Großeinsatz in Darmstadt - Protestcamp auf Mathildenhöhe ist geräumt
Der große Polizeieinsatz in Darmstadt ist beendet: Dort haben die Einsatzkräfte ein Protestcamp geräumt. Auf der Weltkulturerbestätte Mathildenhöhe will die Stadt ein neues Besucherzentrum bauen und muss dafür Bäume roden. Aktivisten hatten das Gelände aber seit Wochen besetzt.
Seit den Morgenstunden war die Polizei mit einem Großaufgebot am Osthang im Einsatz, berichtete unser Reporter von vor Ort. Aktivistinnen und Aktivisten hatten die Polizei mit Buhrufen und Pfiffen begrüßt.
Polizei holte Aktivisten von Bäumen
Rund 20 bis 30 Menschen protestierten am frühen Morgen vor den Absperrungen. Zwei Demonstranten waren innerhalb der Absperrung auf einen Baum geklettert, sagte ein Polizeisprecher. Die Polizei konnte alle Aktivisten unverletzt von dem Baum holen.
Die Hintergründe
Seit Wochen hatten Aktivisten das Gelände nahe der Darmstädter Mathildenhöhe besetzt, wo ein Infozentrum für die Welterbestätte entstehen soll. Aktivistinnen und Aktivisten riefen unter dem Motto "Osthang bleibt" zur Kundgebung auf.
Auf dem Osthang der Mathildenhöhe war zuletzt auch ein Verein aktiv. "Seit 2015 erwecken motivierte Freiwillige den Osthang jedes Jahr erneut zum Leben: Flohmärkte, Ausstellungen, Konzerte, Workshops und Festivals", heißt es auf der Homepage.
Stadt will Informationszentrum bauen
Die Stadt hat allerdings andere Pläne mit dem Standort: Dort solle ein Informationszentrum entstehen, das "künftig Service, Information und Vermittlung an einem Ort" bündele und die historischen Gebäude ergänze. "Die geplanten Rodungsarbeiten sind zwingende Voraussetzung für die Realisierung des Projekts", hieß es in einer Mitteilung Mitte Februar.
“Kulturschatz von internationalem Rang”
"Die Mathildenhöhe ist ein Kulturschatz von internationalem Rang. Das Informationszentrum ist der Ort, an dem wir die Besucher abholen, Orientierung geben und die Geschichte dieses besonderen Ortes verständlich machen", sagt Oberbürgermeister Hanno Benz laut der Mitteilung.
Laut einer Allgemeinverfügung der Stadt ist "das Betreten, der Aufenthalt und jede Benutzung des Grundstücks" untersagt. Sie trat demnach am Mittwoch in Kraft. Ab 20. Februar sei die Fläche dann eine Baustelle.
Gasflasche auf Gelände gefunden
Am Mittwoch war auf dem Gelände eine vergrabene Gasflasche gefunden worden. Diese sei mit Nägeln bespickt, aber leer gewesen, teilte die Polizei mit. Die Stadt verurteilte ein solches Vorgehen. Am Mittwoch hatte sie alle Beteiligten dazu aufgerufen, sich "ausschließlich friedliche und rechtsstaatlich" mit den unterschiedlichen Positionen auseinanderzusetzen.