriebsgröße und dem Standort ab. Während Großunternehmen in der Regel immer ausländische Angestellte haben, ist es bei Kleinstbetrieben nur ein Drittel.
Auch regional klafft die Schere auseinander: Offenbach führt die Liste mit 69 Prozent an, dahinter folgt Frankfurt mit 61 Prozent. In ländlichen Regionen wie dem Werra-Meißner-Kreis setzen laut den Daten bislang dagegen nur 28 Prozent der Betriebe auf Personal aus dem Ausland. Im Schwalm-Eder-Kreis sind es 32 Prozent.
Bürokratie bremst Einstellungen
Dass die Hälfte der Unternehmen auf ausländische Arbeitskräfte verzichtet, liegt laut Arbeitsagentur oft an hohen rechtlichen Hürden. Aufenthaltstitel und Arbeitsgenehmigungen einzuholen bedeuten einen hohen Aufwand und für Firmen zusätzliche Kosten. Auch Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede gehören zu den Gründen.
Doch die Beobachtung der Behörde zeigt: Wer die ersten administrativen Hürden einmal gemeistert hat, stellt im Anschluss oft problemlos weitere internationale Mitarbeiter ein.