Schock in Marburg: Biontech schließt Standort - 540 Jobs weg
Biontech schließt Standorte - Schock in Marburg - alle 540 Jobs weg
Einsparungen von bis zu 500 Millionen Euro
Geplant ist, die Standorte in Idar-Oberstein, Marburg und Tübingen bis Ende 2027 zu schließen. Der Betrieb in Singapur soll voraussichtlich im ersten Quartal 2027 eingestellt werden. Geplant sei ein partieller oder vollständiger Verkauf.
Das Biopharma-Unternehmen rechnet nach vollständiger Umsetzung der Maßnahmen im Jahr 2029 mit wiederkehrenden jährlichen Einsparungen von bis zu rund 500 Millionen Euro. Die Mittel sollen für die Forschung, Entwicklung und Markteinführung von Medikamenten gegen Krebs eingesetzt werden.
1860 Arbeitsplätze weg
Neben Marburg sollen auch die Produktionsstandorte in Idar-Oberstein und Singapur sowie Standorte vom übernommenen Konkurrenten Curevac schließen. Insgesamt können bis zu 1.860 Stellen wegfallen, kündigt das Management des Biopharma-Unternehmens an. Geplant sei jeweils ein partieller oder vollständiger Verkauf.
Hohe Gewerbesteuer in der Pandemie
In der Corona-Pandemie hatte Biontech am Marburger Pharma-Standort das Werk von Novartis übernommen, einem Schweizer Pharmahersteller. Biontech investiert circa 40 Millionen Euro in den Standort und begann hier mit der mRNA-Produktion in hochspezialisierten Reinräumen. Die Biontech-Impfstoff-Produktion bescherte der Unistadt Marburg daraufhin zwei Jahre lang höchste Gewerbesteuereinnahmen.
Biontech-Aus trifft hart
Mit dem Ende der Corona-Pandemie kam aber das böse Erwachen. Bereits 2025 kündigte Biontech an, in Marburg wieder mehrere hundert Stellen abbauen zu wollen. Trotzdem trifft das komplette Aus für den Standort die Unistadt hart.
CSL Behring schließt Campus
Auch andere Pharma-Firmen streichen am Standort oder verlassen ihn ganz, wie FFH mehrfach berichtete. So will unter anderem CSL Behring ein neues Forschungszentrum mit bislang 500 Arbeitsplätzen schließen und weitere Stellen in der Produktion streichen (350-400 Stellen). Eine strategische Neuausrichtung sei der Grund.
Stellenabbau betrifft ganze Region
Der Pharma-Standort Marburg hat seit den Forschungen und Produktionen von Behring mit dem Firmengründer und Nobelpreisträger Emil Behring Tradition. Direkt für die Pharma-Firmen arbeiten am Standort rund 5.500 Menschen. Doch viele Firmen werden im Zuliefererbereich vom Stellenabbau mittelbar betroffen sein, befürchtet die Gewerkschaft IGBCE
Betriebsräte und Gewerkschaft entsetzt: Kahlschlag
Die Betriebsräte der betroffenen Standorte sprachen nach der Bekanntgabe der geplanten Werkschließungen von inakzeptablen und verantwortungslosen Plänen des Managements. Die Arbeitnehmervertreter kündigten entschiedenen Widerstand der Beschäftigten an. Die Betriebsräte äußerten die Hoffnung, dass die angedrohte Stilllegung der Werke durch den Verkauf an einen Investor verhindert werden könnte.
Weniger Umsatz mit Covid‑19-Impfstoffen
Im ersten Quartal verbuchte Biontech einen zurückgehenden Umsatz. Die Erlöse lagen bei 118,1 Millionen nach 182,8 Millionen Euro in den ersten drei Monaten des Vorjahres. Der Rückgang sei vor allem auf niedrigere Umsätze mit den Covid‑19-Impfstoffen zurückzuführen.
Herstellung von Covid-19-Impfstoff vollständig bei Pfizer
Für die Impfsaison 2026/27 werde die Entwicklung eines an Varianten angepassten Covid-19-Impfstoffs vorbereitet. Biontech kündigte an, dass die Herstellung des Covid-19-Impfstoffs künftig vollständig von den Pfizer-Standorten in Europa und Amerika abgedeckt werde.