Geburten im Kreis Offenbach - Hebammen helfen jetzt dem Rettungsdienst
Eine Frau ist hochschwanger, die Wehen kommen im Minutentakt - aber die Klinik ist noch 20 Minuten entfernt. Im Kreis Offenbach rückt dann ab sofort nicht nur der Rettungsdienst, sondern auch eine Hebamme aus.
Das Projekt "Hebamme vor Ort" gibt es in Hessen unter anderem bereits im Main-Kinzig-Kreis, im Landkreis Limburg-Weilburg und im Landkreis Groß-Gerau. Jetzt zieht der Kreis Offenbach nach - für genau die Fälle, in denen eine Geburt schneller verläuft als geplant.
Herzensprojekt
Sebastian Bergold, Arzt und zuständig für medizinische Projekte beim Rettungsdienst des Kreises, spricht im FFH-Interview von einem "Herzensprojekt" - einem Meilenstein, um die Fachkompetenz von Hebammen dorthin zu bringen, wo eine Geburt außerhalb der Klinik stattfindet.
Hebamme rückt schnell aus
Wenn jemand den Notruf wegen einer einsetzenden Geburt wählt, prüfen die Mitarbeiter der Leitstelle zunächst, ob es wirklich dringend ist. In dem Fall geht dann eine Meldung an alle registrierten Hebammen über die App "DE-Alarm" raus. Wer übernehmen möchte, meldet sich bei der Zentralen Leitstelle in Dietzenbach und kann anschließend direkt losfahren - meist mit dem eigenen Auto. Steht kein Fahrzeug zur Verfügung oder ist besondere Eile geboten, organisiert die Leitstelle den Transport.
Geburt vor Ort
Vor Ort arbeiten Hebamme und Rettungsdienstteam dann als ein Team zusammen. “Wir schaffen mit ‚Hebamme vor Ort' keine Parallelstruktur, sondern bringen zwei Fachgebiete für einen klar umrissenen Ausnahmefall zusammen”, sagt Landrat Oliver Quilling. Verläuft die Geburt regulär, liegt die Verantwortung bei der Hebamme. Wenn es dagegen medizinische Komplikationen bei Mutter oder Kind gibt, übernimmt der Notarzt.
Der Rettungsdienst bringt alles mit, was für eine Geburt benötigt wird. Eine echte Notoperation wie ein Kaiserschnitt wird weiterhin nur in einer Klinik gemacht.
Hebame ist versichert
Während des Einsatzes sind die Hebammen automatisch mitversichert, dafür sorgt der Rettungsdienst. Ihr eigentliches Honorar rechnen sie danach ganz normal mit der Krankenkasse ab - wie bei jeder anderen Geburt auch.
Wie oft kommt es zu einer Hebammen-Alarmierung?
Der Kreis Offenbach profitiert dabei von den Erfahrungen, die der Main-Kinzig-Kreis mit dem Projekt “Hebamme vor Ort” gesammelt hat. Dr. Manuel Wilhelm, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes im Main-Kinzig-Kreis, hat konkrete Zahlen: 30 bis 40 Alarmierungen pro Jahr, vier bis acht tatsächliche Geburten mit Hebammen-Beteiligung - und durchweg positives Feedback aller Beteiligten. Für den Kreis Offenbach geht Bergold von ähnlichen Größenordnungen aus.
18 Anmeldungen vor dem ersten Einsatz
Schon vor dem offiziellen Start war die Resonanz größer als gedacht: 18 Hebammen aus dem Kreis Offenbach hatten sich registriert.
Für Eltern ändert sich vorerst nichts
Wer im Ernstfall den Rettungsdienst ruft, tut das weiterhin ganz normal über die üblichen Wege - ob zusätzlich eine Hebamme alarmiert wird, entscheidet allein die Leitstelle anhand der geschilderten Lage. Hebammen aus dem Kreis Offenbach, die noch mitmachen möchten, können sich registrieren lassen.