Angebot für Anfang Mai geplant - Unicredit will die Commerzbank kaufen
Die italienische Unicredit greift nach der Commerzbank – trotz der Widerstände in Deutschland. Was hinter dem Angebot steckt und wie es weitergehen könnte.
Die italienische Großbank Unicredit legt ein Übernahmeangebot für die Commerzbank vor. Das teilte die Großbank in Mailand vor. Damit geht Unicredit-Chef Andrea Orcel auf Konfrontationskurs mit dem Commerzbank-Management, den Arbeitnehmervertretern der zweitgrößten deutschen Privatbank und der Bundesregierung, die allesamt eine Übernahme ablehnen.
Die Unicredit ist mit einem direkten Anteil von 26 Prozent bereits größter Aktionär der Commerzbank und kontrolliert nach eigenen Angaben inklusive Finanzinstrumenten insgesamt 29,9 Prozent der Anteile des Frankfurter Dax-Konzerns.
Warum sich Unicredit für die Commerzbank interessiert
Offiziell soll das Angebot im Mai vorgelegt werden mit einer Angebotsfrist von vier Wochen. Außerdem will die Unicredit eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen, um die Zustimmung ihrer Aktionäre für die nötige Kapitalerhöhung einzuholen. Das wäre nur wenige Tage vor der Commerzbank-Hauptversammlung, die für den 20. Mai geplant ist.
Die Unicredit, die im deutschen Markt mit der Hypovereinsbank (HVB) bereits ein Standbein hat, wirbt seit Monaten für eine Übernahme der Commerzbank. Konzernchef Andrea Orcel sieht Chancen in einem kombinierten Geschäft mit Privat- und Mittelstandskunden und argumentiert immer wieder, Europa brauche im Wettlauf mit den starken US-Geldhäusern größere Banken.
Einstieg auf Umwegen
Die Mailänder Großbank hatte im September 2024 den Teilausstieg des Bundes genutzt, um im großen Stil bei der Commerzbank einzusteigen. Die Unicredit baute ihre Beteiligung nach und nach aus und löste den deutschen Staat als größten Commerzbank-Aktionär ab. Der Bund, der die Commerzbank in der Finanzkrise 2007/2008 mit Steuermilliarden vor dem Kollaps bewahrt hatte, hält noch gut 12 Prozent der Anteile und will die Beteiligung nicht verkaufen. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte betonte, die Bundesregierung setze auf eine "starke und unabhängige Commerzbank".
Hessens Ministerpräsident Boris Rhein reagierte zurückhaltend auf das Übernahmeangebot. Die Interessen der Mitarbeiter und der Kunden des wichtigen Mittelstandsfinanzierers Commerzbank müssten in allen Gesprächen "angemessen berücksichtigt werden". Man werde die neue Situation ergebnisoffen prüfen. "Maßstab für uns ist und bleibt, dass der europäische Finanzplatz Frankfurt am Main, Europas Nummer 1, gestärkt und nicht geschwächt wird", teilte Rhein mit.
Hoffnungen und Befürchtungen
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hat angesichts der Begehrlichkeiten der Unicredit die Eigenständigkeit ihres Hauses mit allen Mitteln verteidigt. Sie verordnete dem Konzern ehrgeizige Renditeziele, höhere Dividenden und verkündete trotz eines Rekordgewinns 2024 den Abbau von rund 3.900 Stellen, davon den Großteil in Deutschland. Nach erneut starken Zahlen für 2025 schraubte die Commerzbank erst kürzlich ihre Ziele nach oben. Orlopp setzt auf den stark gestiegenen Aktienkurs als Abschreckung gegen die Unicredit.
Verdi befürchtet schon länger einen Kahlschlag bei der Commerzbank, sollte die Unicredit die Kontrolle übernehmen. Die Gewerkschaft verweist auf die Übernahme der HVB durch die Unicredit im Jahr 2005, die bei der Münchner Bank zu einem Schrumpfkurs führte.