Taxipreise steigen in Kassel – wie reagieren andere Städte?
Kassel erhöht Taxipreise - So viel teurer wird Taxifahren in Kassel
In Kassel kosten Taxifahrten wegen gestiegener Betriebskosten bald mehr. Wie andere hessische Städte mit dem Preisdruck umgehen und warum der Taxiverband Erhöhungen kritisch sieht.
Wer in Kassel mit dem Taxi fahren will, muss künftig deutlich tiefer in die Tasche greifen. Laut der Stadt sollen die Preise dort steigen wegen der "in kurzer Zeit deutlich angestiegenen Kraftstoffpreise, die die Betriebsausgaben der örtlichen Taxibetriebe massiv erhöht haben". Diese Entwicklung wirke sich unmittelbar und in erheblichem Umfang auf die Wirtschaftlichkeit der Unternehmen aus, erklärt ein Sprecher.
Ab dem 13. Juni werden in Kassel für Fahrgäste deshalb 2,80 Euro und damit 70 Cent mehr für jeden gefahrenen Kilometer fällig. Die Grundgebühr bleibt bei 4 Euro. Das bedeutet eine Preiserhöhung um 30 Prozent pro Kilometer. Eine 10 Kilometer lange Taxifahrt beispielsweise wird künftig 7 Euro teurer.
"Mit der Anpassung der Beförderungsentgelte kommt die Stadt Kassel dem Anliegen der ortsansässigen Unternehmen nach, auf die gestiegenen Betriebskosten zu reagieren", erläutert der Sprecher. Ziel sei es, "die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Taxengewerbes und damit die Sicherstellung des individuellen Verkehrsangebots als Bestandteil des öffentlichen Nahverkehrs im Interesse der Allgemeinheit zu gewährleisten".
Taxiverband: Preiserhöhungen nicht wirksam
Der Druck auf die Taxiunternehmen ist nach Angaben des Taxiverbands Hessen allgemein sehr groß. Die Treibstoffkosten seien ein zusätzlicher wesentlicher Faktor, sagt dessen Vorsitzender Hans-Peter Kratz. Die Mehrkosten lägen inzwischen bei rund 15 Prozent. Trotzdem hält Kratz höhere Preise nicht für zielführend.
"Mit Preiserhöhungen gewinnen sie keine Kunden neu oder zurück", sagt er. "Solange die Wettbewerber außerhalb des gesetzlichen Rahmens arbeiten und mit Dumpingpreisen zulasten der Steuerzahler und der Sozialversicherungen arbeiten, ist eine Preisanpassung wohl kein geeignetes Mittel", erläutert Kratz mit Blick auf Plattformen wie Uber oder Bolt, die zumeist billiger unterwegs sind und dem traditionellen Taxigewerbe zu schaffen machen.
"Die Preise passen ja, die Auslastung ist zu gering", erklärt Kratz. Die Kommunen müssten die gesetzlichen Rahmenbedingungen konsequent kontrollieren und durchsetzen, so dass ein fairer Wettbewerb entstehe, fordert er. "Dann zählt wieder das Angebot und der Bessere möge gewinnen."
Fulda prüft Anpassung
Während Kassel die Preise anzieht, sind andere Städte noch zurückhaltend. Aus Fulda etwa heißt es zwar, dass aktuell eine Anpassung der Entgelte überprüft werde, um der wirtschaftlichen Entwicklung seit der letzten Anpassung Rechnung zu tragen. "Ob und in welcher Höhe eine Anpassung vorgenommen wird, kann zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht abgeschätzt werden", erklärt ein Sprecher der Stadt. Aktuell zahlen Fahrgäste dort eine Grundgebühr in Höhe von 3,75 Euro. Der erste Kilometer kostet 3,50 Euro, jeder weitere 2,40 Euro.
"Die wirtschaftliche Situation der Taxibetriebe lässt sich durch uns nur schwer einschätzen", erläutert der Sprecher. Es sei aber zu beobachten, dass weiterhin eine hohe Nachfrage an Neubewerbern zur Erteilung von zusätzlichen Konzessionen für den Taxibetrieb bestehe.
Stabile Preise in Frankfurt und Darmstadt
In Frankfurt zahlen die Fahrgäste nach Angaben des Ordnungsamtes weiterhin 4 Euro Grundpreis und 2,40 Euro pro Kilometer. Zur wirtschaftlichen Lage der Unternehmen lasse die Stadt gerade ein Gutachten erstellen, hieß es.
Auch in Darmstadt ist nach Angaben der Stadt derzeit keine Anpassung der Taxitarife geplant. Dort bleibt es zunächst bei 4 Euro Grundpreis und 2,20 Euro Fahrpreis pro Kilometer. "Es wurde auch noch kein Antrag aus der Taxiunternehmerschaft eingereicht", sagt ein Sprecher. "Die Verwaltung hat das Thema jedoch im Blick."
Die wirtschaftliche Lage des Taxigewerbes werde derzeit als schwierig eingeschätzt. "Es gibt Rückmeldungen zu Belastungen, aber keine abschließende Bewertung, weil die Stadt ein Funktionsgutachten in Auftrag gegeben hat, das aktuell aber noch ausgewertet wird."
Angespannte Lage in Wiesbaden
In Marburg und Wiesbaden ist nach Angaben der Städte ebenfalls aktuell keine Preiserhöhung geplant. Taxiunternehmer hätten zuletzt zwar von einer angespannten Lage aufgrund von Preissteigerungen berichtet, sagt ein Sprecher der Stadt Wiesbaden. Zudem seien sinkende Fahrgastzahlen bereits seit Beginn der Corona-Pandemie zu verzeichnen.
"Bisher haben weder der Taxiverband Wiesbaden, die Taxizentralen oder die Taxiunternehmer den Wunsch geäußert den Tarif zu erhöhen", erklärt er. Aufgrund der sinkenden Fahraufträge für Taxen und den günstigeren Preisangeboten der Mietwagen habe die Stadt bisher von einer Tariferhöhung abgesehen.
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