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Tarifstreit eskaliert: Lufthansa-Streik auch am Freitag

Schlichtung gescheitert - Lufthansa-Streik auch am Freitag geplant

Linda Hadiko

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Linda Hadiko

© dpa

Bei der Lufthansa wird auch am Freitag gestreikt.

Drinnen Feierstimmung, draußen Wut: Während Lufthansa 100-jähriges Jubiläum mit dem Kanzler begeht, streiken Piloten und Flugbegleiter. Ein Ende des Arbeitskampfs ist nicht in Sicht.

Auch am vierten Tag der Woche streikt das fliegende Personal der Lufthansa. Weil Piloten und Flugbegleiter gemeinsam die Arbeit niedergelegt haben, fallen erneut Hunderte Flüge der Lufthansa, der Lufthansa Cargo und der Regionaltochter Cityline aus. 

Allein am Drehkreuz Frankfurt registrierte der Betreiber Fraport 656 Annullierungen bei 1.313 geplanten Starts und Landungen. Die Zahlen beziehen sich auf sämtliche Airlines, während die Streichungen im Wesentlichen der Lufthansa zuzurechnen sind.

Am Vortag war der Versuch einer Schlichtung in den festgefahrenen Tarifverhandlungen für die Piloten gescheitert. Die Lufthansa und die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) konnten sich nicht auf einen Themenkatalog einigen. Die Proteste der Beschäftigten überschatteten dabei den Festakt zu 100 Jahre Lufthansa. 

Bei der Direktfluggesellschaft Eurowings sollte nur an diesem Donnerstag gestreikt werden, während bei den anderen Gesellschaften auch der Freitag bedroht ist. Eurowings schafft es nach Angaben eines Firmensprechers, mehr als 70 Prozent der geplanten Flüge in die Luft zu bringen. Hier fällt allerdings auch nur ein Teil der Flotte unter deutsches Streikrecht. Es habe sich aber auch eine dreistellige Zahl von Piloten deutscher Maschinen freiwillig zum Dienst gemeldet.

Festlichkeiten zum Jubiläum

Die Gegensätze hätten am Mittwoch bei der Feier zum 100-jährigen Jubiläum kaum deutlicher sein können: Im nagelneuen Besucherzentrum "Hangar One" entfaltet die Lufthansa zum 100. Geburtstag allen Glanz, zu dem sie fähig ist, während draußen die streikenden Flugbegleiterinnen und Piloten für bessere Tarifbedingungen demonstrieren. Mit der Deutschen Lufthansa AG geht es um ein besonderes Unternehmen, wie nicht nur der flugbegeisterte Bundeskanzler Friedrich Merz feststellt. 

Das strategisch wichtige Unternehmen habe das Bild von Deutschland stärker geprägt als jedes andere, lobt der Kanzler. Die Bundesregierung setze sich dafür ein, dass Deutschland wichtiger Luftverkehrsstandort bleibe, versprach Merz. "Weniger Fliegen ist keine Option für den Wirtschaftsstandort Deutschland." Dazu brauche man nachhaltige klimaschonende Technologien, aber auch niedrige Kosten und eine höhere Wettbewerbsfähigkeit. 

100 Jahre nach dem Erstflug

Merz dankte Lufthansa-Chef Carsten Spohr ausdrücklich dafür, dass sich das Unternehmen erstmals auch vollständig zu seiner Rolle im Nationalsozialismus bekannt habe. Die erste Lufthansa hatte ihren kommerziellen Erstflug am 6. April 1926 von Berlin nach Zürich absolviert. Die staatlich stark gestützte Gesellschaft war an der verdeckten Aufrüstung des NS-Staates ebenso beteiligt wie an der rücksichtslosen Ausbeutung zehntausender Zwangsarbeiter. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs ging sie mit dem Nationalsozialismus unter und wurde erst 1955 neu gegründet. Spohr erinnerte an die maßgebliche Unterstützung der USA beim Neustart. 

Inmitten historischer Uniformen, auf Hochglanz polierten Flugzeugen und Showeinlagen bekamen die Teilnehmer des Festaktes kaum etwas mit von den Protesten der Beschäftigten vor der Tür. Der scheidende Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley kritisierte die streikenden Gewerkschaften hart und kurz: "Selbstbezogenheit ersetzt Sozialpartnerschaft." Er forderte Merz auf, das deutsche Streikrecht zu reformieren, weil Arbeitgeber nach aktuellem Streikrecht und Praxis zum Zuschauen verurteilt seien. Waffengleichheit gehöre der Vergangenheit an.

"Wir wollen gesehen werden"

Doch auch die demonstrierenden Beschäftigten identifizieren sich stark mit dem Unternehmen. "100 Jahre Lufthansa, da sind ganz viele fleißige Menschen dahinter, und die wollen gesehen und wertgeschätzt werden – und das ist seit Jahren leider nicht mehr der Fall", sagt Yvonne, eine Flugbegleiterin auf dem Demonstrationszug. 

Der Ufo-Tarifexperte Harry Jaeger bekräftigt: "Wir würden lieber 100 Jahre Lufthansa feiern. Und das meine ich bitterernst. Nicht nur die Gewerkschaften, sondern insbesondere die Menschen, die wir vertreten, brennen für Lufthansa." Man habe jedoch das Gefühl, mit den Anliegen nicht gehört zu werden. 

In dem festgefahrenen Tarifkonflikt geht es um die im Manteltarifvertrag geregelten Arbeitsbedingungen für die rund 20.000 Flugbegleiter und einen Sozialplan bei der Regionalgesellschaft Lufthansa Cityline, die vor der Schließung steht. Es sei das Normalste der Welt, einen Sozialtarifvertrag zu verlangen, meinte Jaeger. Lufthansa verweist auf Übernahmeangebote in die neuen Gesellschaft Lufthansa City Airlines. 

Schlichtungsversuch vorerst gescheitert

Die Lufthansa strebe "offenbar kein faires Schlichtungsverfahren" zur Befriedung der Tarifkonflikte an, kritisierte VC. Sie habe umfassende Forderungen zur Bedingung gemacht. Die Lufthansa erklärte, dass das Ziel einer Schlichtung ausschließlich die Befriedung sämtlicher Konflikte sein könne. Dies sei mit der VC nicht zu machen gewesen. Die Airline kündigte aber an, nochmals auf die Gewerkschaft zugehen zu wollen. 

Die Pilotengewerkschaft schloss weitere Streiks bereits nicht aus: "Wer ein solches Angebot ausschlägt und darüber hinaus auch keinerlei verhandlungsfähige Angebote macht, nimmt zumindest in Kauf, dass sich Tarifauseinandersetzungen weiter zuspitzen, anstatt aktiv an einer Deeskalation mitzuwirken", sagte VC-Präsident Andreas Pinheiro.

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