Kinotipp: „Extrawurst“ - Filmstars im Krawallmodus
Bei der Vereinssitzung im Tennisclub schlagen Hape Kerkeling, Christoph Maria Herbst und Fahri Yardim harte Returns und das Fairplay bleibt auf der Strecke. FFH-Kinomann Volker Willner urteilt: Gnadenlos starkes Argumente-Gemetzel mit dezent dosiertem Klamauk.
Zehn Euro kostet dein Kinoticket, acht ist es wert.
Läuft gut, die Sitzung im TC Lengenheide unter Vorsitz des langjährigen Präsidenten Heribert (Kerkeling). Bis zum letzten Punkt der Tagesordnung: Ein neuer Grill soll angeschafft werden. Die Lage eskaliert, als die Mitglieder (Herbst, Yardim u.a.) diskutieren, ob für den einzigen Muslim im Verein ein Extragrill her muss, um nicht mit den Schweinefleischwürstchen der anderen in Kontakt zu kommen. Da ist das Vereinsmotto schnell vergessen: „Im Frieden und im Krieg bedeutet Einigkeit den Sieg“.
"Extrawurst" zeigt unterhaltsam, wie leicht eine Gruppe implodiert, wenn sich selbst um Nebensächlichkeiten ein Streit entzündet – und schwere Brocken wie „Türkenwurst“ „Frauenfeind“ oder „Nazi“ durchs Vereinsheim fliegen. Wokeness ist da nicht Lösung, sondern Teil des Problems. Vorlage des Films ist das gleichnamige Theaterstück. Viel mehr als ein Theaterstück braucht dieser Film auch nicht - er spielt fast komplett auf dem Tennisgelände.
Auf das Spitzenensemble ist Verlass. Ihr Timing bei den langen Dialogen sitzt perfekt. Keiner übertreibt's komödiantisch - das macht die heiße Diskussion so alltagsecht. Eine Ballmaschine außer Kontrolle gehört zu den wenigen klamaukigen Szenen, die sich "Extrawurst" gönnt. Dass der Film gefühlt zehn Minuten zu lang ist – geschenkt.