Pläne fix: Das passiert mit Frankfurter Bundesbank-Gelände
Bundesbank-Zentrale zieht um - Das wird aus dem Frankfurter Betonklotz
Es ist eines der markantesten Gebäude Frankfurts: die bisherige Zentrale der Deutschen Bundesbank in Bockenheim. Nun hat die Notenbank entschieden: Sie will aus dem Gebäude ausziehen. Stattdessen plant die Stadt Frankfurt, das Areal zukünftig für die Europäische Schule zu nutzen.
Die Bundesbank wird nach der Sanierung ihrer Zentrale nicht wieder in das markante Betongebäude im Norden Frankfurts einziehen. "Die Wirtschaftlichkeitsuntersuchung hat klar ergeben, dass der Kauf einer Immobilie deutlich kostengünstiger ist, als eine Unterbringung der Bundesbank-Zentrale am bisherigen Standort in der Wilhelm-Epstein-Straße", teilte Bundesbank-Präsident Joachim Nagel mit.
Notenbank sucht schnell neues Gebäude
Daher suche die Bundesbank nun nach einer geeigneten Immobilie in Frankfurt - möglichst innerhalb der nächsten 18 Monate. So lange hat das Geldinstitut noch eine Immobilie in der Innenstadt als Ausweichquartier angemietet. Die neue Zentrale solle sich wenn möglich in der Nähe dieses Standorts befinden. Ausschlaggebend für die Entscheidung sei laut Bundesbank auch eine verbesserte Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln gewesen.
Zukunft für Europäische Schule
Gleichzeitig hat die Stadt Frankfurt bekannt gegeben, das Areal kaufen zu wollen und dort die Europäische Schule anzusiedeln. Damit würde die Stadt ein langes Provisorium der Bildungseinrichtung beenden. Die Schule platzt am aktuellen Standort in Niederursel schon seit Jahren aus allen Nähten und fordert von der Stadt Frankfurt ein neues Gelände. Wahrscheinlich ist nun, dass die Bundesbank ihren bisherigen Standort per Direktvergabe an die Stadt verkauft.
OB Joseph: “Schnellste und beste Lösung”
„Es wäre die schnellstmögliche und beste Lösung aller untersuchten Alternativen", meinte Oberbürgermeister Mike Joseph am Mittwoch in einem Statement. „Wir könnten also nach Abschluss eines Kaufvertrages unmittelbar mit der Umsetzung beginnen“, so der Rathauschef. Die Fläche in der Wilhelm-Epstein-Straße ist als Gemeinbedarf ausgewiesen und eignet sich deshalb ebenso gut für eine Nutzung durch die Europäische Schule.
Dippemess kann am Ratsweg bleiben
Freuen dürfte diese Entwicklung auch die Betreiber der Frankfurter Dippemess: Denn zwischenzeitlich war darüber diskutiert worden, die Schule auf dem Festplatz am Ratsweg zu errichten - Umzug der Dippemess inklusíve. Dieses Projekt sei aber nun vom Tisch, betonte OB Joseph. Ohnehin hatte die Stadt Frankfurt bisher keinen Alternativstandort für die Messe finden können.
Lernen zwischen Goldvorräten?
Trotz des Auszugs der Bundesbank aus Bockenheim soll das dort gelagerte Gold aber weiterhin in Bockenheim bleiben. Auf dem Gelände lagert in Tresoren mehr als die Hälfte der von der Notenbank für den deutschen Staat verwalteten Goldreserven. Wie sich dies mit der zukünftigen Schul-Nutzung vereinbaren lässt, ist noch unklar. Außerdem bestehe laut Stadt die Möglichkeit, dass die Bundebank noch weitere Teilflächen in Bockenheim als Ausweichquartier behalten will.
1,6 Milliarden für Bundesbank zu teuer
Eine komplette Weiternutzung des bisherigen Standorts hätte sich laut Bundesbank jedoch nicht gerechnet: "Die gesamten Investitionskosten am Standort Wilhelm-Epstein-Straße hätten rund 1,6 Milliarden Euro betragen. Darin wären nicht nur die Sanierung des ehemaligen Hauptgebäudes, sondern alle nötigen Anpassungen der Liegenschaft für die Unterbringung der Zentrale enthalten gewesen." Bisher flossen nach Angaben der Bundesbank 168 Millionen Euro in Architekturwettbewerb, Schadstoffsanierung und Umbau des Baus aus dem Jahr 1972.
Probleme durch Denkmalschutz
Für Mehraufwand und höhere Kosten sorgte, dass das 220 Meter lange, 17 Meter breite und 60 Meter hohe Gebäude im Mai 2022 auf Initiative des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen überraschend unter Denkmalschutz gestellt wurde. Daraus folgte etwa die Vorgabe, in den obersten beiden der 13 Stockwerke Wandbekleidungen und Türen im Originalzustand zu erhalten. Ursprünglich plante die Bundesbank auf dem Gelände einen großflächigen Campus, verwarf die Pläne aber bereits im vergangenen Jahr wieder.