Neues Notruf-System in drei Kreisen in Hessen gestartet
Mit Blaulicht in die Praxis? - Neues Notruf-System in Hessen gestartet
Wer medizinische Hilfe braucht, soll künftig schneller an der richtigen Stelle landen - das ist das Ziel einer neuen Notfallversorgung in Hessen. Ein Test im Kreis Gießen, dem Main-Taunus- und dem Main-Kinzig-Kreis lief gut und geht dort jetzt in den Regelbetrieb.
"So bekommen Patienten die passgenaue Hilfe, die sie brauchen – bei gleichzeitiger Entlastung von Rettungsdienst und Notaufnahmen", sagte Hessens Gesundheitsministerin Diana Stolz (CDU).
Worum geht es?
Wie meist bei gesundheitspolitischen Themen hat das Kind einen ziemlich sperrigen Namen. In diesem Fall: "Sektorenübergreifende ambulante Notfallversorgung", kurz "SaN". Ganz allgemein gesprochen geht es um Fälle, in denen Menschen den Notruf 112 wählen und dann von einem Rettungsdienst in die Notaufnahme einer Klinik gebracht werden, obwohl sie gar nicht so schwer krank sind. Diese Menschen sollen zu einem Haus- oder Facharzt gebracht werden.
Was bisher geschah
Das Modell wurde bereits erprobt – in drei hessischen Pilotregionen: Main-Taunus-Kreis, Main-Kinzig-Kreis und Landkreis Gießen. Die zweite Stufe des Projekts begann am 13. April mit dem Echtbetrieb in diesen drei Kreisen, wie die KV Hessen berichtet.
Wie das im Einzelnen funktioniert, ist für die Patienten vermutlich nicht so wichtig. In Kürze kann man sagen, dass zuerst der medizinische Bedarf ermittelt wird, dann wird entschieden: stationär oder ambulant? Je nachdem steuert der Rettungsdienst Klinik oder Praxis an. Auch wenn das völlig logisch klingt: Das ist nicht die Regel.
Woran es hapert
Damit diese Idee funktioniert braucht man Praxen, die sich bereiterklären, diese Patienten spontan zu behandeln. Das ist bisher der Engpass. Laut KV machen bisher in Hessen 35 Partnerpraxen und die 8 Bereitschaftsdienstzentralen mit. Rund 1.300 solcher Zuweisungen gab es seit dem Start des Projekts vor vier Jahren.
Bei diesen Zahlen sei noch "Luft nach oben", findet die KV Hessen. Weil das Partnerpraxis-Netz noch recht löchrig ist, werde dann leider doch oft das nächste Krankenhaus angesteuert.
Ein Jahr lang wird das Modell nun vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung evaluiert. Noch in diesem Jahr will die Bundesregierung die ambulante Notfallversorgung reformieren – Hessen könnte ein Vorbild sein.