Steuererklärung: Finanzamt nimmt 200.000 Hessen Arbeit ab
Finanzamt erledigt die Steuer - Wer sich in Hessen zurücklehnen kann
In Kassel haben im letzten Jahr 6.000 Menschen ihre Steuererklärung nicht mehr selbst gemacht, denn das Finanzamt hatte diese Aufgabe im Rahmen eines Pilotprojekts übernommen. Jetzt wird es auf 200.000 Menschen im FFH-Land ausgeweitet, wie Finanzminister Lorz (CDU) ankündigte.
Das Projekt “Die Steuer macht das Amt” wird in Hessen deutlich ausgeweitet. Künftig mache das Finanzamt rund 200.000 Bürgerinnen und Bürgern automatisch einen Vorschlag zur Festsetzung der Einkommensteuer, wie das Finanzministerium in Wiesbaden mitteilte.
Zudem soll das Projekt auf vier weitere Bundesländer ausgeweitet werden - Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Thüringen. Insgesamt würden künftig voraussichtlich rund eine halbe Million Steuerpflichtige erreicht, ergänzte das Ministerium.
Erfolgreiche Testphase
Das Angebot “Die Steuer macht das Amt” galt bereits im zurückliegenden Jahr für rund 6.000 Steuerpflichtige im Zuständigkeitsbereich des Finanzamts Kassel. Rund 75 Prozent der angeschriebenen Bürgerinnen und Bürger hätten dem Vorschlag für eine Steuererklärung zugestimmt. Künftig werden hessenweit alle Finanzämter dieses Angebot machen, wenn die Steuerpflichtigen bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Finanzminister Alexander Lorz (CDU) sagte, man müsse, könne und wolle der Erwartungshaltung der Bürger nach einer spürbaren Entlastung gerecht werden.
Wer kann profitieren?
Zielgruppe sind nach Angaben des Ministeriums Bürgerinnen und Bürger ohne Steuerberater, die ausschließlich Einkünfte als Arbeitnehmer oder eine Rente beziehungsweise eine Pension beziehen. Zudem würden auch Steuerpflichtige erfasst, die Kinder unter 18 Jahren haben, hieß es. Grundlage für den Vorschlag des Finanzamts sind Daten etwa zu Lohn, Rente und Versicherungen, die der Steuerverwaltung wegen der entsprechenden Meldepflichten ohnehin schon vorliegen.
Die Steuerverwaltung sei für viele der häufigste Kontaktpunkt mit dem Staat, so Finanzminister Lorz. Sie sei “zentraler Ort, an dem Vertrauen in eine verlässliche, faire und bürgernahe Verwaltung entsteht”, sagte der CDU-Politiker. Dieses Vertrauen wolle man stärken. Ein moderner Staat solle seinen Bürgern Arbeit abnehmen, “wann immer das möglich ist."
Lorz strebt landesweite Ausbreitung an
Um das Programm bereits in ganz Hessen auszubreiten, sei das Steuersystem zu komplex, sagte Lorz. “Aber ich möchte gerne ausprobieren, wie weit wir damit kommen können.” Doch:" Langfristig würde ich gerne soweit wie möglich von der Steuererklärungspflicht des Bürgers wegkommen”, kündigte der Finanzminister am Donnerstag (09.04.) an.
Was passiert, wenn ich dem Vorschlag nicht zustimme?
Aus den Daten erstellt die Behörde automatisiert einen Vorschlag zur Festsetzung der Einkommensteuer 2025. Dieser wird von den Finanzämtern ab dieser Woche verschickt. Wer die Daten geprüft hat und einverstanden ist, stimmt aktiv zu und bekommt dann automatisch seinen Steuerbescheid.
Der Vorschlag kann von den Steuerpflichtigen noch ergänzt werden. Es ist auch weiterhin möglich, eine selbst erstellte Steuererklärung einzureichen. Für das Jahr 2025 gilt dafür die Frist bis zum 31. Juli 2026. Das Ministerium wies darauf hin, dass Bürgerinnen und Bürger auch dann weiterhin eine Steuererklärung abgeben müssen, wenn im Vorschlag nicht alle Einnahmen enthalten sind.
Welche Erleichterungen gibt es noch?
Die bundesweite Steuersoftware Elster führt voraussichtlich ab Juli den Service “Steuererklärung per App mit einem Klick” ein, wie das hessische Finanzministerium ergänzte. Das Angebot richte sich an ledige, kinderlose Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Bezieher von Alterseinkünften.