Zeckenproblem in Hessen Gefahr wächst durch Klimawandel
Gefahr wächst durch Klimawandel - So groß ist das Zeckenproblem in Hessen
Der Klimawandel bringt neue Zeckenarten in Hessen – und verlängert die Saison. Warum das aus der Sicht einer hessischen Zeckenexpertin ein Problem ist.
Zecken werden sich in Hessen nach Experteneinschätzung zunehmend ausbreiten. Wegen des Klimawandels wandern einerseits neue Arten ein, andererseits kommen heimische Arten wie etwa der Gemeine Holzbock besser über den Winter, wie die Ärztin und Zecken-Kennerin Adela Zatecky aus Mühlheim erläutert. "Zecken gehören zu den Gewinnern des Klimawandels. Das heißt, wir haben ein Zeckenproblem und wir werden es auch behalten."
Wie verändern sich die Zecken-Populationen in Hessen?
Zecken zu zählen, ist schwer. Jedoch beobachten die Experten hierzulande vermehrt Arten, die eher in klimatisch wärmeren Gegenden vorkommen - wie etwa die Auwaldzecke (auch Wiesenzecke genannt) sowie die Schafzecke. "Das sind Zecken, die es früher bei uns kaum gab", ergänzt Zatecky, Zweite Vorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu) Mühlheim und Offenbach. Ob mit der Zunahme an neuen Zeckenarten auch die Gesundheitsgefahren wachsen, lässt sich nach den Worten der Medizinerin schwer abschätzen.
Was sollten Hundebesitzer bei Reisen beachten?
Nicht nur der Klimawandel spielt den kleinen Parasiten in die Hände. Wir können Zecken nämlich auch als blinde Passagiere aus dem Urlaub mitbringen. Vor allem bei Autoreisen mit dem Hund sei Vorsicht geboten, sagt Prof. Christoph Grevelding von der Universität Gießen. “Wir sprechen hier von sogenannten Reise-Parasitoren. Da ist es ganz wichtig, dass Tierbesitzer sich bei Reisen nach Südeuropa vorher beraten lassen.” Denn im schlimmsten Fall können sich diese Zeckenarten in der eigenen Wohnung ausbreiten und sind von dort nur schwer wieder zu entfernen.
Welche Krankheiten können Zecken übertragen?
Für die typischen Erkrankungen wie Borreliose und FSME gelte nach wie vor der heimische Gemeine Holzbock als Hauptüberträger. "Aber die zugewanderten Arten können diese beiden Hauptkrankheiten auch übertragen - wenn auch mutmaßlich nicht ganz so effektiv", sagt Zatecky. FSME steht für Frühsommer-Meningoenzephalitis. 2025 wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums 25 FSME-Fälle in Hessen registriert. ein Jahr zuvor waren es noch zehn Fälle. Wesentlich häufiger ist die Borreliose, eine Entzündungskrankheit, die aber gut mir Antibiotika behandelt werden kann,
Warum zählen Zecken zu den Gewinnern des Klimawandels?
Auch ursprünglich heimische Zeckenarten profitieren davon, dass die Winter im Zuge des Klimawandels milder geworden sind. "Früher, wenn es mal so ein richtig harter Winter war, dann sind auch Zecken weg gefroren", erläutert Zatecky. Das drohe den Überlebenskünstler inzwischen kaum noch. "Eine natürliche Regulierung der Population durch harte Winter gibt es quasi nicht mehr", erklärt die Expertin. Die Aktivitätsphase der Zecken beginnt ab etwa acht Grad. Wird es also grundsätzlich milder, bedeutet dies für die Tiere mehr Zeit für die Vermehrung. "Und auch dadurch nehmen die Populationen zu."
Was bedeutet die Zunahme für die FSME-Risikogebiete?
In Hessen sind vom Robert-Koch-Institut zehn Land- und Stadtkreise als FSME-Risikogebiete ausgewiesen. Für sie besteht eine Impfempfehlung. Dazu zählen die Städte Offenbach und Darmstadt sowie die Landkreise Bergstraße, Darmstadt-Dieburg, Fulda, Groß-Gerau, Main-Kinzig, Marburg-Biedenkopf, Odenwald und der Kreis Offenbach. "In Richtung Norden und Nordosten haben wir bislang keine Risikogebiete ausgewiesen. Und das wird aber kommen."
Was sind die wichtigsten Vorbeugemaßnahmen?
"Wenn ich in die Natur gehe, dann muss es für mich selbstverständlich sein, dass ich einen Insektenschutz auftrage", sagt Zatecky. Zudem sollte man sich bei einem Aufenthalt in einem FSME-Risikogebiete impfen lassen. Dies gelte etwa auch für Menschen, die zwar in Frankfurt wohnen, aber regelmäßig in den Odenwald und damit in ein Risikogebiet fahren. Nach einem Ausflug in die Natur sollte Kleidung, die man normalerweise im Schlafzimmer auszieht, eher im Bad ausgezogen werden, rät die Ärztin.
Um Klamotten ganz sicher von Zecken zu befreien, müssten sie mit 60 Grad gewaschen werden. Zudem sei es wichtig, den Körper sorgfältig abzusuchen. Während FSME direkt übertragen wird, wenn die Zecke zugestochen hat, lässt sich das Borreliose-Risiko nach den Worten der Ärztin deutlich senken, wenn die Zecke schnell entfernt wird.